Kleine Sensation in 900 Metern Höhe: Kraniche brüten auf dem Erzgebirgs-Kamm

Marienberg - Schöne Überraschung für Vogelkundler: Auf dem Erzgebirgskamm in rund 900 Metern Höhe haben Kraniche erfolgreich gebrütet.

Die Vogelfamilie stakste mehrfach an einer Wildtierkamera des Naturkundemuseums Chemnitz vorbei.
Die Vogelfamilie stakste mehrfach an einer Wildtierkamera des Naturkundemuseums Chemnitz vorbei.  © Museum für Naturkunde/OWADIS-Projekt

Eigentlich kommen die geschützten, bis zu 1,30 Meter großen Schreitvögel vor allem in Heidelandschaften wie der Oberlausitz vor, doch die Aufnahmen einer Wildtierkamera des Naturkundemuseums Chemnitz brachten sächsische Ornithologen jüngst zum Staunen.

"Die Bilder zeigen ein Kranichpaar mit seinen beiden Küken. Sie sind der erste Beleg dafür, dass die Tiere in Sachsen in dieser Höhenlage brüten. Das war schon eine überraschende Entdeckung", sagt Hendrik Trapp (43) vom Artenschutz-Referat des Landesamtes für Umwelt Landwirtschaft und Geologie.

Die Kranichfamilie stakste über mehrere Wochen immer wieder an der Wildtierkamera vorbei, die so das Heranwachsen der Küken dokumentierte.

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"Entscheidender als die Höhenlage ist, dass die Tiere ungestörte Feuchtgebiete vorfinden. Ich kann mir vorstellen, dass sich weitere Paare in der Kammregion ansiedeln", so Trapp.

Das rauere Klima auf dem Erzgebirgskamm hält Kraniche nicht davon ab, in den Wäldern nahe der tschechischen Grenze zu brüten.
Das rauere Klima auf dem Erzgebirgskamm hält Kraniche nicht davon ab, in den Wäldern nahe der tschechischen Grenze zu brüten.  © Uwe Meinhold

"Der Kranich ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes"

Das Kranichpaar hatte sich ein abgeschiedenes Waldstück südlich von Marienberg als Brutrevier ausgesucht.
Das Kranichpaar hatte sich ein abgeschiedenes Waldstück südlich von Marienberg als Brutrevier ausgesucht.  © Museum für Naturkunde/OWADIS-Projekt

Ob es sich bei den brütenden Gebirgs-Kranichen um die Rückkehr einer Art oder eine Erstbesiedelung handelt, ist nicht ganz klar: "Genaue Dokumentationen gibt es nicht. Allerdings wurde 1574 ein Brutplatz in Elterlein bei Annaberg erwähnt, das auch in über 600 Metern Höhe liegt", weiß der Naturschutz-Experte.

Auch der Name des Kranichsees bei Eibenstock könnte darauf hindeuten, dass die eleganten Vögel im Westerzgebirge schon einmal heimisch waren.

Aktuell sind in ganz Sachsen rund 400 Brutpaare erfasst. Die Bestände haben sich so erholt, dass die Art von der Roten Liste verschwunden ist.

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Trapp: "Der Kranich ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Kraniche stehen als Vertreter für wertvolle Lebensräume, die auch von vielen anderen bedrohten Arten besiedelt werden."

Titelfoto: Museum für Naturkunde/OWADIS-Projekt

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