Corona-Pandemie: Studien zeigen Zunahme von Depressionen und Angstsymptomen

München - Ob Alt oder Jung: Die Corona-Pandemie hat sich auf die psychische Verfassung vieler Menschen in Bayern ausgewirkt. "Bereits die Sorge vor einer Coronainfektion kann zu psychischen Beeinträchtigungen führen", heißt es im ersten Bayerischen Psychiatriebericht des Gesundheitsministeriums.

Laut ersten Studien zeigen auch junge Erwachsene seit dem Start der ständigen (Teil-)Einschränkungen vermehrt Trauer und Depression. (Symbolbild)
Laut ersten Studien zeigen auch junge Erwachsene seit dem Start der ständigen (Teil-)Einschränkungen vermehrt Trauer und Depression. (Symbolbild)  © 123rf/silverkblack

Viele litten unter den Folgen der Isolation im Lockdown und der sozialen Distanz. Hinzu kämen wirtschaftliche Unsicherheit, materielle Notlagen, Existenzängste oder Perspektivlosigkeit. Studien zeigten eine Zunahme von Depressionen und Angstsymptomen in der Bevölkerung.

"Weitere psychische Folgen der Pandemie und des Lockdowns können posttraumatischer Stress, Verwirrung, Niedergeschlagenheit, Wut und Ärger sowie Schlafbeschwerden sein." Zudem fühlten sich viele Menschen einsam - ein Risikofaktor für seelische Erkrankungen.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 waren vor allem Menschen in den Heimen und ihre Angehörigen durch die Besuchsverbote psychisch stark belastet.

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Spätestens der zweite Lockdown im Spätherbst 2020 habe dann insgesamt zu einer stärkeren psychischen Belastung der Bevölkerung auch in jüngeren Altersgruppen geführt, hieß es - auch wenn die Studienlage teils noch nicht eindeutig sei.

Vor allem Kinder, Jugendliche und Senioren seien besonders betroffen.

Kinder von fehlenden Kontakten und Sportmöglichkeiten getroffen

Vor allem Kinder und Jugendliche leiden seit Beginn der Corona-Maßnahmen offenbar verstärkt unter psychischen Belastung. (Symbolbild)
Vor allem Kinder und Jugendliche leiden seit Beginn der Corona-Maßnahmen offenbar verstärkt unter psychischen Belastung. (Symbolbild)  © 123rf/serezniy

Aber auch Menschen mit psychischen Vorerkrankungen, einer überstandenen Covid-19-Infektion oder medizinisches Personal habe vermehrt mit seelischen Problemen zu kämpfen.

In der Folge greife mancher offenbar häufiger zu legalen oder illegalen Drogen, hieß es. Auch bei Glücksspielen und krankhafter Internetnutzung habe sich die Suchtgefährdung wohl erhöht.

Auf der anderen Seite habe die Pandemie manche Menschen auch stärker gemacht, weil sie an der Krise gewachsen seien und ihre Beziehungen zu anderen Menschen verbessert hätten.

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Kinder und Jugendliche reagierten jedoch verstärkt mit Angst und Depressionen auf Schulschließungen, die Verringerung sozialer Kontakte und dem Wegfall von Hobby- und Sportmöglichkeiten. Auch junge Erwachsene zeigten vermehrt Trauer und Depression.

Ältere Menschen sollten durch strikte Vorschriften besonders geschützt werden, litten dadurch aber auch besonders stark unter Isolation, Einsamkeit und Perspektivlosigkeit.

Für über 75-Jährige sei die Angst vor einer Infektion teils regelrecht zu einer Todesangst geworden, hieß es: "Die Betroffenen können sich oftmals niemandem mitteilen und quälen sich mit der Erwartung, wegen Corona allein zu sterben."

Besonders stark von den negativen Auswirkungen der Schutzmaßnahmen betroffen seien Menschen in Pflegeheimen.

Long-Covid kann bei Genesenen für psychische Probleme sorgen

Auch Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung durchstanden haben, sind vermehrt betroffen: Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass das Virus im Zuge der Infektion neurologische und neuropsychiatrische Komplikationen wie Angststörungen, Depression, Vergesslichkeit und Delirium verursachen kann - und das noch nach Monaten.

Nach den Daten des Robert Koch-Instituts zeigen etwas mehr als 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen und 28 Prozent der Erwachsenen in Deutschland psychische Auffälligkeiten oder Störungen.

Titelfoto: 123rf/serezniy

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