Kino, Theater, Kitas, Schulen: Alle Infos zu den Lockerungen in Bayern ab 15. Juni

München - Auch für Kulturschaffende ist nun ein Funke Licht am Ende des Corona-Tunnels: Vom 15. Juni an dürfen Theaterbetriebe, Kinos und Konzertsäle wieder öffnen. Dabei müssen sie - wie auch Gastronomie, Hotels, Freibäder und Sportstudios - die inzwischen üblichen Sicherheitsvorkehrungen beachten.

Die bayerische Staatsoper in München: Ab dem 15. Juni dürfen in Bayern Theaterbetriebe, Kinos und Konzertsäle wieder öffnen.
Die bayerische Staatsoper in München: Ab dem 15. Juni dürfen in Bayern Theaterbetriebe, Kinos und Konzertsäle wieder öffnen.  © Peter Kneffel/dpa

Wo muss eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden?

Was den Mundschutz betrifft, gelten in Kulturbetrieben strengere Regeln als in Gasthäusern oder Sportanlagen: Im Theater oder Kino müssen die Masken nicht nur beim Betreten und Verlassen der Räumlichkeit sowie in den Sanitärbereichen getragen werden, sondern auch während der Vorführung im Zuschauerraum. 

Und das, obwohl die Zuschauer auf Abstand säßen und "sich nicht unterhalten, weil sie ja einen Film schauen", wie Thomas Negele, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (Spio) in Wiesbaden kritisiert. Auch das Personal trägt Mund-Nase-Bedeckung.

Welche Abstandsregeln gibt es?

In geschlossenen Räumen dürfen sich bis zu 50 Zuschauer aufhalten, bei Freilichtbühnen sind bis zu 100 Zuschauer erlaubt. Ehepaare oder Familien dürfen zusammensitzen, wie Thomas Schwarzer vom Deutschen Bühnenverein in Ingolstadt sagt. Ansonsten müssen Plätze zwischen Besuchern frei gehalten werden. In Kinos seien die Abstandsregeln ebenso einfach einzuhalten, sagt Negele. 

Zudem könnten Besucher nach der Vorführung beispielsweise über den Notausgang den Kinosaal verlassen, um nicht den Zuschauern zu begegnen, die nach ihnen in den Saal kommen.

Strenge Auflagen vermiesen das Geschäft

Für einige Kinos ist eine Öffnung unter den Auflagen nicht lohnenswert. (Symbolbild)
Für einige Kinos ist eine Öffnung unter den Auflagen nicht lohnenswert. (Symbolbild)  © Armin Weigel/dpa

Ist der Betrieb mit weniger Besuchern rentabel?

Wirtschaftlich rentabel sei der Spielbetrieb mit reduzierter Besucherzahl für die Bühnen "in keinster Weise", sagt Schwarzer. Deswegen hätten sich einige Theater entschlossen, in diesem Sommer gar nicht mehr zu öffnen - zum Beispiel die Staatstheater in Bamberg, Coburg, Nürnberg, Erlangen und Würzburg sowie viele private Theater. Einige Bühnen bieten ein Online-Programm an, die Staatsoper und das Residenztheater in München beispielsweise luden zuletzt Besucher zu Führungen oder Probenbesuchen ein.

Einige Kinos hätten bereits komplett dicht machen müssen, berichtet Negele. Wobei es hier zumeist so sei, dass es diesen Betrieben ohnehin schon schlecht ging und dann die Corona-Pause hinzukam. Um weitere Kinoschließungen zu vermeiden, fordert der Fachmann zügig staatliche Überbrückungshilfen.

Was bedeuten die Lockerungen für die Gastronomie im Kulturbetrieb?

Bar oder Café bleiben in Theatern geschlossen oder es werden alternativ nur Getränke in geschlossenen Flaschen verkauft, etwa kleine Wein- oder Sektflaschen, wie Schwarzer sagt. Zudem gebe es in einigen Schauspielhäusern die Überlegung, kürzere Stücke auszuwählen und diese ohne Unterbrechung zu spielen, so dass sich die Frage nach Pausengastronomie gar nicht erst stelle. Dann entfiele auch der sonst übliche Pausenandrang in den Toilettenbereichen.

In Kinos dürfe die Gastronomie wieder öffnen, besonders wichtig sei aber der Verkauf von Snacks, Süßwaren und Getränken zum Mitnehmen in den Kinosaal. "Kinos leben nicht vom Eintritt, sondern von Süßwaren."

Welche Filme zeigen die Kinos?

Eine Szene aus dem Eberhofer-Krimi "Grießnockerlaffäre".
Eine Szene aus dem Eberhofer-Krimi "Grießnockerlaffäre".  © Constantin Film/Bernd Schuller/BR/ARD/dpa

Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pause auf die Gestaltung des Programmes?

