Pyrotechnik und Rauchbomben! Mehrere Festnahmen im Dannenröder Forst

Homberg/Ohm - Friedliche Proteste gegen den umstrittenen Weiterbau der Autobahn 49 stehen auf der einen Seite - Einsatz von Pyrotechnik und Steinwürfe auf der anderen. Am dritten Tag ihres Großeinsatzes im Dannenröder Forst bei Homberg (Ohm) hat die Polizei am Donnerstag eine gemischte Bilanz gezogen.

Die Polizisten nehmen eine Aktivistin während der Rodung am Dannenröder Forst fest.
Die Polizisten nehmen eine Aktivistin während der Rodung am Dannenröder Forst fest.  © Helmut Fricke/dpa

Fünf Menschen wurden festgenommen, nachdem an einer Absperrung Beamte mit Pyrotechnik beschossen und Rauchbomben gezündet worden seien, wie die Polizei mitteilte. 

Gegen sie solle wegen Landfriedensbruchs ermittelt werden. Insgesamt seien 38 Menschen in Gewahrsam genommen worden und 14 Ermittlungsverfahren und 25 weitere wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet worden, hieß es am Abend.

Derweil liefen erste Rodungsarbeiten in dem Waldstück für das Verkehrsprojekt weiter. Beamte holten wieder mehrere Aktivisten von hochbeinigen Gestellen und aus Baumhäusern, darunter auch die prominente Umweltaktivistin und Kapitänin Carola Rackete, die in Gewahrsam genommen wurde.

Zu ihrem Protest erklärte Rackete am Morgen: "Ich bin hier oben, weil seit 30 Jahren die CO2-Emissionen immer weiter steigen und weil all die Petitionen und internationalen Abkommen nichts bringen." 

Es brauche zivilen Ungehorsam, um Veränderungen zu schaffen. Nachdem Spezialkräfte Rackete aus dem Baumhaus geholt hatten, wurde sie in einem Polizeifahrzeug weggefahren. Neben der Feststellung ihrer Personalien erhalte die Aktivistin einen fünftägigen Platzverweis, sagte die Polizeisprecherin.

Kaptitänin Carola Rackete mit an Bord

Die Umweltaktivistin Carola Rackete hat sich in ein Baumhaus zurückgezogen und wartet auf die Räumung durch die Polizei.
Die Umweltaktivistin Carola Rackete hat sich in ein Baumhaus zurückgezogen und wartet auf die Räumung durch die Polizei.  © Borsi Rössler/dpa

Mit Blick auf die Proteste gegen die A49 forderten Rackete und die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" einen Systemwandel. "So geht es nicht weiter", schreiben die beiden. "Wir brauchen Systeme, die für uns und nicht gegen uns arbeiten. 

Menschen haben ein juristisches System geschaffen, das uns geradewegs in eine Heißzeit hinein legalisiert. Nicht zu vergessen, dass diese Gesetze auf einem Planeten geschrieben wurden, der ökologisch schon nicht mehr vergleichbar ist mit dem, auf dem wir heute leben." Was Menschen geschaffen hätten, "können sie auch revidieren, oder reformieren, revolutionieren".

Bei dem Vorfall mit Pyrotechnik hatten nach vorläufigen Erkenntnissen mehrere Personen versucht, durch eine Absperrung hindurch in den Sicherheitsbereich einzudringen, wie die Sprecherin sagte. Verletzte habe es nicht gegeben. "Bei dem Durchdringen haben sie auf die Kollegen direkt mit Raketen geschossen." 

Auch Rauchbomben seien gezündet und Steine geworfen worden. Die Beamten hätten in der Situation Schlagstöcke eingesetzt. Ansonsten habe es auch "sehr friedliche Protestformen" gegeben.

Waldbesetzer sieht Proteste als "sehr erfolgreich" an

Nur wenige Demonstranten versuchten die Rodungen am Dannenröder Forst zu stören.
Nur wenige Demonstranten versuchten die Rodungen am Dannenröder Forst zu stören.  © Helmut Fricke/dpa

Einer der Waldbesetzer wertete den Verlauf der Proteste im Dannenröder Forst unterdessen als "sehr erfolgreich". Die Polizei sei "immer noch am selben Fleck, wo sie vor drei Tagen angefangen haben", sagte Aktivist Momo. "Es gibt hier entschlossenen Protest, der immer und immer wieder sich hierhin setzt, immer sich wieder räumen lässt, aber auch versucht, hier Polizeiabsperrungen zu durchbrechen."

Bereits am Vortag hatten die Beamten über Nacht wieder aufgebaute Barrikaden geräumt und Aktivisten von Tripods und aus Hängematten geholt, die an einem Seil über einen Weg gespannt waren.

Derweil wurde am Donnerstagmorgen ein Versorgungszelt der Aktivisten bei einem Feuer zerstört. Nach Polizeiangaben brannte es aus zunächst ungeklärter Ursache aus. Die Schadenshöhe belief sich auf rund 500 Euro, sagte ein Polizeisprecher.

Insgesamt sollen im Dannenröder Forst Bäume auf einer Fläche von 27 Hektar für den Weiterbau der A49 fallen. Die Autobahn soll irgendwann Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Dagegen protestieren Umwelt- und Klimaschützer, die das Waldstück seit mehr als einem Jahr besetzt halten. Zuvor waren Teile des Herrenwaldes bei Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) sowie des Maulbacher Waldes nahe Homberg (Vogelsbergkreis) für den geplanten Lückenschluss gerodet worden. 

Die Gegner halten das Projekt angesichts der Klimakrise für verfehlt und fordern eine umweltfreundliche Verkehrswende. Befürworter versprechen sich davon weniger Verkehrs- und Lärmbelastung in den Dörfern der Region und eine bessere Anbindung für Pendler und Unternehmen.

Titelfoto: Helmut Fricke/dpa

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