Hitler-Gruß überschattetet Gedenken in Rostock-Lichtenhagen

Rostock - Aufreger vor der Gedenkveranstaltung an die Brandanschläge in Rostock-Lichtenhagen vor 30 Jahren: Mitten in einer Live-Übertragung von Journalisten zeigte ein Jugendlicher am Donnerstag den Hitlergruß.

Unter dem Beifall von Schaulustigen kam es 1992 mehrere Tage lang vor dem damaligen Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen zu schweren Ausschreitungen Rechtsradikaler.
Unter dem Beifall von Schaulustigen kam es 1992 mehrere Tage lang vor dem damaligen Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen zu schweren Ausschreitungen Rechtsradikaler.  © Jens Büttner/dpa

Wie die Polizei in Rostock auf Nachfrage von TAG24 mitteilte, war es bereit am Donnerstagvormittag zu dem Vorfall gekommen. "Politiker waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Rostock-Lichtenhagen", sagte eine Polizeisprecherin.

Demnach waren zwei Jugendliche in Live-Aufnahmen zwei Journalisten getreten, was diese nach eigenen Angaben zunächst nicht bemerkt hatten. Ein 14-jähriger Junge hob dabei offensichtlich den rechten Arm zum Hitlergruß. Sein 13-jähriger Begleiter soll mit Seitenscheitel und Hitlerbart vor die Kamera getreten sein.

Nach Angaben der Journalisten hatten sich die beiden Jugendlichen zuvor bei ihnen erkundigt, ob die Bilder live gesendet würden.

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Nachdem die Journalisten den Vorfall bemerkt hatten, informierten sie sofort die Polizei. Die Beamten konnten die beiden Jugendlichen in der Nähe ermitteln. "Der Junge, der den Arm gehoben hat, wirkt zwar jünger. Allerdings ist er der Ältere von den beiden", teilte die Polizeisprecherin mit. Mit dem Erreichen des 14. Lebensjahres könne die Tat strenger geahndet werden als bei einem 13-Jährigen.

Die Polizei sicherte das Videomaterial. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgenommen. Da die Ermittlungen noch andauern, konnte die Polizeisprecherin zunächst keine weiteren Angaben machen.

Gedenkveranstaltung mit dem Bundespräsidenten

Am Nachmittag äußerte sich auch Rostocks Polizeipräsidentin Anja Hamann zu den Ermittlungen. "Ich bin froh, dass die sofort eingeleiteten Maßnahmen und die Präsenz der Polizei vor Ort dazu geführt haben, den Tatverdächtigen wenig später festzustellen", teilte sie mit.

Die detaillierten Zeugenaussagen hätten zum schnellen Erfolg beigetragen. "Ich bedaure diesen beschämenden Vorfall außerordentlich."Die Behörden würden nun die Ermittlungen fortsetzen und seien bereits mit den Eltern der Jugendlichen in Kontakt.

Vor 30 Jahren hatten Rechtsradikale Brandanschläge auf das damalige Asylbewerberheim in Rostock-Lichtenhagen verübt. Unter dem Applaus von Anwohnern war es mehrere Tage lang zu Ausschreitungen am Sonnenblumenhaus gekommen. Am heutigen Donnerstagnachmittag fand eine Gedenkveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (66, SPD) vor Ort statt.

Titelfoto: Jens Büttner/dpa

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