Weil auch auf der Bühne Abstand gehalten werden muss, könnten keine Stücke mit Gruppen- oder Massenszenen gespielt werden, sagt Schwarzer. Auch die Länge der Stücke sei ausschlaggebend - für den Fall, dass sich ein Haus entscheide, auf Pausen zu verzichten. Dann sollte das Stück nicht länger als 90 Minuten dauern.

Viele Kinos werden wohl zunächst Filme zeigen, die sie vor dem Corona-Lockdown im Programm hatten. Nach und nach folgen Neustarts wie der Agentenfilm "Tenet" mit Robert Pattinson. 

Wichtig wäre ein Start des "Kaiserschmarrndrama" nach dem Buch von Rita Falk. "Das ist wie ein bayerischer James Bond", sagt Negele, der ziehe die Menschen an. Das könnten die Kinos nach der Pause gut brauchen. Wenngleich er wegen der geringeren Besucherzahl pro Saal im Zweifelsfall in mehreren Sälen parallel gezeigt werden müsste, um genügend Sitzplätze anbieten zu können. Weswegen es dann insgesamt weniger Filme zur Auswahl geben werde.

Martin Moszkowicz, Chef der Produktionsfirma Constantin Film in München, hält es unter den aktuellen Vorgaben jedoch für nicht möglich, den Film wie geplant im August zu starten, daher werden Kinofans noch länger auf das "Kaiserschmarrndrama" warten müssen.

Was ändert sich an Schulen, Kitas und Universitäten?

Michael Piazolo (Freie Wähler), Kultusminister von Bayern.
Michael Piazolo (Freie Wähler), Kultusminister von Bayern.  © Sven Hoppe/dpa

Gibt es Tickets online oder auch an den Abendkassen?

Hier sind beide Varianten möglich. An vielen Abendkassen sitzen die Mitarbeiter ohnehin hinter Glaswänden, andere Häuser haben mit Plexiglas-Schutz nachgebessert.

Wie geht es in Universitäten und Hochschulen weiter?

Laut Staatsregierung ist der Vorlesungsbetrieb weiterhin vorrangig durch Online-Lehre sicherzustellen. Zusätzlich zur bereits bestehenden Möglichkeit, Präsenzveranstaltungen - etwa wenn Labor- oder Arbeitsräume benötigt werden - durchzuführen, können bei Einhaltung des Mindestabstands auch Seminare mit maximal 30 Teilnehmern durchgeführt werden.

Welche Lockerungen gibt es für Schulen und Kitas?

Laut Kultusministerium war vor den Pfingstferien rund die Hälfte aller Jahrgänge wieder an den Schulen, nun sollen dann alle Schüler wochenweise in die Schule gehen. Von Montag an sollen auch die Kinder zurück in die Kindergärten dürfen, die im Schuljahr 2021/22 schulpflichtig werden. 

Gleiches gilt für Kinder, die vor dem Übergang in den Kindergarten stehen - sie dürfen dann wieder in die Krippe gehen. Damit könnten rund 80 Prozent der Kinder wieder ihre Einrichtungen besuchen. Zum 1. Juli soll das allen möglich sein.

Deutschland öffnet die Grenzen

Ab dem 15. Juni wird an den Grenzen weitgehend wieder Normalbetrieb herrschen.
Ab dem 15. Juni wird an den Grenzen weitgehend wieder Normalbetrieb herrschen.  © Peter Kneffel/dpa

Was ändert sich beim Reisen und an den Grenzen?

Vom kommenden Dienstag an soll an den deutschen Landesgrenzen wieder weitgehend Normalbetrieb herrschen. EU-Bürger und Schweizer können dann wieder ungehindert, also ohne Kontrollen und ohne Quarantäne-Vorschriften, einreisen - von wenigen Ausnahmen abgesehen. So werden etwa die Kontrollen für Ausländer, die mit dem Flugzeug aus Spanien kommen, erst am 21. Juni enden. Allerdings waren die Grenzen etwa nach Österreich und Tschechien ohnehin schon offen.

Die Bundesregierung hat zudem die Reisewarnung für Touristen wegen der Corona-Pandemie für mehr als 160 Länder außerhalb der Europäischen Union bis zum 31. August verlängert. Für 29 europäische Länder - darunter 25 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, das gerade aus der EU ausgetretene Großbritannien und Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, die Schweiz und Liechtenstein - werden die Warnungen am Montag aufgehoben. Für Spanien und Norwegen erst später, weil dort noch Einreisesperren gelten. Inwiefern man die Folgen etwa an den Flughäfen oder Reisebüros bemerkt, bleibt abzuwarten.

Was könnte in Sachen Corona-Lockerungen sonst noch spannend werden?

Ab Montag gilt im gesamten bayerischen Landtag Maskenpflicht. Die AfD-Fraktion hat allerdings angekündigt, in ihren eigenen Büros und Arbeitsbereichen diese nicht umsetzen zu wollen. Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) kündigte an, sich weitere Schritte vorzubehalten.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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