2G, Kontakt-Beschränkungen, Schließungen: Gericht bestätigt Corona-Regeln in Bayern

München - Die zuletzt noch einmal deutlich verschärften Corona-Regeln in Bayern bleiben unverändert in Kraft. Der Bayerische Verfassungsgerichtshof lehnte es in einer am Mittwoch veröffentlichten Entscheidung ab, einzelne Vorschriften der 15. Corona-Verordnung durch einstweilige Anordnung außer Vollzug zu setzen.

Der Bayerischen Verfassungsgerichtshof hält die scharfen Corona-Regeln der Staatsregierung für angemessen und verfassungskonform.
Der Bayerischen Verfassungsgerichtshof hält die scharfen Corona-Regeln der Staatsregierung für angemessen und verfassungskonform.  © picture alliance / dpa

Es sei zudem "nicht davon auszugehen, dass die Popularklage im Hinblick auf die aktuell geltenden Vorschriften in der Hauptsache erfolgreich sein wird", teilte das Gericht mit.

Auch die neue 2G-Regel in weiten Bereichen des Einzelhandels, nach der nur noch Geimpfte und Genesene Zugang haben, bleibt unangetastet (Az. Vf. 60-VII-21).

Der Antragsteller - dem Vernehmen nach eine Einzelperson - hatte unter anderem eine Ungleichbehandlung von Geimpften und Nicht-Geimpften beklagt und die Corona-Regeln gleich reihenweise außer Vollzug setzen lassen wollen: etwa das Verbot von Weihnachtsmärkten, die Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte und Nicht-Genesene, die 2G- und 2G-plus-Regelungen, die Sperrstunde in der Gastronomie, die pauschale Schließung von Clubs und Kneipen sowie die noch strikteren Einschränkungen in regionalen Corona-Hotspots.

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Das höchste bayerische Gericht wies sämtliche Forderungen zurück: Es sei nicht ersichtlich, dass die bayerische Staatsregierung die Spielräume laut Bundesinfektionsschutzgesetz überschritten habe oder unter Verletzung von Grundrechten der Bayerischen Verfassung gehandelt habe.

Ungleichbehandlung von Ungeimpften? Gericht sieht 2G als verfassungsrechtlich gerechtfertigt an

Die 2G-Regel, die in weiten Bereichen in Bayern gilt, hält das Gericht für verfassungsrechtlich gerechtfertigt.
Die 2G-Regel, die in weiten Bereichen in Bayern gilt, hält das Gericht für verfassungsrechtlich gerechtfertigt.  © Peter Kneffel/dpa

Die Richter verwiesen dabei auf die zugespitzte Corona-Lage in Bayern: eine seit Oktober deutlich ansteigende, exponentiell wachsende Infektionsdynamik, eine regional teils stark ansteigende Krankenhausbelegung, eine steigende Zahl von Todesfällen und eine regional drohende oder bereits eingetretene Überlastung von Intensivstationen.

Deshalb seien die Corona-Maßnahmen, auch wenn sie erhebliche Verschärfungen mit teils massiven Grundrechtseingriffen enthielten, jedenfalls nicht offensichtlich verfassungswidrig.

Das Gericht betonte, die Staatsregierung habe "bei Bewertung der Gefahrenlage und Ausgestaltung des Schutzkonzepts einen – vorliegend nicht offensichtlich überschrittenen – Einschätzungsspielraum".

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Explizit ließen die Richter die Ungleichbehandlung von Ungeimpften und Nicht-Genesenen gegenüber Geimpften und Genesenen gelten: Dies dürfte angesichts "deutlicher Unterschiede" beim Risiko, sich zu infizieren und zu erkranken, das Virus weiterzugeben und damit gegebenenfalls zu einer Überlastung des Gesundheitssystems beizutragen, verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein.

Auch die Impfdurchbrüche führten zu keiner anderen Bewertung, befand das Gericht unter Verweis auf Daten des Robert Koch-Instituts.

Verfassungsgerichtshof billigt 2G-Regel für den Einzelhandel

"Wir kämpfen für Euch" ist an der Fassade der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren zu lesen. Laut Gericht ist das Gesundheitssystem teilweise bereits überlastet.
"Wir kämpfen für Euch" ist an der Fassade der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren zu lesen. Laut Gericht ist das Gesundheitssystem teilweise bereits überlastet.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Auch Kontakt- und Zugangsbeschränkungen für Ungeimpfte hält das Gericht jedenfalls im Moment für verhältnismäßig und auch sonst für verfassungsrechtlich gerechtfertigt.

Und auch Maßnahmen wie das Verbot von Jahrmärkten, die zusätzlichen Beschränkungen für die Gastronomie und die Schließung bestimmter Freizeiteinrichtungen sind der Entscheidung zufolge nicht offensichtlich verfassungswidrig.

Gleiches gilt für die strikten Beschränkungen in regionalen Hotspots: Vor dem Hintergrund einer regional teilweise bereits eingetretenen deutlichen Überlastung des Gesundheitssystems wiege der mit der Regelung verfolgte Schutz von Leib und Leben dort deutlich schwerer.

In der Entscheidung billigte der Verfassungsgerichtshof ganz aktuell auch die seit Mittwoch geltende 2G-Regel für den Einzelhandel (außer für Geschäfte des täglichen Bedarfs). Auch bezüglich dieser Regelung sei "eine offensichtliche Verfassungswidrigkeit bei summarischer Prüfung im Eilverfahren nicht feststellbar".

Eine Folgenabwägung rechtfertige keine vorläufige Außervollzugsetzung der Regelung.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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