Sexuelle Belästigung durch Worte: Studentin will Catcalling in Deutschland strafbar machen

Fulda/Würzburg - "Ey, geiler Arsch", "Ich würde dich gerne fi**en" – verbale sexuelle Belästigung ist nichts Neues. In einigen Ländern wie in Belgien, Portugal und Frankreich ist das sogenannte "Catcalling" strafbar. Nun hat die Würzburger Studentin Antonia Quell (20) eine Petition gestartet, um auch in Deutschland für ein entsprechendes Gesetz zu sorgen.

Die Studentin rief vor vier Wochen die Petition ins Leben.
Die Studentin rief vor vier Wochen die Petition ins Leben.  © Instagram Antonia Quell

Vor vier Wochen reichte die 20-Jährige die Online-Petition "Es ist 2020. Catcalling sollte strafbar sein." ein. Mittlerweile haben bereits rund 37.000 Unterstützer (Stand 10. September) das Gesuch an die Bundesregierung unterzeichnet.

"Mich macht das einfach nur krass, krass wütend, dass mein Körper oder mein Aussehen kontinuierlich, auch in alltäglichen Situationen, bewertet und kommentiert wird", so Toni gegenüber der hessenschau.

In Deutschland ist verbale sexuelle Belästigung kein eigener Strafbestand. Voraussetzung dafür ist ein sexuell bestimmter Körperkontakt. Demnach können reine Catcalling-Fälle aktuell nicht bestraft werden.

Andere Länder sind da weiter. So ist Catcalling in Frankreich bereits seit 2018 strafbar und wird mit Geldstrafen von bis zu 750 Euro geahndet!

Ab wann ist Flirten ein Catcall?

Was ist der Unterschied zwischen Flirten und einem Catcall? (Symbolbild)
Was ist der Unterschied zwischen Flirten und einem Catcall? (Symbolbild)  © 123RF/Yaroslav Veretin

"Catcalls zielen niemals darauf ab, dem Empfänger oder der Empfängerin etwas Gutes zu tun, sondern vielmehr darauf, das Selbstwertgefühl des Senders/der Senderin zu stärken und ein Gefühl von Macht und Dominanz hervorzurufen", betont Antonia weiter.

Neben viel positivem Feedback, äußerten auch zahlreiche ihre Bedenken, was die Umsetzung anbelangt. So kommentierte etwa ein User unter die Unterschriftensammlung auf openpetition.de:

"Was für eine Person Flirten ist, ist für die Nächste womöglich Belästigung. In Bezug auf sexuelle Belästigung ist es nicht immer offenkundig, ob ein Verhalten 'unerwünscht' ist. Das rechtfertigt sie keinesfalls, aber macht die Unterscheidung manchmal zur Interpretationssache. Überträgt man dieses Problem auch auf Sprache, so wird effektiv jede Form des Flirtens zum Risiko einer Belästigung." 

Eine Straftat sollte nach Ansicht des Kommentators unmoralische Absichten voraussetzen und nicht nur fehlendes Taktgefühl.

Viele Frauen Opfer von Catcalling

Aktuell haben 36.803 Unterstützer die Petition unterschrieben (Stand 10. September).
Aktuell haben 36.803 Unterstützer die Petition unterschrieben (Stand 10. September).  © Screenshot openpetition.de

Antonia sieht dies allerdings anders: "Es ist in Ordnung, Fremden Komplimente zu machen, die man auch seiner Mutter machen könnte. Und ich glaube niemand, würde zu seiner Mutter sagen: 'Ey, geiler Arsch.' Wenn man sich schon fragt, ob das jetzt unangebracht sein könnte, lässt man es am besten einfach" erklärt die Studentin gegenüber Puls.

Wie sehr das Thema beschäftigt, zeigt sich auch in den über 8000 Kommentaren zu der Petition. So berichten zahlreiche Catcalling-Opfer von ihren Erfahrungen und auch der Machtlosigkeit, die damit einhergeht. 

Eine Befürworterin ist sich sogar sicher, dass sie keine Frau kenne, die nicht schon mal verbal sexuell belästigt wurde. Auch bei der Zahl der Betroffenen wird klar: Bei verbalen sexuellen Belästigungen handelt es sich nicht um Einzelfälle, sondern um Alltag!

Damit die Petition an die zuständigen Adressaten herangetragen wird, müssen insgesamt 50.000 Unterschriften gesammelt werden.

Titelfoto: Instagram Antonia Quell, Screenshot openpetition.de

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