Proteste im Dannenröder Forst: Erneut Aktivistin abgestürzt und verletzt

Homberg/Ohm - Bei den Protesten gegen die Rodungen im mittelhessischen Dannenröder Forst für den Ausbau der Autobahn 49 ist am Samstagmorgen erneut eine Aktivistin aus mehreren Metern Höhe abgestürzt.

A49-Gegner und Polizisten stehen sich am 20. November im Dannenröder Forst gegenüber.
A49-Gegner und Polizisten stehen sich am 20. November im Dannenröder Forst gegenüber.  © Tobias Hirsch/dpa

Eine Frau sei im südlichen Bereich des Waldes von einer Plattform zwischen Bäumen aus vier bis sechs Metern Höhe zu Boden gestürzt, sagte ein Polizeisprecher.

Rettungskräfte und ein Notarzt hätten sie versorgt. Die Aktivistin wurde ins Krankenhaus gebracht.

"Wir haben die Stelle abgesperrt", ergänzte der Sprecher. Ermittlungen zur Klärung der Absturzsache seien eingeleitet worden. Augenzeugen sollten sich bei der Polizei melden.

Eine Demonstrantin, die ihren Namen nicht nannte, sagte, mehrere Polizisten seien auf ein markiertes Sicherungsseil getreten. "Da stand drauf: 'Achtung, wenn Sie hier drauftreten, fällt ein Mensch runter'", erklärte sie. "Die Polizei ließ das Seil los und dann ist es gerissen."

Der Polizeisprecher bemerkte dazu, die Details seien zunächst nicht bekannt, sie müssten erst untersucht werden.

Dannenröder Forst: Schon am 15. November stürzte eine Aktivistin ab

Eine Umweltaktivistin hängt am 18. November kopfüber von einem Baum, während Höhenretter der Polizei versuchen, sie in den Korb eines Hubsteigers zu ziehen.
Eine Umweltaktivistin hängt am 18. November kopfüber von einem Baum, während Höhenretter der Polizei versuchen, sie in den Korb eines Hubsteigers zu ziehen.  © Nadine Weigel/dpa

Die Aktivisten haben der Polizei wiederholt vorgeworfen, bei den Räumungen Leben zu gefährden – vor allem, nachdem bereits am 15. November eine Aktivistin von einem hochbeinigen Gestell gestürzt war (TAG24 berichtete).

Verantwortlich dafür soll laut der Staatsanwaltschaft Gießen ein Polizist gewesen sein, der zuvor ein Seil durchtrennt habe, das mit dem Gestell verbunden gewesen sei (TAG24 berichtete).

Die Verbindung soll für den Beamten nicht erkennbar gewesen sein. Gegen ihn wird der Staatsanwaltschaft zufolge wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt ermittelt. Den Ermittlern zufolge gibt es keine Hinweise auf ein vorsätzliches Handeln.

In dem Waldstück nahe Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis sollen auf einer Fläche von 27 Hektar Bäume für den Weiterbau der Autobahn 49 gerodet werden, die Arbeiten laufen längst. Umwelt- und Klimaschützer protestieren, weil sie das Projekt angesichts der Klimakrise für verfehlt halten (TAG24 berichtete).

Befürworter versprechen sich von dem Autobahnbau weniger Verkehrs- und Lärmbelastung in den Dörfern und eine bessere Anbindung ans Straßennetz.

Vor mehr als einem Jahr hatten Aktivisten den Dannenröder Forst besetzt. Sie richteten sich in mehreren Baumhaus-Camps ein und bauten zahlreiche Barrikaden.

Titelfoto: Tobias Hirsch/dpa

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