Alte Windkraft-Rotoren: Hier ist der Schrott noch nützlich

Augsburg - Mit Stäben aus ehemaligen Rotorblättern von Windkraftanlagen will die Stadt Augsburg abgestorbene Bäume abstützen und so einen Beitrag zum Artenschutz leisten.

Ein abgestorbener sieben Meter fünfzig hoher Buchenstamm wird im Siebentischwald von zwei Carbonstäben aus den ausgedienten Rotorblättern eines Windrades gestützt.
Ein abgestorbener sieben Meter fünfzig hoher Buchenstamm wird im Siebentischwald von zwei Carbonstäben aus den ausgedienten Rotorblättern eines Windrades gestützt.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Carbonstäbe seien äußerst stabil, langlebig und widerstandsfähig gegen Korrosion und andere Umwelteinflüsse.

Das Projekt wird am Donnerstag mit Stützen für eine siebeneinhalb Meter hohe tote Buche begonnen. Zunächst sollen zwei Bäume im Augsburger Stadtwald mit den Carbon-Bauteilen ausgestattet werden.

"Große alte Bäume und historische Baummonumente stellen einen nahezu unersetzlichen Wert für die Artenvielfalt dar", sagte Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben (Grüne). 

Es sei nachgewiesen, dass ein toter Baum einen lebenden Baum sogar als Rückzugsraum für Insekten, Kleinsäuger und Vögel übertreffen könne. Die Stadt will künftig entweder abgestorbene oder noch lebende, aber instabile Bäume mit den Stützen versehen.

Augsburg ist nach eigenen Angaben der zweitgrößte kommunale Waldbesitzer Deutschlands. 

Rotoren sollen Beitrag zum Artenschutz leisten

In dem Augsburger Projekt soll getestet werden, ob auf diese Weise instabile Bäume dauerhaft gesichert werden können.
In dem Augsburger Projekt soll getestet werden, ob auf diese Weise instabile Bäume dauerhaft gesichert werden können.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der größte Teil des fast 7700 Hektar großen Stadtforstes liegt außerhalb des Gebietes der schwäbischen Großstadt. Forstreviere gibt es beispielsweise auch weit entfernt von Augsburg im oberbayerischen Eurasburg (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und in Fuchsmühl in der nördlichen Oberpfalz (Landkreis Tirschenreuth).

Die Carbonstützen stammen von einem Unternehmen in Nordschwaben. Die Carbon-Werke Weißgerber in Wallerstein (Landkreis Donau-Ries) suchen neue Verwendungsmöglichkeiten für die Windräder, die beim Abriss von ausgedienten Windkraftanlagen in den kommenden Jahrzehnten anfallen werden. 

Die Stützen, die wie ein Außenskelett Bäume stabilisieren sollen, sind eines der möglichen Folgeprodukte.

Das Unternehmen will die Kohlenstofffasern auch für Leichtbaumodelle für die Raumfahrt recyceln oder im Straßenbau als Beimischung zu Asphalt anbieten.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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