Marktbesuch im Risikogebiet Erzgebirge: Hier hat Sachsen die größte Corona-Fallrate

Stollberg - Hochrisikogebiet Erzgebirge. Die 7-Tage-Inzidenz sank zwar leicht auf 188, aber die Sorgen steigen. TAG24-Stippvisite auf dem Wochenmarkt von Stollberg (12.000 Einwohner).

Ramona (59) und Steffen Merboth (59) aus Waldkirchen verkaufen auf Märkten Natur-Seifen. Sie hoffen auf Weihnachtsmärkte.
Ramona (59) und Steffen Merboth (59) aus Waldkirchen verkaufen auf Märkten Natur-Seifen. Sie hoffen auf Weihnachtsmärkte.  © Sven Gleisberg

Vor der Marktfleischerei stehen Kunden geduldig Schlange. 

Eine ältere Dame weist eine junge Frau auf die Maske hin. 

Die Stände auf dem Hauptmarkt stehen nah zusammen, nur zwei kleine Aufsteller weisen auf Vorschriften hin. Ilona (76) und Egon Stölzel (78) aus Niederwürschnitz haben Teelichter gekauft. 

"Als Diabetiker bin ich doppelt vorsichtig", sagt er. Seine Frau versorgt fast täglich ihre Mutter (97) und geht nicht mehr ins Fitnessstudio: "Einige dort halten sich weder an Regeln noch Abstand." Wegen wenigen Unvorsichtigen seien die Zahlen hoch.

Die Seifen-Händler Ramona (59) und Steffen Merboth (59) aus Waldkirchen haben mehr Angst vorm Lockdown als vorm Virus. 

"Im März fielen schon Frühjahrs- und Ostermärkte aus. Wir brauchen aber das Weihnachtsgeschäft." Ihr Geschenke-Shop liefert auch, aber Seifen-Düfte müsse man erschnuppern.

Ilona (76) und Egon Stölzel (78) sind auch auf dem Wochenmarkt in Stollberg doppelt vorsichtig. Sie reduzieren Kontakte und Freizeit.
Ilona (76) und Egon Stölzel (78) sind auch auf dem Wochenmarkt in Stollberg doppelt vorsichtig. Sie reduzieren Kontakte und Freizeit.  © Sven Gleisberg

Händler hoffen auf Weihnachtsmärkte

Grillchef Heiko Rist (45) aus Sankt Egidien arbeitet gerne und viel. Es gab keine Volksfeste, ihm fehlen 50 Prozent Jahresumsatz.
Grillchef Heiko Rist (45) aus Sankt Egidien arbeitet gerne und viel. Es gab keine Volksfeste, ihm fehlen 50 Prozent Jahresumsatz.  © Sven Gleisberg

Verführerisch duftet es auch am Brathähnchen-Wagen von Heiko Rist (45) aus Sankt Egidien. 

Er glaubt nicht an ein Weihnachtsmarkt-Wunder: "Ich verkaufe mit angezogener Handbremse. Volksfeste waren nicht. Mir fehlt die Hälfte vom Umsatz." 

Er flachst mit Kunden, bleibt Vollblut-Verkäufer. Aber "innen drin sieht es anders aus". Die Politik helfe nicht. Märkte bringen Laufkundschaft. 

Auch Fotostudio und Drogerie Tränkner profitiert davon: "Wenn die Ämter zumachen würden, braucht keiner Passfotos. Eine Altstadt mit offenen Geschäften und Restaurants ist wichtig für uns", sagt Inhaber Olaf Ludwig (50). 

Er hofft auf Foto-Aufträge für Jugendweihen, Hochzeitsfotografie lief 2020 nicht gut. Die Stammkunden kommen, aber er hofft auch auf Touristen im Adventsgeschäft.

An einem Stand kauft eine Frau eine Großpackung Masken. "Wer weiß, was noch kommt", sagt sie und eilt hastig davon.

Titelfoto: Sven Gleisberg

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