Impf-Skandal in Sachsen: Warum wurde der Erzgebirgs-Landrat bereits geimpft?

Annaberg-Buchholz - Westsachsen sieht sich mit zwei Impf-Skandalen konfrontiert. Nicht nur der Landrat des Erzgebirgskreises kam vorzeitig an die Nadel (TAG24 berichtete), auch das Technische Hilfswerk Zwickau (THW) langte zu. Dabei kämpfen täglich Tausende Sachsen vergeblich um einen Termin an der Impf-Hotline.

Landrat Frank Vogel (63, CDU) hat sich bereits gegen Corona impfen lassen.
Landrat Frank Vogel (63, CDU) hat sich bereits gegen Corona impfen lassen.  © Uwe Meinhold

Landrat Frank Vogel (63, CDU) rechtfertigt sich: Er habe nicht proaktiv agiert und eine Corona-Impfung gefordert. Außerdem leide er an einer chronischen Erkrankung.

"Das, was man mir vorwerfen kann, ist, dass ich ,Ja' gesagt habe. Das war ein Fehler, für den ich mich entschuldige."

Den Vorgang an sich schildert er so: "Aus dem Impfzentrum erhielt ich die Anfrage, ob ich meine nicht mobilen Eltern, 88 und 85 Jahre und in häuslicher Pflege, zur in der Pflegeeinrichtung Sosa stattfindenden Verimpfung begleite."

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Vor Ort wäre ihm dann die Impfung einfach angeboten worden.

Als erste Behörde kündigte das Sozialministerium eine Prüfung an. Ministerin Petra Köpping (63, SPD) traf diese Aussage am Donnerstag öffentlich.

Das Landratsamt des Erzgebirgskreises in Annaberg-Buchholz.
Das Landratsamt des Erzgebirgskreises in Annaberg-Buchholz.  © Uwe Meinhold
Inzwischen hat sich auch Ministerin Petra Köpping (62, SPD) eingeschaltet.
Inzwischen hat sich auch Ministerin Petra Köpping (62, SPD) eingeschaltet.  © Sebastian Kahnert/dpa
Viele Sachsen kämpfen verzweifelt und vergeblich um einen Impftermin (Symbolbild).
Viele Sachsen kämpfen verzweifelt und vergeblich um einen Impftermin (Symbolbild).  © Sven Hoppe/dpa

Skandalöse Chatverläufe des THW Zwickau aufgedeckt!

Ein Auszug aus dem Chatverlauf des THW Zwickau zum Thema Impfen.
Ein Auszug aus dem Chatverlauf des THW Zwickau zum Thema Impfen.  © screenshot/privat

Der Skandal am zweiten Fall ist eher der herablassende Tonfall, mit dem Geimpfte ihr Privileg feiern.

Es geht um zwölf THW-Mitglieder aus Zwickau, die zu den ersten in Sachsen zählten. TAG24 liegen Chatverläufe des Ortsverbands vor. Einer fragt darin: "Gehen wir geschlossen hin, um uns verteidigen zu können, falls uns ein wütender Mob lynchen will?"

Die Antwort: "Da brauchst du keine Angst zu haben. Da stehen abends nur ein paar alte Leute davor, welche keinen Termin bekommen. Die haben bestimmt Verständnis für uns."

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Und ein anderer: "Und am Ende noch eine Runde Schnick Schnack Schnuck zwischen Phil (Name geändert, Anm. d. Red.) und seiner Freundin. Wer denn am Ende die normale Dosis bekommt und wer die Reste."

Die Impfungen an sich seien zu Recht erfolgt, betonen THW und DRK. "Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte waren zum Zeitpunkt der Erstimpfung mit Auf- und Ausbau des Impfzentrums beauftragt und wurden daher genauso wie Security und Mitarbeitende geimpft."

BU-Kai-Kranich: Der Sprecher des DRK-Sachsen, Kai Kranich (39).
BU-Kai-Kranich: Der Sprecher des DRK-Sachsen, Kai Kranich (39).  © Petra Hornig

Allerdings: Geimpft wurden sie acht Tage nach Inbetriebnahme des Zentrums ...

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa, Uwe Meinhold

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