Islam-Unterricht in Hessen zukünftig ohne Ditib-Beteiligung

Wiesbaden - Hessen nimmt den islamischen Religionsunterricht in die eigene Hand. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) begründete das Ende der Zusammenarbeit mit dem türkischen Moschee-Verband Ditib mit einem Bruch des Vertrauensverhältnisses.

Schüler beim Islam-Unterricht einer siebten Klasse in der Frankfurter Ernst-Reuter-Schule (Archivbild).
Schüler beim Islam-Unterricht einer siebten Klasse in der Frankfurter Ernst-Reuter-Schule (Archivbild).  © dpa/Frank Rumpenhorst

Die Zweifel an der grundsätzlichen Unabhängigkeit von der türkischen Regierung hätten nicht ausgeräumt werden, erklärte Lorz am Dienstag und verwies bei seiner Begründung auf mehrere Rechtsgutachten.

Die Entscheidung sei den Verantwortlichen nicht leicht gefallen. Sie sorge nun aber für klare Verhältnisse an den Schulen.

Konkret bedeute die Entscheidung des Landes, dass der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht von Ditib ab dem neuen Schuljahr 2020/2021 bis auf Weiteres nicht mehr erteilt wird, erklärte der Kultusminister.

Davon seien alle bisherigen 56 Standorte in der Grundschule sowie zwölf weiterführende Schulen der 5. und 6. Jahrgangsstufe betroffen.

Hessen wolle aber die Schüler muslimischen Glaubens nicht ohne ein religiöses Bildungsangebot in der staatlichen Schule lassen, versicherte Lorz. Der bereits laufende Schulversuch Islam-Unterricht in Eigenregie des Landes soll im neuen Schuljahr 2020/2021 auf die 62 Standorte überführt werden, an denen derzeit Ditib- Religionsunterricht erteilt wird.

Dieser Islam-Unterricht werde damit im neuen Schuljahr rund 3300 Schülern in den Jahrgangsstufen eins bis acht angeboten. Neue Standorte seien ebenfalls möglich.

Neuer Unterricht soll mehr sein als reine Glaubens-Vermittlung

Während es beim bekenntnisorientierten Islam-Unterricht um nur reine Glaubens-Vermittlung geht, wird beim Unterrichts-Angebot des Landes auf die Vermittlung von Wissen über den Islam geachtet (Archivbild).
Während es beim bekenntnisorientierten Islam-Unterricht um nur reine Glaubens-Vermittlung geht, wird beim Unterrichts-Angebot des Landes auf die Vermittlung von Wissen über den Islam geachtet (Archivbild).  © dpa/Oliver Berg

Als Konsequenz aus dem schwebenden Verfahren mit Ditib war der bisherige bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht im laufenden Schuljahr in Hessen nur noch für Schüler bis zur Jahrgangsstufe sechs angeboten worden.

Für die Schüler der Jahrgangsstufe sieben gibt es seitdem das neue Fach Islam-Unterricht, das zunächst als Schulversuch bis zum Ende des Schuljahres geplant war.

Während es beim bekenntnisorientierten Islam-Unterricht um nur reine Glaubens-Vermittlung geht, wird beim Unterrichts-Angebot des Landes auf die Vermittlung von Wissen über den Islam geachtet.

Der Moschee-Verband hatte nach den aufkommenden Zweifeln an der Unabhängigkeit vom türkischen Staat nach dem Putsch-Versuch in dem Land eine Vielzahl von Fragen zur eigenen Struktur beantworten sowie Unterlagen einreichen müssen.

Ditib sei nicht untätig gewesen, das werde auch anerkannt, sagte der Kultusminister. Es sei derzeit aber nicht zu erwarten, dass die weiter bestehenden Defizite in absehbarer Zeit beseitigt werden können.

Die Tür für eine künftige Zusammenarbeit sei jedoch nicht vollständig verschlossen, betonte Lorz.

Titelfoto: dpa/Frank Rumpenhorst

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