Preisnominierter Dokumentarfilm: Studentin bringt Pöhlas Stollen groß raus

Pöhla - Der noch bis Sonntag digital stattfindende Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken gehört zu den wichtigsten Festivals für Nachwuchsfilmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In der Kategorie "Dokumentarfilm" könnte 2021 ein spannender Streifen über das kleine Dorf Pöhla im Erzgebirge groß abräumen.

Kamerafrau Janine Pätzold (l.) und Regisseurin Laura Reichwald (32) drehten den Film "Stollen".
Kamerafrau Janine Pätzold (l.) und Regisseurin Laura Reichwald (32) drehten den Film "Stollen".  © Georg Kußmann

Regie bei der Produktion "Stollen" führte Studentin Laura Reichwald (32) aus dem Salzatal (Sachsen-Anhalt).

"2018 hatten ich und meine Kamerafrau Janine Pätzold, die aus Pöhla stammt, die Idee, einen Film über Stollen zu machen. Sie sprach von dem Bergwerk, ich von dem Gebäck. Erst nach mehreren Minuten Unterhaltung merkten wir, dass wir über zwei komplett andere Sachen redeten."

Die Dreharbeiten fanden 2019 in der Adventszeit in einer Bäckerei, im Besucherbergwerk und der Gemeindekirche in Pöhla statt.

Der Film zeigt alte erzgebirgische Weihnachtstraditionen wie Stollenanschnitt, Mettenschicht und Christmette, geht aber auch auf die verheerenden gesundheitlichen Folgen für die Menschen durch den jahrelangen Bergbau ein.

Laura Reichwald will dabei Vorurteile ausräumen. "Ostdeutschland wird immer mit Arbeitslosigkeit und Rechtspopulismus verbunden. Das finde ich sehr unfair. Im Erzgebirge leben viele Leute, die ihr Leben lang für niedrige Löhne hart arbeiten."

Besonderheit: Namen der Protagonisten werden nicht genannt, Kommentare gibt es nicht. "Die Geschichten, die ich erzähle, sind übertragbar auf andere Dörfer der Region", erklärt die Regisseurin.

Eine Doku über das erzgebirgische Dorf Pöhla ist für den Max-Ophüls-Preis für Nachwuchsfilmer nominiert.
Eine Doku über das erzgebirgische Dorf Pöhla ist für den Max-Ophüls-Preis für Nachwuchsfilmer nominiert.  © Janine Pätzold
Im Film gibt es Einblicke in das Bergwerk Zinnkammern.
Im Film gibt es Einblicke in das Bergwerk Zinnkammern.  © Janine Pätzold
Eine Frau aus Pöhla, deren Name in der Doku nicht genannt wird, wurde mit der Kamera beim Stollenbacken begleitet.
Eine Frau aus Pöhla, deren Name in der Doku nicht genannt wird, wurde mit der Kamera beim Stollenbacken begleitet.  © Janine Pätzold

Der Film soll in der Adventszeit 2021 bei einer Kinotour durch das Erzgebirge sowie im MDR laufen. Ob er den mit 5000 Euro dotierten Max-Ophüls-Preis gewinnt, entscheidet sich am Samstagabend.

Titelfoto: Georg Kußmann

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