Fast alle Hotels auf, Tagesgäste kommen: Mecklenburg-Vorpommern bereitet sich auf Hochsaison vor

Heiligendamm/Rostock - "Endlich geht es los": Der Chef des Grand Hotels Heiligendamm, Thies Bruhn, schaut bei strahlendem Sonnenschein über die weitläufige Anlage des Luxushotels am Ostseestrand.

Das Grand Hotel Heiligendamm bereitet sich auf die Eröffnung vor.
Das Grand Hotel Heiligendamm bereitet sich auf die Eröffnung vor.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

In den vergangenen Wochen haben seine rund 260 Mitarbeiter und er alle Vorbereitungen, Renovierungen und Ausbesserungen vorgenommen, um den Gästen, die von Donnerstag an ankommen, das Leben so schön wie es eben geht zu machen.

Allerdings wird das Hotel mit seinen 200 Zimmern und Suiten nur zu 70 Prozent belegt sein. Auch wenn die Landesregierung viele Kontaktbeschränkungen gestrichen hat, in Innenräumen gelten immer noch die 1,50-Meter-Abstandsregeln und die Pflicht zum Maskentragen.

"Die Abstandsregeln sind bei 100-prozentiger Auslastung nicht einzuhalten", sagt Bruhn. Und solange die Beschränkungen da sind, gebe es keine volle Auslastung.

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Damit sind nun fast alle Hotels in Mecklenburg-Vorpommern geöffnet, wie der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf, sagt.

Mehrere Häuser hatten nach der überraschenden Ankündigung der Landesregierung, bereits am vergangenen Freitag Gäste aus anderen Bundesländern die Einreise zu erlauben, abgewunken. Die Vorbereitungszeit war einfach zu kurz.

Tourismus-Chef Tobias Woitendorf rechnet mit bis 150.000 Tagestouristen in den Ferien

Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbands
Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbands  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Hinzu kommt, dass von Freitag an auch wieder alle Tagestouristen nach Mecklenburg-Vorpommern reisen dürfen. Eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr, betont Woitendorf. In der ersten Pandemiephase durften Auswärtige erst gar nicht ins Land oder wurden nach Hause geschickt.

Mit der Öffnung könnten nun die positiven Effekte für Einzelhandel, Gastronomie und Freizeitanbieter wieder erzielt werden. "Die Öffnung für Tagestouristen war ein richtiger Schritt und bei der aktuellen Infektionslage absolut geboten."

Vorbei sind damit die Zeiten, in denen Einheimische die Strände und die Innenstädte fast für sich alleine hatten. "In den Ferienzeiten gehen wir im Schnitt von 100.000 bis 150.000 Tagesreisenden aus anderen Bundesländern aus", sagt Woitendorf.

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Das wiederum erfordert in Pandemiezeiten eine größere Vorbereitung der Orte bei der Besucherlenkung. Bei Veranstaltungen müssten Termine vergeben und Onlinebuchungen ermöglicht werden. Auch an den Stränden müsse auch auf Abstandhalten geachtet werden.

"Wir fahren langsam hoch und werden nicht überrannt", sagt der Sprecher des Campingverbandes, Gerd Scharmberg. Dass das jetzt nicht so schnell gehen kann, liege daran, dass die ganze Tourismusbranche zuvor von einer Öffnung am 14. Juni ausgegangen war. Auch auf Campingplätzen mit ihren Läden und Gastronomie müssten Regale erst gefüllt werden. Das Problem sei, dass viele Gäste mit Vorbuchungen für diese ersten Juni-Tage nun auf andere Reiseziele umgebucht haben.

Urlaubsorte fühlen sich für steigende Testpflicht gewappnet

So leer werden der Strand und der Badesteg ab Freitag nicht mehr sein.
So leer werden der Strand und der Badesteg ab Freitag nicht mehr sein.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

Trotz der aktuellen Lockerungen bleiben noch Beschränkungen, die manche Gäste von größeren Aktivitäten fernhalten könnten. Dazu gehört unter anderem die Testpflicht, die beim Betreten von Innenräumen in Hotels, Museen oder Restaurants greift.

Nur wer beispielsweise eine Ferienwohnung gebucht hat und neben dem Einkaufen auf alle "Indoor-Aktivitäten" verzichtet, darf ungetestet bleiben. Für die steigende Testnachfrage fühlt sich die Mehrheit der Urlaubsorte im Nordosten einer Umfrage des Tourismusverbands gerüstet.

Dabei geht der Präsident des Dehoga MV, Lars Schwarz, davon aus, dass bis zum Beginn der Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern die Testpflicht beibehalten wird. Er verweist allerdings darauf, dass in anderen Ländern die Regeln wesentlich weniger streng gehandhabt werden als im Nordosten.

So müssten in Sachsen und Thüringen bei Restaurantbesuchen ab einer Inzidenz von 35 keine negativen Tests mehr vorgelegt werden. In Mecklenburg-Vorpommern lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch bei 5,3. "Wir haben jetzt eine Inzidenz, die uns erlaubt, sicher in die Urlaubssaison zu starten", betont Schwarz.

Wenn alle Urlauber im Land sind und die Inzidenz weiter so niedrig bleibt, müsse zeitnah über die Testpflicht im Gastgewerbe gesprochen werden. Der Umfang müsse deutlich reduziert beziehungsweise die Testung müssen ganz abgeschafft werden. "Der Impffortschritt und unsere bewährten Hygienekonzepte geben uns zusätzlich Rückenwind."

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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