Chaos auf Intensivstationen: Werden Operationen willkürlich verschoben?

Eschborn - Angesichts knapper Krankenhaus-Kapazitäten wegen der Corona-Pandemie werden auch in den hessischen Krankenhäusern immer mehr planbare Operationen verschoben.

Auch die Intensivstation der Uniklinik in Gießen ist überlastet. Ein junger intubierter Corona-Patient wird hier versorgt.
Auch die Intensivstation der Uniklinik in Gießen ist überlastet. Ein junger intubierter Corona-Patient wird hier versorgt.  © Boris Roessler/dpa

Das bestätigte der Direktor der Hessischen Krankenhaus-Gesellschaft, Steffen Gramminger, der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage.

Die sich zuspitzende Lage auf den Intensivstationen mache dies notwendig, so Gramminger. "Auch wenn wir aufgrund unserer sehr guten Kommunikation unter den Krankenhäusern und deutlich besseren Meldestrukturen besser auf Sicht fahren können als vor einem Jahr, müssen auch die hessischen Krankenhäuser planbare Behandlungen verschieben." Nur so seien die notwendigen Kapazitäten vorzuhalten.

Genaue Zahlen zur Frage, wie viele Krankenhäuser in welchem Umfang planbare Behandlungen verschieben, lägen ihm nicht vor, erklärte Gramminger. Mit Sicherheit handele es sich aber um die Mehrzahl der Kliniken, zumal bereits Planungen heruntergefahren würden.

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Die Entwicklung ruft Patientenschützer auf den Plan, die vor gravierenden Folgen für die Betroffenen warnen.

Bundesweit informierten derzeit rund drei Viertel der 1900 Kliniken immer mehr Kranke darüber, dass ihre Therapien verschoben würden, erklärte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Auch Krebspatienten müssen auf ihre Behandlung warten

"Selbst bei Krebspatienten werden stationäre Aufnahmen bis zu 18 Prozent heruntergefahren." All dies geschehe "mit Rückendeckung von Bund und Ländern". Doch was sich hinter diesem technischen Begriff planbarer Operationen verberge, sei "reine Willkür", so Brysch.

Der Gesetzgeber habe nirgends festgelegt, welche Kriterien dafür herangezogen werden müssten. Viele kranke Menschen erlebten derzeit, dass sie "Teil einer stillen Triage sind". Es sei überfällig, dass die Politik verbindliche Kriterien für verschiebbare Operationen festlege.

"Nur so kann die Transparenz für 19 Millionen Krankenhauspatienten wiederhergestellt werden."

Titelfoto: Boris Roessler/dpa

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