Zwei Wölfe in Hessen ansässig: Werden sie abgeschossen?

Wiesbaden - Weidetierhalter in Hessen fordern ein Umdenken im Umgang mit Wölfen in dem Bundesland.

Zwei Wölfe sind in Hessen sesshaft, Schäfer sind deswegen besorgt (Symbolbild).
Zwei Wölfe sind in Hessen sesshaft, Schäfer sind deswegen besorgt (Symbolbild).  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

"Die Lösung muss auf Wolf-Seite gefunden werden und nicht aufseiten der Weidetierhalter", sagte Burkhard Ernst, Sprecher des Hessischen Verbands für Schafzucht- und -haltung.

Bevor der erste Wolf über die Grenze nach Hessen komme, müssten alle Herden mit einem Elektro-Schutzzaun ausgerüstet sein, damit der Wolf lerne, dass die Tiere keine leichte Beute seien.

Das Problem: Es gibt bereits zwei sesshafte Wölfe in Hessen (TAG24 berichtete).

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"Ich bin der klaren Auffassung, dass diese Wölfe Fehlverhalten zeigen", sagt Ernst. Für die Schäfer ist die Schlussfolgerung: Die beiden Wölfinnen müssen weg – und das nach Möglichkeit, bevor sie Nachwuchs bekommen.

Dabei komme nicht ausschließlich ein Abschuss infrage, auch ein Einfangen sei denkbar.

Thomas Norgall, Naturschutzreferent des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), beobachtet die Debatten mit Sorge: "Bundesweit sieht man eine gewisse Verhärtung der Fronten. Es gibt eine große Gruppe, die der Meinung ist: Der Wolf muss weg."

Allerdings sei der Abschuss rechtlich kaum möglich und die Debatte darüber führe in eine Sackgasse. "Wir haben die Tendenz, das wir eher mehr Wölfe in Hessen bekommen."

Wolf-Abschuss in Hessen: Schafzüchter kritisieren "schwammige Gesetzgebung"

Es gibt hohe Hürden für den Abschuss von Wölfen in Hessen (Symbolbild).
Es gibt hohe Hürden für den Abschuss von Wölfen in Hessen (Symbolbild).  © Carsten Rehder/dpa

Der Wolf ist bundes- und europarechtlich streng geschützt.

Laut dem hessischen Umweltministerium müssen vor einem Abschuss die zuständigen Behörden dokumentieren, dass das Tier einen "der guten fachlichen Praxis der Weidetierhaltung entsprechenden Schutz" mehrfach überwunden hat und die zumutbaren Möglichkeiten eines erhöhten Weidetierschutzes ausgeschöpft wurden.

"Diese Voraussetzungen sind in Hessen bislang nicht erfüllt", heißt es vom Ministerium.

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Auch der Verband für Schafzucht und -haltung sieht einen Abschuss als unrealistisch an: "Die schwammige Gesetzgebung sorgt dafür, dass bei einer Abschussgenehmigung die Naturschutzverbände sofort mit Klagen zur Stelle sind."

Der Landesjagdverband erklärt, die Fragen für einen Abschuss müssten "wohl in Zukunft erst durch EU-Verfassungsrechtler geklärt werden".

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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