Anschlag von Hanau: Angehörige von Opfern wollen Bilder von Denkmal entfernen

Hanau - Gut ein Jahr nach dem rassistisch motivierten Anschlag mit neun Toten haben die Angehörigen der Opfer entschieden, das Brüder-Grimm-Denkmal in der Hanauer Innenstadt nicht länger als Gedenkort zu nutzen.

Unter dem Brüder Grimm-Denkmal auf dem Hanauer Marktplatz wird an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags vom 19. Februar 2020 erinnert.
Unter dem Brüder Grimm-Denkmal auf dem Hanauer Marktplatz wird an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags vom 19. Februar 2020 erinnert.  © Christine Schultze/dpa

In einem am Mittwoch veröffentlichten Brief kündigten die Angehörigen an, die Bilder der Toten von dem Denkmal auf dem Marktplatz zu entfernen.

Am 19. März werde man mit diesem Schritt gemeinsam ein Zeichen setzen, erklärten die Angehörigen in dem Schreiben, das die Stadt veröffentlichte.

"Dies ist sicher nicht leicht für uns, da es uns vor Augen führt, wie schnell die Zeit vergeht und wie groß der Schmerz und die Trauer über unseren Verlust weiterhin sind." Dennoch sei es der richtige Schritt. "Denn wir sind uns sicher: Hanau wird uns nicht vergessen!"

Ein 43-jähriger Deutscher hatte am 19. Februar 2020 in der Stadt im Rhein-Main-Gebiet neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen, bevor er vermutlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete.

Zum Jahrestag hatten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an einer Gedenkveranstaltung teilgenommen.

Denkmal soll nicht länger Ort der Trauer sein

"Wir bedanken uns bei allen Menschen, die uns rund um den schweren Jahrestag am 19. 2. 21 unterstützt haben und ihre Solidarität mit uns zum Ausdruck gebracht haben", hieß es in dem Brief. "Es war sicher kein leichtes Jahr. Für Niemanden in Hanau. Dass wir dennoch die Kraft der Hanauerinnen und Hanauer bis zum heutigen Tag spüren, hat uns oft an schweren Tagen geholfen. Hanau steht zusammen ist nicht nur ein Slogan, er wird in dieser Stadt gelebt." Natürlich habe man auch "die ein oder andere kritische Stimme, Relativierung oder böse Nachricht erhalten und wahrgenommen", hieß es in dem Schreiben mit Blick auf die Diskussionen rund um das Brüder-Grimm-Denkmal.

So hatte es teils Forderungen gegeben, das Denkmal solle nicht für längere Zeit Ort der Trauer bleiben. Die Stadt hatte einen Gestaltungswettbewerb für ein Mahnmal für die Anschlagsopfer gestartet.

"Wir sind froh darüber, dass so viele Menschen den Mut und die Courage haben und hatten, sich bis zum heutigen Tag offensiv gegen die kritischen Stimmen zur Wehr zu setzen und uns diesen Platz des Andenkens so lange gewährt haben", so die Angehörigen in dem Brief.

Titelfoto: Christine Schultze/dpa

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