Kein Nachwuchs mehr: So will Seiffen das Kunsthandwerk retten

Seiffen - Als Spielzeugdorf ist Seiffen weit über die Grenzen des Erzgebirges hinaus berühmt: Mehr als 400.000 Touristen besuchen den 2500-Einwohner-Ort jährlich. Doch den Drechslern und Spielzeugmachern fehlt der Nachwuchs. Damit das Kunsthandwerk nicht ausstirbt, soll ein besonderes Projekt jungen Firmengründern Lust aufs Erzgebirge machen.

Spielzeugmacher-Meister Wolfgang Braun (59) greift dem Nachwuchs unter die Arme.
Spielzeugmacher-Meister Wolfgang Braun (59) greift dem Nachwuchs unter die Arme.  © Uwe Meinhold

Eine Werkstatt zum Ausprobieren, Rat und Unterstützung eines erfahrenen Spielzeugmachers und mietfreies Wohnen - das Projekt Denkstatt wird in den nächsten fünf Jahren mit 450.000 Euro vom Freistaat gefördert und soll der Anschub für einen Generationswechsel sein.

Spielzeugmacher Wolfgang Braun (59) hat sich als Leiter der Denkstatt der Nachwuchsförderung verschrieben: "Spielzeug und Kunsthandwerk ist der Geist des Erzgebirges. In der Denkstatt finden Startups alle Voraussetzungen, um eine Geschäftsidee auszuprobieren."

Neben Workshops für Studenten und junge Handwerker, einem Wettbewerb für Spiele, dem Austausch zwischen Designern, Künstlern, Herstellern und Vertriebsprofis wird es ab Herbst auch ein Denkstatt-Quartal geben: "Wer eine Geschäftsidee voran bringen möchte, kann ein Vierteljahr die komplett ausgestattete Werkstatt nutzen. Die Gemeinde stellt kostenfrei eine Wohnung zur Verfügung, für die nur Betriebskosten anfallen", so Braun. 

Nähere Infos unter: denkstatt-erzgebirge.de

Die Tür zur Werkstatt der Seiffener "Denkstatt" steht für den junge Kunsthandwerker offen.
Die Tür zur Werkstatt der Seiffener "Denkstatt" steht für den junge Kunsthandwerker offen.  © Uwe Meinhold

Zahl der Betriebe droht zu schrumpfen

Wolfgang Braun hat 37 Jahre Berufserfahrung als Kunsthandwerker, mit denen er Firmengründer unterstützen kann.
Wolfgang Braun hat 37 Jahre Berufserfahrung als Kunsthandwerker, mit denen er Firmengründer unterstützen kann.  © Uwe Meinhold

In der Seiffener Drechslergenossenschaft sind rund 130 Kunsthandwerks-Betriebe organisiert. 

Ihre Zahl droht in naher Zukunft dramatisch zu schrumpfen: Rund die Hälfte der Firmenchefs sucht aus Altersgründen einen Nachfolger.

"Die Hälfte unserer Mitglieder geht straff auf die 60 zu", sagt Dregeno-Geschäftsführerin Juliane Kröner (43). 

"Damit der Generationswechsel gelingt, brauchen Nachfolger eine Anschub-Unterstützung vom Freistaat. Es geht um die Identität der ganzen Region." 

Titelfoto: Uwe Meinhold

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