Taser auf Betäubung: Bayerische Polizei wird mit Elektroschockern ausgerüstet

München - Normale Streifenpolizisten sollen in Bayern vorerst weiterhin nicht mit Elektroschockern ausgestattet werden. 

Strom statt Kugel: Einige Polizisten werden 2021 mit Tasern ausgestattet. (Archiv)
Strom statt Kugel: Einige Polizisten werden 2021 mit Tasern ausgestattet. (Archiv)  © Oliver Dietze/dpa

Ab 2021 erhalten aber landesweit alle Unterstützungskommandos und alle "geschlossenen Einsatzeinheiten" im Freistaat die sogenannten Distanz-Elektroimpulsgeräte, kurz "Deig", sagte Innenminister Joachim Herrmann (64, CSU) am Mittwoch im Innenausschuss des Landtags in München. Das betreffe rund 30 Einheiten. 

Die Anschaffung der umgangssprachlich auch Taser genannten Waffen solle ab Anfang des kommenden Jahres erfolgen und landesweit auf die Einheiten verteilt werden.

Seit 2019 wurden in Bayern "Deig" getestet, seit 2006 nutzen ihn zudem bereits Spezialkommandos. 32 Mal sei das Deig eingesetzt worden, in davon 29 Fällen habe es zu einer erfolgreichen Bewältigung der Einsatzlage beigetragen, sagte Herrmann. 27 Mal habe bereits die Androhung ausgereicht, nur fünfmal hätten die Elektroden-Pfeile verschossen werden müssen. In vier Fällen sei es dabei zu leichten Verletzungen der Haut bei den Betroffenen gekommen.

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Im Pilotprojekt habe sich "bewährt, dass 'Deig' nur in Teams von vier Einsatzkräften genutzt werden", sagte Herrmann. Alle Polizisten müssten hierfür eine besondere Ausbildung absolvieren. Derzeit verfügt Bayerns Polizei über 56 dieser Taser - sie sind verteilt auf die Spezialeinsatzkommandos und die Teilnehmer des Pilotprojekts. Wie viele Geräte konkret angeschafft werden sollen, ist noch offen.

Im Innenausschuss sprachen sich die Fraktionen mehrheitlich für die geplante Ausweitung der Elektroschocker aus. Kritik kam insbesondere von den Grünen, sie monierten, dass die gesundheitlichen Risiken noch nicht ausreichend untersucht seien. 

Der Hinweis, dass "Deig" bei Kindern, Schwangeren und Menschen mit einer bekannten Vorerkrankung des Herz-Kreislaufsystems nicht genutzt werden dürften, reiche nicht aus, da die Beamten dies im Zweifelsfall nicht erkennen könnten.

Titelfoto: Oliver Dietze/dpa

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