Mediziner hofft auf Ausgangssperre: Kann nur sie die dritte Welle stoppen?

Rostock - Nach Ansicht des Rostocker Tropenmediziners Emil Reisinger (62) können Ausgangsbeschränkungen und nächtliche Ausgangssperren ein wirksames Mittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie sein.

Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger hatte mit einem Anstieg der Infektionen gerechnet.
Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger hatte mit einem Anstieg der Infektionen gerechnet.  © Bernd Wüstneck/dpa

"Ausgangsbeschränkungen können etwas bringen in der Pandemie-Bekämpfung. Viele Infektionen sind auf private Zusammenkünfte zurückzuführen, die so reduziert werden. Menschen werden sich jetzt nicht alle am Nachmittag treffen, weil dann auch noch viele arbeiten", sagte Reisinger der Deutschen Presse-Agentur. "So können Menschen tagsüber weiterhin einkaufen gehen und müssen dann am Abend auf Kontakte verzichten."

Zudem könne viel mehr getestet werden. Ein Einkaufen nach Terminvergabe soll im Nordosten weiterhin möglich sein.

In der Nacht zu Dienstag ist eine Ausgangsbeschränkung im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Kraft treten. Dort dürfen Menschen wegen der hohen Infektionszahlen das Haus zwischen 21 und 6 Uhr nur aus triftigen Gründen wie der Arbeit verlassen.

Auf ein solches Vorgehen hatte sich die Landesregierung vor wenigen Tagen verständigt, wenn in einem Landkreis oder den kreisfreien Städten der Inzidenzwert von 100 überschritten wird und die Corona-Infektionen als lokal nicht eingrenzbar eingeordnet werden.

Reisinger sagte weiter, dass die zuletzt stark gestiegenen Neuinfektionen in Mecklenburg-Vorpommern erwartbar gewesen seien, weil sich die britische Virusvariante durchgesetzt habe.

Impfungen zeigen ersten Effekt

Diese gilt als deutlich ansteckender als das bisher bekannte Coronavirus. "Die Zahl der Todesfälle und belegten Intensivstationen steigt noch nicht in demselben Maß an. Doch es ist weiterhin Vorsicht geboten", mahnte er.

Gute Nachrichten gibt es hingegen aus den Alten- und Pflegeheimen, wo sich deutlich weniger Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Coronavirus infizieren. "Das zeigt: Impfungen bringen etwas."

Laut Sozialministerium wurde in allen Alten- und Pflegeheimen bereits eine Erstimpfung angeboten, in 99 Prozent auch die notwendige zweite Impfdosis.

Titelfoto: Bernd Wüstneck/dpa

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