Unglück vor 100 Jahren: Das Erzgebirge trauert um 57 tote Kumpel

Oelsnitz - Der 24. Januar 1921 hat sich ins Gedächtnis der Einwohner von Oelsnitz im Erzgebirge gebrannt. An diesem Tag kamen 57 Bergleute bei einer Grubengasexplosion auf dem Friedens-Schacht ums Leben. Mit einer Kranzniederlegung wird am Sonntag dem 100. Jahrestag des Unglücks gedacht.

Bergleute am Denkmal für die Opfer der Grubenkatastrophe auf dem Friedhof von Oelsnitz. Das Bild entstand 2016.
Bergleute am Denkmal für die Opfer der Grubenkatastrophe auf dem Friedhof von Oelsnitz. Das Bild entstand 2016.  © privat

"Wir gedenken mit einer kleinen Abordnung vom Museum des sächsischen Steinkohlenbergbaues und der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers um 14 Uhr am Denkmal auf dem Oelsnitzer Friedhof", sagt der 2. Vorsitzende des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, Heino Neuber (43).

Dieses Ehren der Opfer ist ihm ein inniges Bedürfnis. Sein Urgroßonkel starb 1921 bei der Katastrophe.

Der Museologe erzählt: "Nach dem 1. Weltkrieg gab es Not und Inflation im Revier." Steinkohle wurde "als Brot der Industrie" ungeachtet dessen weiter gefördert. Die Mehrheit am Betrieb der Schachtanlagen gehörte damals der Stadt Leipzig.

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"An jenem regnerisch-düsteren Wintermorgen fuhren 200 Bergarbeiter zur Frühschicht ein. Kurz nach sieben Uhr nahmen sie in 750 Metern Teufe ihre schwere, gefahrvolle Arbeit auf", so Neuber. Sie ahnten nicht, dass sich unter Tage im Ort Nr. 6 ein hochexplosives Methan-Luft-Gemisch angesammelt hatte.

Gegen 7.15 Uhr ereignete sich die sogenannte Schlagwetterexplosion. Neuber: "Der Hergang des Geschehens konnte nie exakt rekonstruiert werden."

Nach dem Unglück wurden die Bergpolizeivorschriften verschärft.
Nach dem Unglück wurden die Bergpolizeivorschriften verschärft.  © Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge
Foto vom Friedens-Schacht von 1921.
Foto vom Friedens-Schacht von 1921.  © Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge

Möglicherweise war dem Ortshauer beim Untersuchen der Gefahrenlage die Benzin-Sicherheitslampe ausgegangen. Seine Versuche, sie durch Öffnen wieder zu betreiben, führten in die Katastrophe.

Titelfoto: privat

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