Corona-Report aus Grenzgebiet: Tschechische Polizei jagt Maskenmuffel bis nach Sachsen

Johanngeorgenstadt/Potucky - Trip nach Tschechien in Corona-Zeiten: Was geht da noch? Generell gelten bei der Einreise nach Tschechien seit Montag verschärfte Einreisebestimmungen. Doch kontrolliert wird kaum, wie eine Stichprobe in Johanngeorgenstadt zeigt. Dafür sind viele Deutsche verwirrt, was sie noch tun dürfen.

Das alte Wappen der Tschechoslowakei (aufgelöst 1992) prangt noch am Grenzübergang zwischen Johanngeorgenstadt und Potůčky.
Das alte Wappen der Tschechoslowakei (aufgelöst 1992) prangt noch am Grenzübergang zwischen Johanngeorgenstadt und Potůčky.  © Ralph Kunz

Die Fleischerei Küllig hat direkt an der Grenze zu Potůčky einen Imbiss. Verkäuferin Regine Schanze (56) klagt: "Ich werde ständig gefragt, ob man noch nach Tschechien fahren darf. Aber ich habe keine Ahnung, wie die Regeln sind."

Katrin Dikmayer (30) brachte ihren Vater Werner Hanke (69) zum Zigarettenkauf an die Grenze, blieb aber vorsichtshalber auf deutscher Seite stehen: "Papa soll alleine gehen. Falls es Zwangstests gibt, bin ich nicht betroffen."

Ein Erzgebirger blieb ratlos mit dem Auto an der Grenze stehen. "Muss ich mir einen Stempel holen?", fragte er Passanten. Doch die winkten ihn weiter. Heidi (58) und Mario Kirmse (55) kamen aus Altenburg, kauften Zigaretten, Kaffee und Oblaten: "Besser so als Grenze zu. Leider sind die Restaurants geschlossen - wir würden gerne Knödel essen."

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Irritierte Deutsche rufen derzeit oft bei der Bundespolizei an, fragen, ob sie noch nach Tschechien dürfen. "Ja", sagt Sprecher Eckhard Fiedler (52) aus Klingenthal.

Wird oft gefragt, ob man noch nach Tschechien einreisen darf: Fleischereiverkäuferin Regine Schanze (56).
Wird oft gefragt, ob man noch nach Tschechien einreisen darf: Fleischereiverkäuferin Regine Schanze (56).  © Ralph Kunz
Die tschechische Policie dreht ihre Runden, kontrolliert aber kaum.
Die tschechische Policie dreht ihre Runden, kontrolliert aber kaum.  © Ralph Kunz
Katrin Dikmeyer (30) schickte ihren Vater Werner Hanke (69) allein zum Zigarettenkauf - aus Angst vor Zwangstests auf Corona.
Katrin Dikmeyer (30) schickte ihren Vater Werner Hanke (69) allein zum Zigarettenkauf - aus Angst vor Zwangstests auf Corona.  © Ralph Kunz
Zigaretten, Kaffee und Oblaten kauften Heidi (58) und Mario Kirmse (55) am Montag in Potůčky. Ab Dienstag müssten sie nach so einer Tour sofort in Quarantäne und zum Coronatest.
Zigaretten, Kaffee und Oblaten kauften Heidi (58) und Mario Kirmse (55) am Montag in Potůčky. Ab Dienstag müssten sie nach so einer Tour sofort in Quarantäne und zum Coronatest.  © Ralph Kunz

Aber nicht so: Ein Zwickauer (53) radelte Sonntagmittag nach Potůčky, ohne Maske. Als die tschechische Polizei auftauchte, flüchtete er nach Johanngeorgenstadt. Doch die Policie raste im Zuge der erlaubten Nacheile hinterher, kassierte auf sächsischem Gebiet eine Strafe von 500 Kronen (19 Euro).

Polizeisprecher Fiedler: "Der Polizeivertrag erlaubt die gegenseitige Nacheile bei Straftatverdacht."

Titelfoto: Ralph Kunz

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