Die Abrissbirne regiert in vielen ländlichen Kommunen, auch in Schwarzenberg

Schwarzenberg - Bauen, bauen, bauen: Großstädte wie Leipzig müssen Wohnraum schaffen, um ihrem Wachstum gerecht zu werden. Auf dem Land ist es umgekehrt: Leer stehende Wohnungen sind für Vermietungsgesellschaften nicht rentabel. Um ein Minusgeschäft zu verhindern, bleibt oft nur die Abrissbirne.

Uwe Matthe (l.), Chef der Schwarzenberger Wohnungsgesellschaft, spricht mit Alexander Müller vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft über Rückbaumaßnahmen.
Uwe Matthe (l.), Chef der Schwarzenberger Wohnungsgesellschaft, spricht mit Alexander Müller vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft über Rückbaumaßnahmen.  © Peter Endig/dpa

Zu DDR-Zeiten waren die Plattenbauten in Schwarzenberg heiß begehrt - insbesondere für Arbeiter der Wismut. Heute ist die Situation eine andere.

Dutzende Mehrfamilienhäuser stehen leer und wirken für junge Leute nicht mehr anziehend.

1990 hatte Schwarzenberg 25.000 Einwohner, heute sind es noch gut 16.000. Bis 2035 soll die Stadt um weitere 20 Prozent schrumpfen.

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Die Schwarzenberger Wohnungsgesellschaft hat ihren Bestand bereits angepasst. Von rund 3400 Wohnungen sind 2200 übrig geblieben.

"Wenn ein Haus zu 40 oder 50 Prozent leer ist, macht man damit Verluste", sagt Chef Uwe Matthe.

Hinzu komme: Je mehr Leerstand es in der Nachbarschaft gebe, desto unattraktiver sei die Wohnlage.

Komplettabrisse sollten nicht immer die Lösung sein

Für viele Wohnungsgenossenschaften ist Abriss günstiger als Erhalt.
Für viele Wohnungsgenossenschaften ist Abriss günstiger als Erhalt.  © Stefan Sauer/dpa

Schwarzenberg muss abreißen, um seine verbliebenen Einwohner zu halten. "Das Problem ist allerdings, dass viele Kommunen an den Eigenmitteln für den Rückbau scheitern", sagt Alexander Müller vom Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VdW) Sachsen.

Einige Unternehmen setzen deshalb auf Teilabriss. Dabei werden nur die obersten Stockwerke von Plattenbauten abgerissen.

"Die umgebauten Gebäude passen auch städtebaulich viel besser rein", sagt Peter Sauer, Chef der Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft.

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Durch weitere Umbaumaßnahmen, etwa angebaute Balkone, erkenne man kaum noch, dass es sich mal um einen Plattenbau gehandelt habe - und es entstehen keine Löcher in der Landschaft.

Sauer wünscht sich eine bessere Förderung dieser Maßnahme. Nur der Komplettabriss wird umfassend bezuschusst. Mit dem Landesprogramm "Rückbau Wohngebäude" will Sachsen 2021 drei Millionen Euro ausgeben.

Ein leerstehender Altneubau in der Clara-Zetkin-Straße in Schwarzenberg.
Ein leerstehender Altneubau in der Clara-Zetkin-Straße in Schwarzenberg.  © Peter Endig/dpa
Schwarzenberg hat wie viele andere Kommunen in Sachsen mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen.
Schwarzenberg hat wie viele andere Kommunen in Sachsen mit Bevölkerungsschwund zu kämpfen.  © Kristin Schmidt

Maximal 50 Euro pro Quadratmeter rückgebauter Wohnfläche gibt es.

Titelfoto: Peter Endig/dpa

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