Dicke Luft in "Pups" und drastische Maßnahme in "Fucking": Wenn Ortsschilder zur Beute werden

Starnberg/Kotzheim/Fugging - Manche müssen bei der Durchfahrt grinsen, andere halten an, um ein Foto zu schießen und wiederum andere entdecken ihre kriminelle Seite: Orte wie Petting, Tittenkofen oder Kotzheim sind eine gerngesehene Ablenkung an grauen Straßen auf langen Autofahrten in Bayern.

Das ehemalige "Fucking" in Oberösterreich, heißt mittlerweile Fugging. Die Ortsschilder wanderten in ein Museum.
Das ehemalige "Fucking" in Oberösterreich, heißt mittlerweile Fugging. Die Ortsschilder wanderten in ein Museum.  © Manfred Fesl/epa/dpa

Im Internet gibt es zahlreiche Seiten, auf denen lustigste Ortsnamen zusammengestellt sind. Das führt so manchen Langfinger in Versuchung, die eigenen vier Wände mit Ortsschildern zu dekorieren.

Doch auch Städte wie Starnberg werden immer wieder Opfer von Schilderdieben - so wie vor einigen Wochen, als dort vier Schilder in die Hände von Dieben geraten waren. Nach ihnen wird noch immer gesucht, sagt Polizeisprecher Kai Motschmann.

Gestohlene Ortsschilder sind ein altes Phänomen. "Diese berühmten "Freistaat-Bayern-Schilder" wurden ja schon in den Siebzigern geklaut", erinnert sich Wilfried Schober, Pressesprecher des bayerischen Gemeindetags.

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"Für die Gemeinde selbst ist das nicht lustig und eben auch teuer und ärgerlich." Ein Ortsschild zu ersetzen kann eine Ortschaft neben Zeit auch gut 2000 Euro kosten. Für so manche Gemeinde eine beträchtliche Summe.

Im oberpfälzischen Kotzheim wurden ebenfalls immer wieder Ortsschilder geklaut. Nach zwei Diebstählen hat man die Schrauben des Schilds verschweißt. Aufgehalten hat das den letzten Täter allerdings nicht.

Kurzerhand wurde der gesamte Ständer abgesägt, um an das Objekt der Begierde zu kommen.

"Pups" verzichtet nach Diebstählen auf Schild

Das Ortsschild des Ortsteils Kotzheim in Ursensollen ist bei Dieben heiß begehrt.
Das Ortsschild des Ortsteils Kotzheim in Ursensollen ist bei Dieben heiß begehrt.  © Peter Kneffel/dpa+Nicolas Armer/dpa (Montage)

"Das muss dann wirklich etwas ganz Besonderes sein", sagt Alfred Stich, zwischen Belustigung und Fassungslosigkeit schwankend. Der Bauhofleiter muss immer wieder zum Ortsausgang, wenn ein gelbes Schild einen weiteren Partykeller schmückt.

"Dass die da wirklich hinfahren, weil sie es im Internet entdeckt haben und sich die Mühe machen, das Ding abzusägen", führt bei ihm zu Unverständnis.

Rund drei Autostunden weiter südlich in Pups hat man genug. Das Schild an der Auffahrt zu einem Landwirtschaftsbetrieb der Gemeinde Feldkirchen-Westerham im Landkreis Rosenheim sorgt im Ort für dicke Luft.

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Nach zahlreichen Diebstählen hat man sich entschlossen, den Ortshinweis nicht mehr aufzustellen, wie Bürgermeister Hans Schaberl bestätigt. Ein Luxus, den man in einer Ortschaft nicht hat.

"Sie ist praktisch auch verantwortlich für die Bezeichnung ihres Ortes auf der Straße", erklärt Gemeindetagssprecher Schober. Das bringt die Gemeinden in Zugzwang.

"Wenn es eben so massiv ist, dass es so ins Geld geht über Jahre, dann ist es sogar ratsam, dass man da den Namen ändert."

Österreichisches "Fucking" ergreift drastische Maßnahme

So geschehen im beschaulichen oberösterreichischen Fucking, an der Grenze zu Bayern. Die kleine Ortschaft wurde das Ziel von internationaler Häme und Opfer von Schilderdieben.

"12 oder 13 Ortstafeln wurden uns schon gestohlen. Mittlerweile haben wir sie aber einbetoniert, angeschweißt und vernietet", wird der damalige Bürgermeister der Gemeinde Tarsdorf, Franz Meindl, vor einigen Jahren noch in einem Beitrag des Österreichischen Rundfunks zitiert.

Genützt hat das wenig. Zum 1. Januar 2021 gab man dem Druck nach und machte aus Fucking Fugging. Gemeindetagssprecher Schober merkt an: "Dann ist halt der Gag weg."

Die Umbenennung dürfte dabei die nervenschonendere Variante zum geklauten Lacher sein.

Titelfoto: Bildmontage: Manfred Fesl/epa/dpa, Nicolas Armer/dpa

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