Behandlung verweigern? Hier wird besondere Einrichtung für Tuberkulose-Patienten gebaut

Kutzenberg - Patienten mit Tuberkulose, die sich jedoch weder behandeln lassen noch selbst isolieren wollen, können in Deutschland per Gerichtsbeschluss in eine geschlossene Einrichtung gebracht werden.

Tuberkulose wird durch Bakterien ausgelöst, die vor allem die Lunge befallen. (Symbolbild)
Tuberkulose wird durch Bakterien ausgelöst, die vor allem die Lunge befallen. (Symbolbild)  © Gregor Fischer/dpa

Im Landkreis Lichtenfels in Bayern entsteht derzeit eine bundesweit einmalige Einrichtung.

Es wird eine Station für Tuberkulose-Patienten gebaut, die sich eigentlich nicht behandeln lassen wollen, wegen der Ansteckungsgefahr aber dort per Gerichtsbeschluss eingewiesen werden. 2022 soll sie eröffnen, Platz ist für bis zu 24 Patientinnen und Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet.

Der Neubau kostet rund sieben Millionen Euro.

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Es gebe in Deutschland Menschen, die an Tuberkulose erkranken, allerdings eine Behandlung ablehnen würden, erläuterte ein Sprecher der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken (GeBO). Um zu verhindern, dass sie andere anstecken, aber zugleich auch selbst behandelt werden können, brauche es diese Einrichtung.

Die Unterbringung erfolge dann aufgrund des Infektionsschutzgesetzes. Viele Betroffene würden zudem auch an einer psychischen Störung leiden und bräuchten auch in diesem Bereich Hilfe.

Eine solche Einrichtung gab es bislang in Parsberg in der Oberpfalz.

Doch der Bezirk Oberpfalz führt die Lungenheilkunde an dem entsprechenden Standort nicht weiter fort. Deshalb soll es die einzige geschlossene Tuberkulose-Station in Deutschland nun künftig im Klinikum Obermain in Kutzenberg nahe Lichtenfels geben, wo seit vielen Jahrzehnten Patienten mit Lungenerkrankungen behandelt werden.

Spezielles Sicherheitskonzept mit Videoüberwachung und Bewegungsmeldern

Tuberkulose wird durch Bakterien ausgelöst, die vor allem die Lunge befallen. Die Erreger werden durch Tröpfchen, die beim Husten oder Niesen freigesetzt werden, übertragen. 2020 registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) 4127 Fälle.

Das seien 14,2 Prozent weniger als im Vorjahr, heißt es im Epidemiologischen Bulletin, das das RKI 2021 über die Erkrankung veröffentlicht hat. Im Jahr 2010 waren 4330 Fälle bekannt geworden. Weltweit erkranken demnach jährlich etwa 10 Millionen Menschen neu an Tuberkulose. 1,4 Millionen verstarben 2019 direkt an der Krankheit oder an den Folgen.

Für das neue Gebäude in Kutzenberg gibt es ein spezielles Sicherheitskonzept mit Videoüberwachung und Bewegungsmeldern, unter anderem befindet sich um das Gebäude herum auch eine vier Meter hohe Mauer. Eine Tuberkulose-Behandlung dauert mehrere Monate an. Unbehandelt kann eine Infektion tödlich enden.

Titelfoto: Gregor Fischer/dpa

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