Debatte um Staatsvorrat bei Grippe-Impfstoff: Kritik von Ärztekammer

München - Die Debatte um den bayerischen Vorrat von mehr als einer halben Million Grippe-Impfdosen geht weiter. Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Gerald Quitterer, kritisierte das Vorgehen der Staatsregierung.

Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Gerald Quitterer, kritisiert die Staatsregierung. (Archiv)
Der Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, Gerald Quitterer, kritisiert die Staatsregierung. (Archiv)  © Bayerische Landesärztekammer/dpa

"Es kann nicht sein, dass die Bayerische Staatsregierung zum Impfstofflager wird und dass auf diese Weise Grippeimpfstoff nicht in den sonst üblichen Vertrieb gelangt und damit der Ärzteschaft nicht zur Verfügung steht", sagte Quitterer am Montag.

Das Gesundheitsministerium wies die Kritik zurück. Der Freistaat habe die 550.000 Grippe-Impfdosen zusätzlich gekauft, als die Ärzte ihre Bestellungen bereits getätigt hatten, betonte eine Sprecherin.

"Dadurch haben wir es geschafft, dass zusätzlicher Impfstoff für die bayerischen Bürgerinnen und Bürger in großer Menge zur Verfügung steht – und das kann niemand ernsthaft kritisieren. Der Impfstoff wurde ja gerade für den Fall beschafft, dass es zu einer Knappheit bei Grippeimpfstoffen kommt."

Laut Ärzteschaft ist aber der Impfstoff schon knapp. "Wir müssen Patientinnen und Patienten vertrösten, während Impfstoff zur Reserve gelagert wird, was immer man unter Reserve verstehen mag, wenn die Knappheit in unseren Praxen schon offensichtlich ist", sagte Quitterer.

"Seit Wochen warnen wir, dass der vorbestellte Grippeimpfstoff bereits verimpft ist beziehungsweise knapp wird und wir am Markt keinen Nachschub mehr erhalten."

550.000 Grippe-Impfdosen auf Reserve gelagert

Die Auslieferung der Impfdosen in Bayern sei laut Ministerium noch nicht abgeschlossen. (Symbolbild)
Die Auslieferung der Impfdosen in Bayern sei laut Ministerium noch nicht abgeschlossen. (Symbolbild)  © Kristin Schmidt

Bereits der Bayerische Ärztetag habe Anfang Oktober auf die Problematik aufmerksam gemacht - und auf die Impfappelle von Gesundheitspolitikern verwiesen. Auch das bayerische Gesundheitsministerium habe zur Impfung aufgerufen.

Die Ministeriumssprecherin verwies darauf, dass die Grippe-Impfsaison noch in vollem Gange sei. Die Auslieferung weiterer Impfdosen in Bayern laufe noch und sei keineswegs abgeschlossen.

"Der Prozess, dass die Grippeimpfstoffe nicht auf einmal ausgeliefert werden, sondern sich die Auslieferung schrittweise über den Herbst und auch den Winter erstreckt, ist durchaus üblich. Auch in den vergangenen Jahren wurde ebenso verfahren."

Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Freistaat 550.000 Grippe-Impfdosen als Reserve angeschafft hat, die derzeit noch auf Lager liegen. Laut Gesundheitsministerium wird nun die Verteilung geklärt.

Seit dem vergangenen Mittwoch laufe über die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) eine Abfrage bei den Ärzten, wie viele Grippe-Impfstoff-Dosen sie noch für ihre Patienten benötigten.

Titelfoto: Kristin Schmidt

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