Geschenkte Weihnachtsgans: Staatsanwalt ermittelt gegen Bürgermeister wegen Korruption

Großrückerswalde – Eine tote Weihnachtsgans – splitternackt, unterkühlt und in Plaste gezwängt – gilt gerade als Herausforderung für die Staatsanwaltschaft. Denn am Corpus Delicti könnte sich eine recht unangenehme Frage beantworten lassen: Ist der Bürgermeister der Erzgebirgs-Gemeinde Großrückerswalde etwa korrupt?

Für Bürgermeister Jörg Stephan (63, CDU) ist die Sache mit der Gans noch nicht gegessen.
Für Bürgermeister Jörg Stephan (63, CDU) ist die Sache mit der Gans noch nicht gegessen.  © Jan Görner

Es begann mit einem Corona-Verstoß in der Adventszeit. Bürgermeister Jörg Stephan (63, CDU) marschierte ohne Maske in die örtliche Suchtklinik, an der zur Therapiebegleitung auch Haustiere gehalten werden.

Er wollte wie jedes Jahr die geschenkte Gans abholen. Es gab eine Anzeige beim Landratsamt, der Bürgermeister musste als Maskenmuffel Bußgeld zahlen.

So ärgerlich die Gefährdung der Patienten für die Klinik war, beschäftigte den Dorffunk aber eine andere Frage: Wieso eigentlich bekommt der Bürgermeister seinen Braten geschenkt? Und das Jahr für Jahr, wie er freimütig zugab?

Nach Konsultation mit dem Korruptionsbeauftragten stellten Gemeinderäte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz.

Behördensprecherin Ingrid Burkhart: "Wir haben ein Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsannahme eingeleitet." Dabei wird es eine Rolle spielen, ob Jörg Stephan die Gans als Privatperson oder im Zusammenhang mit den Dienstgeschäften erhielt. In Sachsen dürfen Bürgermeister kleine Aufmerksamkeiten im Wert bis 20 Euro annehmen.

Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsannahme ein.
Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsannahme ein.  © Hendrik Schmidt/dpa
Auf dem Gelände der Klinik werden zur Therapiebegleitung auch alte Haustierrassen gehalten.
Auf dem Gelände der Klinik werden zur Therapiebegleitung auch alte Haustierrassen gehalten.  © Ralph Kunz
Eine der Gänse ist in jedem Jahr für den Bürgermeister bestimmt.
Eine der Gänse ist in jedem Jahr für den Bürgermeister bestimmt.  © Imago images

Falls es zur Anklage kommt, könnte auch auf die Suchtklinik ein Verfahren wegen Vorteilsgewährung zukommen. Die Weihnachtsgans hat Jörg Stephan wieder in die Klinik zurückgebracht, sie wurde entsorgt. Mit einer zusätzlichen Spende von 100 Euro glaubte der Bürgermeister eigentlich, die Sache sei gegessen.

Titelfoto: Ralph Kunz/imago images, Jan Görner

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