Internet statt Weihnachtsmarkt: Sachsens Männelmacher müssen sich "neu erfinden"

Seiffen - Die zweite Corona-Weihnachtssaison trifft die Hersteller und Händler von erzgebirgischer Volkskunst hart. Die Männelmacher rechnen mit Einbußen in Millionenhöhe. Und mit einem Umbruch in der Branche.

Eine Kompanie Nussknacker steht in Seiffen für den Verkauf bereit.
Eine Kompanie Nussknacker steht in Seiffen für den Verkauf bereit.  © dpa/Hendrik Schmidt

In der Schauwerkstatt der Seiffener Volkskunst ist es derzeit viel leerer, als allen Beteiligten lieb ist. "Am ersten Advent war eine halbe Stunde lang nicht ein Mensch da", sagt Sven Reichl, Vorstand der Hersteller-Genossenschaft.

Das wäre bis zur Corona-Krise undenkbar gewesen in der Hochburg des traditionellen Handwerks. Jetzt sind die Weihnachtsmärkte wieder gestrichen, die Bergparaden abgesagt, im Laden gilt 2G. "Das bremst unheimlich", erzählt Reichl.

Kritik an der Landesregierung äußert auch Frederic Günther, Chef des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller: "Die Situation mit den Weihnachtsmärkten ist schlimmer als letztes Jahr, weil die Absage viel zu spät kam."

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Die Weihnachtsmärkte seien für die Kunsthandwerker ein wichtiger Absatzort, bis zu drei Millionen Euro Umsatz würden die Männelmacher hier erzielen. "Das fällt jetzt für die Händler weg."

Der Verband fordert eine Ausfall-Pauschale, die sich an den Umsätzen im Vorkrisen-Jahr 2019 bemisst. Die Überbrückungshilfe sei ungeeignet, so Günther.

Online-Geschäft ausgebaut: "Wir müssen uns mit Corona ein Stück weit neu erfinden"

Die Branche muss neue Vertriebswege finden, meint Sven Reichl, Vorstand der Seiffener Volkskunst Genossenschaft.
Die Branche muss neue Vertriebswege finden, meint Sven Reichl, Vorstand der Seiffener Volkskunst Genossenschaft.  © dpa/Hendrik Schmidt

Die Pandemie beschleunigt den Umbruch in der Branche, vor allem bei den Vertriebswegen.

Die Volkskunst Seiffen habe schon 2020 ihr Online-Geschäft kräftig ausgebaut, sagt Reichl. Und meint: "Wir müssen uns mit Corona ein Stück weit neu erfinden."

Auch die Seiffener Drechslergenossenschaft Dregeno, die für rund 130 erzgebirgische Kunsthandwerker den Vertrieb organisiert, setzt auf das Internet.

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Sie hat einen "virtuellen Weihnachtsmarkt" entwickelt, über den Besucher in 360-Grad-Optik schlendern und an verschiedenen Verkaufsbuden Produkte zum Kauf anklicken können.

Titelfoto: dpa/Hendrik Schmidt

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