Schnellstes Mobilfunknetz Europas im Erzgebirge: 5G-Netz soll Züge aus der Ferne steuern

Annaberg-Buchholz - Das Signal für die Anwendung des Mobilfunkstandards 5G im Zugverkehr steht auf Grün. 2022 will Vodafone das schnellste Mobilfunknetz Europas im Erzgebirge installieren - entlang der 25 Kilometer langen Teststrecke der Erzgebirgsbahn zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg. Bei dem Projekt Smart Rail Connectivity Campus erforscht die Uni Chemnitz hier die Kommunikation, Automatisierung und Digitalisierung im Bahnverkehr der Zukunft.

Der Einsatz von 5G-Technik im Zugverkehr nimmt Fahrt auf. Im Auftrag der TU Chemnitz stattet Vodafone ein Testfeld im Erzgebirge mit 5G aus.
Der Einsatz von 5G-Technik im Zugverkehr nimmt Fahrt auf. Im Auftrag der TU Chemnitz stattet Vodafone ein Testfeld im Erzgebirge mit 5G aus.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

"Um Züge aus der Ferne zu steuern, braucht es neben hohen Bandbreiten vor allem den Datenaustausch in Echtzeit. Mit 5G-Stand-alone bringen wir das modernste Netz zu den modernsten Zügen", erklärte Hannes Ametsreiter, Deutschland-Chef von Vodafone. Mobilfunk reagiere dann so schnell wie das menschliche Nervensystem. Mit dem Echtzeit-Netz könne die Eisenbahn aus der Ferne gesteuert werden.

Nach Angaben von Vodafone soll ein Teil der 5G-Infrastruktur als eigenständiges 5G-Campus-Netz gebaut werden, damit die Forscherinnen und Forscher das Netz für ihre Zwecke beliebig konfigurieren können. So ließen sich im Testfeld unterschiedlichste Alltagssituationen simulieren, ohne dass Nutzer im öffentlichen Mobilfunknetz beeinträchtigt würden.

Uwe Götze, Prorektor für Transfer und Weiterbildung der TU Chemnitz, sieht in dieser Infrastruktur einzigartige Forschungspotenziale. Gemeinsam wollen die Partner den Schienenverkehr nachhaltig automatisieren und digitalisieren.

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Im September 2019 hatte Vodafone erstmalig 5G-Technik auf die Gleise gebracht. Für Forschungszwecke aktivierte der Konzern im erzgebirgischen Schlettau vorübergehend eine erste 5G-Station an der Teststrecke der Erzgebirgsbahn.

Triebwagenführer Thomas Kayser steuerte im September 2019 während der Testfahrt im Bahnhof Schlettau den Triebwagen über einen mobilen Koffer mit Cockpit- und Streckeninformationen. Der Zug wird durch über den neuen Mobilfunkstandard 5G ferngesteuert. (Archivbild)
Triebwagenführer Thomas Kayser steuerte im September 2019 während der Testfahrt im Bahnhof Schlettau den Triebwagen über einen mobilen Koffer mit Cockpit- und Streckeninformationen. Der Zug wird durch über den neuen Mobilfunkstandard 5G ferngesteuert. (Archivbild)  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

Zeitgleich verstärkt Vodafone das öffentliche 5G-Netz entlang der Zugstrecke

Mit dem 5G-Campus-Netz soll nun entlang dieser Strecke auch der Smart Rail Connectivity Campus wachsen. Er sollTechnologien entwickeln und testen, mit deren Hilfe sich Züge sicher und effizient aus der Ferne steuern lassen.

Dadurch sollen fortan mehr Züge auf einem Abschnitt fahren können - im Dienste der Pünktlichkeit und eines reduzierten Energieverbrauches. Zudem will man erforschen, wie Echtzeit-Mobilfunk und das Internet der Dinge helfen können, etwa unbeschrankte Bahnübergänge oder schwer einsehbare Streckenabschnitte zu überwachen und so Unfälle zu vermeiden.

"Wir freuen uns riesig über die neuen Möglichkeiten für das Forschungsnetzwerk, vor allem, wenn man bedenkt, dass Konnektivität eine wesentliche Säule im Digitalisierungsprozess darstellt", betonte SRCC-Geschäftsführer Sören Claus.

Zeitgleich verstärkt Vodafone das öffentliche 5G-Netz entlang der Zugstrecke, so dass auch private Nutzer mit ihren Smartphones von höheren Bandbreiten und von niedrigen Reaktionszeiten profitieren, hieß es. Damit werde beispielsweise der Download von hochauflösenden Videos oder großen Musik-Playlists noch schneller.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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