Lob und Warnung: Maskenpflicht und längerer Lockdown erwartet

München - Wie in unserem TAG24-Bayern-Live-Ticker bereits mitgeteilt, gab Innenminister Markus Söder einen Überblick über die aktuelle Sachlage in Sachen Corona-Pandemie in Bayern.

Innenminister Söder bereitet die Bayern auf noch längere Maßnahmen vor. (Archiv)
Innenminister Söder bereitet die Bayern auf noch längere Maßnahmen vor. (Archiv)  © Matthias Balk/dpa

Im Kampf gegen das Coronavirus müssen sich die Menschen in Bayern möglicherweise noch auf länger andauernde Schulschließungen und Beschränkungen des öffentlichen Lebens einstellen. 

"Nach Ostern werden Perspektiven entwickelt und abgestimmt", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München

Er verwies aber explizit auf Österreich, das drei Wochen voraus sei: Dort würden viele Maßnahmen verlängert, Ausgangsbeschränkungen blieben, und auch die Schulen würden geschlossen bleiben.

Es werde nach Ostern nicht einfach so weitergehen wie bisher, sagte Söder. Man dürfe die Dinge nicht zu frühzeitig lockern, sondern müsse in Stufen vorgehen.

Dabei deutete Söder nicht nur an, dass etwa Gaststätten noch länger geschlossen bleiben könnten. Er brachte auch einen Stufenplan für Schulen ins Gespräch, im Rahmen dessen man beispielsweise anders mit Abschlussklassen umgehen könnte als mit Grundschülern.

Eine Maskenpflicht gilt als hochwahrscheinlich

Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) thematisierte unter anderem den Materialmangel für Schutzausrüstungen. (Archiv)
Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) thematisierte unter anderem den Materialmangel für Schutzausrüstungen. (Archiv)  © Matthias Balk/dpa

Zudem erwarte Söder (CSU) im Zuge der Corona-Krise eine Maskenpflicht. "Natürlich wird es am Ende eine Form von Maskenverpflichtung geben", sagte er. Dies sehe er als hochwahrscheinlich an.

In jedem zehnten Alten- oder Pflegeheim in Bayern wurden bereits Bewohner oder Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Daher sei die Hilfe in den Bereichen derzeit besonders wichtig, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Dienstag in München.

Zur Beratung der Einrichtungen sei die Taskforce daher um 100 zusätzliche Personen aufgestockt worden. Auch in den Pflegeeinrichtungen müssten die Infektionsketten unterbrochen werden. Dafür seien bisweilen auch Verlegungen nötig.

Generell gebe es noch immer in vielen Einrichtungen einen akuten Materialmangel bei Schutzausrüstungen. Dies sei in der Pflege besonders dramatisch, da die Mitarbeiter auch in der Corona-Krise ganz nah an die Patienten heran müssten. Um die Lage in den Heimen zu verbessern, sei es dringend notwendig, "noch strenger drauf zu schauen".

Positiver Trend in Bayern setzt sich fort

Erstmals fand eine Kabinettssitzung per Videokonferenz statt.
Erstmals fand eine Kabinettssitzung per Videokonferenz statt.  © Peter Kneffel/dpa

Markus Söder sieht weitere Fortschritte im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. "Der positive Trend in Bayern der letzten Tage, der setzt sich glücklicherweise fort", sagte er nach der ersten Kabinettssitzung in München, die per Videokonferenz abgehalten wurde.

Binnen eines Tages habe es nun ein Plus bei den Infektionen von 4,8 Prozent gegeben, die Verdopplungszeit liege nun bei 8,6 Tagen. Das waren am Freitag noch gut 6 Tage gewesen.

Die Maßnahmen in Deutschland und Bayern wirkten, sagte Söder. Er warnte aber: "Wir sind noch lange nicht über den Berg." Man müsse nach wie vor vorsichtig und umsichtig sein. Wenn der Trend so bleibe, könne man aber zuversichtlicher in die Zukunft schauen. Die bayerische Regierung plane inzwischen die Produktion von Beatmungsgeräten im Land. 

Falls die vorhandenen Kapazitäten im Zuge der Krise nicht ausreichten, wolle man so weit sein, Produkte aus heimischer Produktion anbieten zu können, sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Diese Geräte müssten dann aber natürlich noch zertifiziert werden.

"Wäschekörbeweise" kamen die Anträge um Soforthilfe

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gab einen Überblick über die wirtschaftliche Situation. (Archiv)
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gab einen Überblick über die wirtschaftliche Situation. (Archiv)  © Armin Weigel/dpa

Zudem sei man dabei, die Produktion von Atemschutzmasken massiv auszubauen und diese aus China zu importieren. Auch die Versorgung mit Desinfektionsmitteln werde vorangetrieben. 

In der laufenden Woche würden 250.000 Liter Handdesinfektionsmittel ausgeliefert, in der kommenden weitere 900.000 Liter, sagte Aiwanger.

Der Minister warb um Geduld. Es sei nicht einfach, diese Produktionen umzustellen und die nötigen Logistikketten aufzubauen. Insgesamt sei man aber nicht in einem massiven Engpass.

All diese Maßnahmen würden den Freistaat "eine Stange Geld kosten", sagte Aiwanger. Er sei aber der Überzeugung, dass man nur mit dieser Infrastruktur im Rücken über Lockerungen der geltenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens nachdenken könne. Die Soforthilfen für die von der Krise betroffenen Unternehmen wurden laut Aiwanger inzwischen rund 300.000 Mal beantragt. Das Volumen liege bei zwei Milliarden Euro, von denen ein Viertel bereits ausgezahlt sei.

Man habe "wäschekörbeweise" Anträge bekommen, die abgearbeitet werden müssten. Dabei werde beispielsweise geprüft, ob es die Unternehmen überhaupt gebe, sagte Aiwanger. Deswegen bitte er um ein paar Tage Geduld.

Als Ergänzung zu den Hilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssten, gebe es nun auch Sofortkredite. Dadurch, dass bei ihnen der Staat zu 100 Prozent bürge, könnten sie sehr schnell ausgezahlt werden - auch in Fällen, in denen die Hausbank bisher gezögert habe. Insgesamt pumpe Bayern Milliarden Euro an Steuergeldern ins System, damit der "Patient Wirtschaft" am Leben bleibe.

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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