Gullydeckel-Anschlag auf Zug nur vorgetäuscht? Lokführer vor Gericht!

Bad Berleburg - Gegen einen Lokführer, der einen Anschlag auf seinen eigenen Zug der Hessischen Landesbahn vorgetäuscht haben soll, beginnt am Freitag (10 Uhr) der Prozess.

Ein Zug der Hessischen Landesbahn steht mit zerstörter Frontscheibe in der Werkstatthalle in Siegen.
Ein Zug der Hessischen Landesbahn steht mit zerstörter Frontscheibe in der Werkstatthalle in Siegen.  © Markus Klümper/DPA

Laut Anklage hatte er Gullydeckel von einer Brücke hinabhängen lassen und seinen Regionalzug später absichtlich in die Falle gesteuert. Der Mann steht wegen Vortäuschens einer Straftat und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr in Bad Berleburg vor Gericht. Der 50-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Bei dem spektakulären Vorfall bei Bad Berleburg im Wittgensteiner Land - nahe der Grenze von NRW und Hessen - waren die Ermittler zunächst von einem versuchten Mordanschlag ausgegangen. Das Amtsgericht will auch Zeugen vernehmen.

An einem Seil baumelten im April 2019 Gullydeckel von der Brücke und krachten frontal in den Regionalzug. Sie schlugen ein großes Loch in die Windschutzscheibe, der Lokführer blieb unverletzt. 

Später wurden seine DNA-Spuren an der Seilkonstruktion festgestellt, er geriet überraschend in Verdacht, eine Attacke inszeniert zu haben.

Der Vorfall im Kreis Siegen-Wittgenstein hatte bundesweit Aufsehen erregt.

Update, 18. September, 12.31 Uhr:

Der Lokführer, der einen Anschlag mit Gullydeckeln auf seinen eigenen Zug vorgetäuscht haben soll, weist die Vorwürfe nach Worten seines Verteidigers zurück. 

Am ersten Prozesstag vor dem Amtsgericht in Bad Berleburg sagte Verteidiger Dennis Tungel am Rande der Verhandlung am Freitag vor Journalisten: "Mein Mandant streitet alles ab."

Der Angeklagte selbst sagte zu Beginn der Verhandlungen nur: "Im Moment schweige ich noch." Der Versuch des Vorsitzenden Richters Torsten Hoffmann, zunächst über ein Rechtsgespräch eine Verständigung zwischen beiden Parteien herbeizuführen, scheiterte.

Tungel betonte dazu kurz darauf vor Medienvertretern, man wolle im Verfahren nachweisen, dass den Angeklagten keine Schuld treffe.  

Titelfoto: Markus Klümper/DPA

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