Obwohl Schnee liegt: Sächsische Wintersportorte hadern mit Corona-Flaute

Sachsen - Die Temperaturen passen, vielerorts liegt Schnee. Doch Lifte, Gaststätten und Hotels sind gesperrt, Sachsens Skisaison droht wieder auszufallen. Die Hoffnung in den Wintersportgebieten ist gering, die Wut auf die Landesregierung umso stärker.

Manuel Püschel (33) vom "Erlebnisberg Altenberg" kennt die hohen Kosten, die Schneekanonen verursachen.
Manuel Püschel (33) vom "Erlebnisberg Altenberg" kennt die hohen Kosten, die Schneekanonen verursachen.  © Thomas Türpe

In Augustusburg herrscht mehrfaches Unverständnis. "Warum sind in Thüringen Skilifte als 3G-konformes Verkehrsmittel eingestuft und in Sachsen nicht? Und unser erfolgreiches Modellprojekt wurde ja auch beendet und totgeschwiegen", sagt Jörg Hammer (57) vom Ski- und Rodelhang "Rost's Wiesen".

Die wissenschaftlich begleitete 1G-Maßnahme in der Jagdschloss-Stadt wurde Ende April, nach nur drei Wochen und knapp 11.000 Corona-Tests, vom Freistaat eingedampft. Hammer: "Wir haben daher keine großen Erwartungen."

Auch Manuel Püschel (33), Betriebsleiter des "Erlebnisbergs Altenberg", ist frustriert: "Warum komme ich in jeden Laden mit 2G rein, aber warum kann ich unter freiem Himmel nichts machen?" Er wünscht sich konkrete Zusagen für mehr Planungs- und Existenzsicherheit.

Schneechaos im Erzgebirge: B95 nach Glätte-Unfällen dicht
Erzgebirge Schneechaos im Erzgebirge: B95 nach Glätte-Unfällen dicht

"Ein Tag künstliche Beschneiung kostet etwa 1000 Euro. Wir müssen zu Weihnachten und Silvester was hinkriegen, danach kommen erst wieder in den Winterferien viele Gäste", so der Skiliftbetreiber.

Auch Püschels Skilifte müssen gesperrt bleiben.
Auch Püschels Skilifte müssen gesperrt bleiben.  © Thomas Türpe
Nix mit Roster: Die Imbissbude am Erlebnisberg Altenberg hat geschlossen, da der Skilift-Betrieb untersagt wurde.
Nix mit Roster: Die Imbissbude am Erlebnisberg Altenberg hat geschlossen, da der Skilift-Betrieb untersagt wurde.  © Thomas Türpe
Genügend Abstand ist da, angesteckt hat sich niemand - doch Touristen dürfen nicht einkehren. Simone Clement (56) zeigt ihr frisch saniertes, aber leeres Hotel in Bärenfels.
Genügend Abstand ist da, angesteckt hat sich niemand - doch Touristen dürfen nicht einkehren. Simone Clement (56) zeigt ihr frisch saniertes, aber leeres Hotel in Bärenfels.  © Thomas Türpe
René Lötzsch ist Geschäftsführer der Fichtelberg-Schwebebahn, die die Skilifte auf Sachsens größtem Berg (1215 Meter) betreibt. Er warnt vor einem "Super-Gau".
René Lötzsch ist Geschäftsführer der Fichtelberg-Schwebebahn, die die Skilifte auf Sachsens größtem Berg (1215 Meter) betreibt. Er warnt vor einem "Super-Gau".  © Bernd März
Jörg Hammer in Augustusburg hat angesichts der bisherigen Entscheidungen wenig Vertrauen in die Landesregierung.
Jörg Hammer in Augustusburg hat angesichts der bisherigen Entscheidungen wenig Vertrauen in die Landesregierung.  © Maik Börner

Gedrückte Stimmung auch in Bärenfels

Besorgter Blick in die Zukunft: Alexander Richter (50) in Holzhau könnte es dieses Jahr schon wieder heftig erwischen.
Besorgter Blick in die Zukunft: Alexander Richter (50) in Holzhau könnte es dieses Jahr schon wieder heftig erwischen.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild

Im neun Kilometer nordwestlich und nah an der Natur gelegenen "Erzgebirgshotel Misnia" in Bärenfels ist die Stimmung ebenfalls gedrückt. "Für Touristen sind wir zu. In der Pandemie hatten wir bislang nur von August bis Oktober 2020 sowie von Juni bis Ende November diesen Jahres geöffnet. Angesteckt hat sich bei uns niemand", sagt Inhaberin Simone Clement (56).

Zusammen mit ihrem Mann pachtete und sanierte sie das ehemalige Ferienheim der Porzellanmanufaktur Meißen. Sie weiß nicht weiter: "Das Hotel war als Altersvorsorge gedacht, dazu müssten wir aber zehn Jahre durcharbeiten."

"Meine drei Gastro-Einrichtungen sind alle zu. Schlittenfahren und Langlauf sind aber möglich", schildert Alexander Richter (50). Der ehemalige DDR-Langlauf-Jugendmeister betreibt auch Skipisten samt -schule im osterzgebirgischen Holzhau. Er schrammte bereits vorigen Winter knapp an der Existenznot vorbei.

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Sein Kollege René Lötzsch vom Fichtelberg in Oberwiesenthal sagte bereits letzte Woche, dass eine erneute Absage der sächsischen Skisaison "der Super-Gau" wäre.

Titelfoto: Thomas Türpe, Bernd März

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