Wutbrief der Annaberger Händler: "Wir stehen vor einem Scherbenhaufen"

Annaberg-Buchholz - Annaberger Händler haben sich mit einem Wutbrief an Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (46, SPD) gewandt. Ihr Vorwurf: Seine Entscheidungen führen zum Sterben der Annaberger Innenstadt.

Der Wolkensteiner Straße in Annaberg-Buchholz droht das Aus als Einkaufsmeile.
Der Wolkensteiner Straße in Annaberg-Buchholz droht das Aus als Einkaufsmeile.  © Uwe Meinhold

"Was in Ihrem Ministerium als Reaktion auf die Corona-Pandemie im Blick auf den innerstädtischen und nicht lebensmittelbasierten Handel in den letzten Wochen entschieden wurde, können wir nur mit einem billigend in Kauf genommenen Sterben der deutschen Innenstädte vergleichen", heißt es in dem Schreiben, das außerdem an alle erzgebirgischen Bundestagsabgeordneten versandt wurde.

Jürgen Thiele (69) vom Werbering Annaberg e.V. sagt: "Annaberg-Buchholz ist eine der wenigen Städte, in der das Zentrum mit seinem Einkaufsviertel noch funktioniert. Wir haben jahrelang hart dafür gearbeitet. Jetzt stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Wenn versprochene Hilfen nicht bald ankommen, müssen viele Händler aufgeben."

Den Betroffenen macht vor allem die Bürokratie der Antragstellung zu schaffen.

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Gleichzeitig verschärft sich ein weiteres Problem: "Viele sitzen auf unverkäuflicher Saisonware und es fehlt das Geld, neue Ware für die Zeit nach dem Lockdown einzukaufen", so Thiele.

Annaberger Händler wie Andrea Sieber (v.l.), Jens Wangler (58) Jürgen (69) und Isabel Thiele (45) befürchten das Sterben ihrer Innenstadt.
Annaberger Händler wie Andrea Sieber (v.l.), Jens Wangler (58) Jürgen (69) und Isabel Thiele (45) befürchten das Sterben ihrer Innenstadt.  © Uwe Meinhold

Annaberger Händler fordern: "Ungerechtigkeit im Handel beenden!"

Ein besonderer Dorn im Auge ist den Mittelständlern, dass bei großen Discountern das Geschäft mit Non-Food-Artikeln brummt, während kleine Läden geschlossen bleiben müssen.

Thiele: "Deren Werbeprospekte werden inzwischen von Non-Food-Artikeln dominiert. Kleine Geschäfte dürfen bestellte Waren nicht mal mehr an der Ladentür an den Kunden rausgeben - während sich in den Discountern die Leute drängen."

Im Brief fordern die Annaberger Händler daher, die "Ungerechtigkeit im Handel zu beenden" und "einen sinnvollen Ausgleich zwischen Gewinnern und Verlierern der Corona-Pandemie".​

Titelfoto: Uwe Meinhold

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