Kitas vor der "großen Welle": Städte rüsten sich für Ferien-Ende

Frankfurt am Main - Zurück zur neuen Normalität: Hunderttausende Kinder in Hessen kehren im August trotz Corona-Pandemie zurück in die Kitas. Wie viele es genau sein werden und ob Betreuungs-Kapazitäten reichen, ist unklar.

Mitte August rechnen die hessischen Kitas mit der "großen Welle" (Archivbild).
Mitte August rechnen die hessischen Kitas mit der "großen Welle" (Archivbild).  © DPA/Arne Dedert

Die meisten Kommunen geben sich zuversichtlich, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt: Trotz Hygiene-Auflagen und angespannter Personalsituation werde man alle Kinder betreuen können. Laut der Gewerkschaft Verdi besuchen in Hessen 278.000 Kinder 4300 Kindertagesstätten. Doch nur ein Teil kam zuletzt.

Zwar kehrten Anfang Juli Hessens Kitas in den Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen zurück.

Doch aus Angst und angesichts der bevorstehenden Ferien ließen einige Eltern ihre Kinder zu Hause. Das könnte sich bald ändern. Formal beginnt am 1. August das neue Kindergarten-Jahr. 

Tatsächlich ist ein Teil der Kitas aber noch wegen Ferien geschlossen. Dass am Montag daher plötzlich chaotische Zustände in den Kindergärten ausbrechen, glaubt Verdi nicht: Die "große Welle" werde später kommen, sagt Gewerkschafts-Sekretärin Kristin Ideler.

Mitte August sieht sie die Herausforderungen auf die Kitas zukommen: Mit neuen Kindern kommt auch die Eingewöhnung - die Phase, in denen Eltern ihre Kinder in die Kita begleiten. In der Corona-Pandemie habe es sowas bisher nicht oder nur in geringem Maß gegeben.  "Der zweite Punkt ist, dass viele Kinder kommen, die Urlaub in Risikogebieten gemacht haben." Auf entsprechende Fälle müssten die Kita-Mitarbeiter ein wachsames Auge haben.

In Kitas ist die Einhaltung der "AHA"-Regeln nur begrenzt umsetzbar.

Kita-Erzieherin mit Mundschutz: Eine "altersangemessene pädagogische Kommunikation" sei so nicht vorstellbar, sagt GEW-Geschäftsführerin Karola Stötzel.
Kita-Erzieherin mit Mundschutz: Eine "altersangemessene pädagogische Kommunikation" sei so nicht vorstellbar, sagt GEW-Geschäftsführerin Karola Stötzel.  © dpa/Frank Rumpenhorst

Zum Belastungstest werde das Ende der Kita-Ferien auch wegen der Mitarbeiter, die zu Corona-Risikogruppen gehörten und nicht unbeschränkt eingesetzt werden könnten.

Das Tragen von FFP2-Schutzmasken garantiere Betreuern zudem Anspruch auf mehr Pausen. "Wir haben die Rückmeldungen, dass das in der Dienstplan-Gestaltung nicht so einfach geht", sagt Ideler.

Zudem hätten Kita-Träger begonnen, Personal-Lücken mit fachfremden Mitarbeitern aufzufüllen. "Die Kollegen habe die Befürchtungen, das dass die Belastung nicht mindert, sondern es neue Menschen in den Einrichtungen gibt, die eingearbeitet werden müssten."

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bleibt kritisch: In den Kindertagesstätten sei die Einhaltung der "AHA"-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) nur begrenzt umsetzbar.

"So ist eine altersangemessene pädagogische Kommunikation mit Mundschutz nicht vorstellbar", erklärt GEW-Geschäftsführerin Karola Stötzel.

Daher erwarte die GEW, dass allen Beschäftigen in Kitas die Möglichkeit zu wöchentlichen, freiwilligen Corona-Tests angeboten werde. Zudem müssten Landesregierung und Sozialministerium klare Vorgaben zur Organisation des Regelbetriebs unter Corona-Bedingungen machen.

Bisher sei die Öffnung der Kitas weitestgehend der Vernunft des Personals, der Leitungen und Träger überlassen worden.

Angesichts der Öffnung der Kitas für Berufsgruppen mit fachfremder Ausbildung befürchtet die Gewerkschaft einen Qualitätsverlust der pädagogischen Arbeit.

Titelfoto: DPA/Arne Dedert

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