Castor-Transport soll durch Hessen rollen: Kritik von Atomkraftgegnern und Polizei-Gewerkschaften

Biblis - Im Frühjahr wurde er abgesagt, nun soll er rollen: Deutsche Sicherheitsbehörden bereiten sich auf einen Castortransport vom britischen Sellafield ins südhessische Biblis vor. Polizeigewerkschaften kritisieren den geplanten Castor-Transport.

Das Bild aus dem Januar 2011 zeigt Castoren-Behälter in einem Lager.
Das Bild aus dem Januar 2011 zeigt Castoren-Behälter in einem Lager.  © Andreas Endermann/dpa

Das bestätigten die Innenministerien von Niedersachsen und Hessen. Über den genauen Zeitpunkt und die Größe des Polizeiaufgebots wird geschwiegen.

Atomkraftgegner und Umweltschützer gehen davon aus, dass die sechs Castoren mit hochradioaktivem Müll Anfang November über den niedersächsischen Hafen Nordenham ins Land kommen.

Mit den sechs erwarteten stehen im Zwischenlager Biblis nach Angaben der zuständigen BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung dann 108 Behälter. Aktivisten haben bereits zu Protesten aufgerufen und bemängeln für den Notfall fehlende Reparaturmöglichkeiten für die Castoren im Zwischenlager.

Die rund 100 Tonnen schweren Behälter sollten eigentlich bereits im Frühjahr nach Südhessen gebracht werden. Wegen der Corona-Krise wurde dies aber abgesagt.

Die Polizeigewerkschaften in Deutschland fordern, den geplanten Castor-Transport von der Wiederaufbereitungsanlage im britischen Sellafield ins südhessische Zwischenlager Biblis abzusagen.

Gewerkschaft der Polizei und Deutsche Polizeigewerkschaft gegen Castor-Transport

Das Foto aus dem Februar dieses Jahres zeigt das Atomkraftwerk (AKW) Biblis in Südhessen.
Das Foto aus dem Februar dieses Jahres zeigt das Atomkraftwerk (AKW) Biblis in Südhessen.  © Boris Roessler/dpa

"Wenn nun von der Polizei erwartet wird, dass sie die Corona-Auflagen und den Gesundheitsschutz stärker durchsetzen soll, dann ist es aus unserer Sicht nicht vereinbar, dass Anfang November ein Nukleartransport von der Polizei quer durch Deutschland begleitet werden soll", sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, der Deutschen Presse-Agentur.

"Dafür gibt es keinen zwingenden Grund." Polizeikräfte, die dann zur Sicherung des Castortransportes im Einsatz wären, könne man nicht zeitgleich für den Infektionsschutz abstellen.

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) plädierte am Freitag für eine Absage. 

"Wir werden künftig personell nicht mehr in der Lage sein, mehrere zeitgleich verlaufende Großeinsätze bewältigen zu können. Einen Nukleartransport von Cuxhaven nach Biblis zu begleiten und zeitgleich verschärfte Kontrollmaßnahmen an den Landgrenzen zur Eindämmung der Pandemie durchzuführen, wird nicht funktionieren", sagte der Vorsitzende Rainer Wendt.

Aus Sicht der Gewerkschaft sollte für den Infektionsschutz an den Landgrenzen künftig wieder mehr als nur stichprobenartig kontrolliert werden.

Neben den Ordnungsämtern hilft auch die Polizei bei der Durchsetzung der Corona-Regeln. Bund und Länder wollen nach ihrem Beschluss vom Mittwoch zudem die Bundespolizei beim Gesundheitsschutz einsetzen.

Titelfoto: Andreas Endermann/dpa

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