Warum die Olympia-Absage für Kugelstoßerin Christina Schwanitz besonders bitter ist

Leipzig/Thum - Die Corona-Krise trifft auch den Leistungssport besonders hart. Vor allem die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele bringt viele Athleten in Bedrängnis. Aber gerade zu Beginn der Krise fühlten sich Sportler oft wie Schwerverbrecher. Das erzählte jetzt Kugelstoßerin Christina Schwanitz (35) in der Talkrunde im MDR Riverboat.

Christina Schwanitz ist schon seit 21 Jahre im Leistungssport.
Christina Schwanitz ist schon seit 21 Jahre im Leistungssport.  © Kristin Schmidt

"Was bedeutet es denn für Sie, dass die Olympischen Spiele verlegt worden sind?", wollte Moderator Jörg Kachelmann (61) von der Europa- und Weltmeisterin wissen. 

"Also grundsätzlich finde ich das gut, dass so entschieden worden ist. Es geht um die Gesundheit aller. Was ich dramatisch fand zum Anfang dieser Corona-Zeit: Wir mussten Gesetze brechen, um unserer Arbeit nachzugehen", so die gebürtige Dresdnerin, die für den "LV 90 Erzgebirge" startet.

"Wir wussten ja noch nicht, ob die EM und Olympia abgesagt werden. Ich bin also verbotenerweise ins Training gefahren, habe meine Arbeit gemacht und bin wieder nach Hause gefahren. Ich muss ja den Trainingsstand erhalten. Aber es hätte sehr teuer werden können, dafür, dass ich einfach nur meinen Job gemacht habe. Was ja alle von mir auch erwarten, dass ich im Juni oder Juli meinen Job dann bei den Wettkämpfen gemacht hätte. Diese Leistungen zu bringen ist ja eine Jahresleistung."

Christina Schwanitz: "Mein Leben nach dem Sport ist noch ungewiss"

Christina Schwanitz im vergangenen Jahr bei den Sächsischen Landeshallenmeisterschaften in Chemnitz.
Christina Schwanitz im vergangenen Jahr bei den Sächsischen Landeshallenmeisterschaften in Chemnitz.  © Kristin Schmidt

Die Absage der Olympischen Spiele in diesem Sommer trifft Schwanitz im Besonderen. 

"Natürlich hat diese Entscheidung auch für uns Leistungssportler privat eine traurige Seite: Einige Sportler haben sicher überlegt, Tokio noch mitzunehmen und dann aufzuhören", erklärt sie.

"Bei mir, im 21. Leistungssportjahr kann man dann auch irgendwann mal mit dem Ende spekulieren und sagen: 'Alles ist endlich - auch diese Zeit'. Ich hatte vor einem Jahre mit dem Studium angefangen und dann pausiert, um mich auf Tokio vorzubereiten, das ist jetzt erst einmal weg. Das ist sehr bitter. Ich habe dreijährige Zwillinge Zuhause, da jetzt wieder reinzukommen…"

Schwanitz denkt auch an die Zukunft, vor allem ihre berufliche. 

"Ich bin jetzt auch schon 35 Jahre alt, es ist auch schwer in die Wirtschaft reinzukommen. Da sind viele schon seit vielen Jahren im Arbeitsleben und verdienen Geld, so wie ich jetzt im Sport bei der Bundeswehr. Ich würde dann erst mit 38 oder 39 Jahren anfangen. Ich habe das Glück, dass ich bei der Bundeswehr sein kann und mein Hobby zum Beruf machen kann. Aber nach dem Sport ist mein Leben eben noch sehr ungewiss. Bei Sportlern, die bei der Bundespolizei arbeiten, ist das besser, die gehen dann normal in den Dienst und können dort normal weiter arbeiten.“

Titelfoto: Kristin Schmidt

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