#Neuland - Ausstellung: Wie Corona das Leben digitalisiert, Leute abhängt und neue Chancen schafft

Nürnberg - "Samstagabend Clubnight, deutsche Discos sind jetzt leer. Wir tanzen vor der Webcam nur in Shorts und sagen: Yeah!" Das sang Max "Rockstah" Nachtsheim in seinem Song "Taskleistendisco"bereits im Jahre 2010. Eine ungeplante Vorhersage, die heute Realität ist.

Die Ausstellung "#neuland" macht ab Mittwoch Station in Nürnberg.
Die Ausstellung "#neuland" macht ab Mittwoch Station in Nürnberg.  © -/Museum für Kommunikation Nürnberg/dpa

Clubs, DJs aber auch Musiker streamen heute per Twitch, Facebook und Youtube ihre Shows ins Internet: "Schon allein aus Promogründen, damit wir nicht vergessen werden", gestand schon im März 2020 Peter Fleming, Mitverantwortlicher im Münchner Club "Harry Klein", im TAG24-Gespräch.

Und nicht nur die Partyszene musste auf die Datenautobahnen ausweichen. Die weltweite Sars-CoV-2-Pandemie hat vermutlich mehr für die Digitalisierung in deutschen Schulen, Büros und im Privatleben gemacht, als es Politik und Wirtschaft auch nur im Ansatz aus freien Stücken in diesem Jahr geschafft hätten. Allerdings sehen das nicht alle so. Und nicht jeder wollte das so.

Es war eine "steile Lernkurve", die nach Ansicht von Tine Nowak von der Museumsstiftung Post und Telekommunikation ausgelöst wurde. "Wir mussten uns alle möglichst schnell digitalisieren", sagte sie in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur, warnte jedoch zugleich vor dem Entstehen von mehr Ungleichheiten. Außerdem glaubt sie nicht an einen großen Sprung in der Entwicklung der virtuellen Gesellschaft: "Es gab nicht unbedingt mehr neue digitale Angebote."

Als Kuratorin wird sie ab Mittwoch im Nürnberger Museum für Kommunikation die Ausstellung "#neuland" den Besuchern präsentieren. 

Das Projekt, das bis zuletzt in Frankfurt Station machte und ab Mai 2021 in Berlin Halt macht, wird vor allem die Digitalisierung im Alltag darstellen. Für Nürnberg wurde sie um die digitalen Phänomene rund um die Pandemie erweitert.

Digitalisierung löst nicht alle Probleme - und birgt Gefahren

Inzwischen mehr Podcaster als Musiker: Max "Rockstah" Nachtsheim während der "Zurückgespult"-Tour des Retro-Podcasts Radio Nukular. (Archiv)
Inzwischen mehr Podcaster als Musiker: Max "Rockstah" Nachtsheim während der "Zurückgespult"-Tour des Retro-Podcasts Radio Nukular. (Archiv)  © Axel Heimken/dpa

Nowak ist sich durchaus darüber bewusst, dass bestehende digitale Angebote deutlich intensiver genutzt werden. Streaming statt Kino, "Zoom"-Meetings statt Geschäftsreisen, "Houseparty"-Gespräche statt Treffen an der Bar, "Let's sing"-Online-Events statt Karaoke oder "Teleparty" statt persönlichem Treffen mit Freunden zum gemeinsamen Netflix-Serien-Abend. 

Der Alltag wurde immer mehr mit dem Internet verknüpft - was nach Nowaks Meinung auch Probleme mit sich brachte. Nicht alle kamen mit den gleichen Voraussetzungen in diese Situation und laufen nun Gefahr, nicht nur gesellschaftlich abgehängt zu werden.

"Dass das deutsche Bildungssystem bei der Digitalisierung hinterherhinkt, rächt sich in der Coronakrise deutlich. Ohnehin benachteiligte Schüler drohen noch weiter abgehängt zu werden", warnte im August bereits das "Handelsblatt". Jedoch betrifft diese Gefahr auch Unternehmer, Arbeiter, ältere Menschen - im Grunde jeden, der sich bislang mit den modernen Medien nicht auseinandersetzen musste oder wollte. Aber selbst die gut vernetzten Web-Wanderer hat die Pandemie an vielen Stellen eingeschränkt. Der in Bayern lebende Rockstah beispielsweise wollte zum 10-Jährigen seines Albums "Nerdrevolution" im November eine Tour machen. 

Sein Vorhersage-Song "Taskleistendisco" wird jedoch wegen der Corona-Schutzmaßnahmen 2020 nirgendwo mehr live zu hören sein. Wie er am Montagabend in einem Live-Stream im Rahmen des zweiten Geburtstags seines Albums "Cobblepot" gestand, traf ihn das zwar sehr, aber auf Autokino-Lösungen oder halb volle Hallen möchte er verzichten. 

"Ich habe noch andere Einnahmequellen. Solche Bühnen sollen die Künstler nutzen können, die es schwerer erwischt hat." Irgendwie schaut man wegen der Corona-Situation vielleicht doch etwas mehr aufeinander - und das nicht nur über eine Kamera.

Titelfoto: -/Museum für Kommunikation Nürnberg/dpa

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