Großkontrollen am gesamten Wochenende: Polizei riegelt Seiffen ab

Seiffen - Das Spielzeugdorf Seiffen wird zur Festung. Nach dem Trubel am ersten Advent riegelt die Polizei dieses Wochenende drei Zufahrtsstraßen ab.

Teurer Abstecher: Josephine Nicklisch (35) und ihr Vater Gunter Walter (58) aus Radebeul müssen jeweils 60 Euro Bußgeld zahlen.
Teurer Abstecher: Josephine Nicklisch (35) und ihr Vater Gunter Walter (58) aus Radebeul müssen jeweils 60 Euro Bußgeld zahlen.  © Maik Börner

Die Beamten ziehen an Kontrollpunkten ortsfremde Pkw raus. Fußstreifen kontrollieren auf Parkplätzen und vor den Läden auf Masken und Abstand. Das soll Besucherströme eindämmen und Adventstrubel wie am ersten Advent verhindern. TAG24 begleitete den ersten Einsatz am Freitag, 34 Pkw-Insassen wurden angezeigt.

Am Parkplatz Bahnhofsstraße geht der Polizei ein Kleintransporter mit Meissener Kennzeichen ins Netz. Drinnen sitzen Karosseriebau-Meister Gunter Walter (58) und Tochter Josephine Nicklisch (35) aus Radebeul. Walter erledigte einen Service-Auftrag in Olbernhau.

Danach zeigte er seiner Tochter die Gegend: "Die Kontrolle ist übertrieben, überspitzt, überspannt", sagt er. Walter beteuert, dass er nicht ausgestiegen wäre, etwas gekauft oder gegessen hätte. Der Beamte bleibt hart und verhängt 60 Euro Bußgeld pro Kopf, weil Walter vom Arbeitsweg abkam.

"Ich bin innerlich sehr erregt, aber ich muss es akzeptieren", sagt Walter.

Am Kontrollpunkt auf dem Parkplatz stehen Autos aus Tschechien, Rottweil (Ba-Wü) und Dresden in einer Schlange. 34 Insassen wurden angezeigt.
Am Kontrollpunkt auf dem Parkplatz stehen Autos aus Tschechien, Rottweil (Ba-Wü) und Dresden in einer Schlange. 34 Insassen wurden angezeigt.  © Maik Börner

Autos aus Nord- und Ostsachsen werden kontrolliert

Vor dem Ortseingang an der Bahnhofstraße unterhalb von Seiffen zieht ein Polizist ein ortsfremdes Fahrzeug aus dem Verkehr.
Vor dem Ortseingang an der Bahnhofstraße unterhalb von Seiffen zieht ein Polizist ein ortsfremdes Fahrzeug aus dem Verkehr.  © Maik Börner

Polizeisprecher Andrzej Rydzik (35) steht zu den Kontrollen: "Wir hoffen auf Signalwirkung und wollen entlasten. Der Zustand im medizinischen Sektor ist verheerend. Die Inzidenzen in Sachsen sind weit weg von 50."

Die Kontrollen zielen auf Pkw aus Nord- und Ostsachsen ab. Besucher aus Chemnitz sowie den Landkreisen Vogtland, Zwickau und Mittelsachsen sind zugelassen. "Landkreisunabhängig muss jeder grundsätzlich überlegen, ob ein Weihnachtsbummel in Seiffen sinnvoll ist", mahnt Rydzik.

Die Hauptstraße wird abgesperrt. Nur Anlieger, Lieferanten und Busse fahren. Weil der Ortskern aber offiziell keine Fußgänger-Zone ist, besteht auch keine Maskenpflicht. Aber in Warteschlangen vor und in Geschäften ist sie Pflicht. Vor dem Laden kontrolliert die Direktion Chemnitz, in den den Verkaufsräumen Orts- und Kreis-Polizei. Etwa 30 Polizisten sind insgesamt im Einsatz.

Polizeisprecher Andrzej Rydzik (35) setzt auf die Signalwirkung der Zufahrtsstraßen-Kontrollen.
Polizeisprecher Andrzej Rydzik (35) setzt auf die Signalwirkung der Zufahrtsstraßen-Kontrollen.  © Maik Börner
Die Kontrollen im Weihnachtsdorf Seiffen laufen seit Mittwoch. In den Geschäften ist weniger los, die Straßen sind deutlich leerer.
Die Kontrollen im Weihnachtsdorf Seiffen laufen seit Mittwoch. In den Geschäften ist weniger los, die Straßen sind deutlich leerer.  © Maik Börner

Holzkunst-Händler Jean Ulbricht (60) darf nur vier Leute gleichzeitig in den Laden lassen. Er redet Klartext: "Seit Mittwoch ist nichts los. Die Polizeipräsenz verunsichert Kunden, schüchtert ein. Ich fühle mich belagert." Die "gesteuerte Übertreibung" müsse aufhören. "Ich verstehe die Maßnahmen nicht, aber immerhin wird weniger geklaut."

Titelfoto: Maik Börner

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