"Führerhaus"-Aufkleber sorgt für Eklat um Stadtrat

Schönsee - Hätte Bernhard Wild auch nur im entferntesten geahnt, was dieser Scherz für Konsequenzen hat, sicher hätte er ihn nicht gemacht.

Der 50-Jährige entschuldigte sich auf der Homepage der "Bürgerliste Miteinander".
Der 50-Jährige entschuldigte sich auf der Homepage der "Bürgerliste Miteinander".  © Screenshot/miteinander-schönsee.de

Denn genau das sollte es sein. Ein Scherz. Zwar mit einem bitterbösen Augenzwinkern, doch damit wäre er bei Weitem kein Einzelfall gewesen.

Der 50-Jährige frisch gewählte Schönseer Stadtrat ist Polier einer Baufirma aus dem Landkreis Schwandorf.

Und an einem der Fahrzeuge hatte Stadtrat Wild einen Aufkleber angebracht, den er zu diesem Zeitpunkt offenbar für eine ganz witzige Idee hielt: "Führerhaus - Fahrer spricht Deutsch" ist darauf zu lesen.

Diese Aufkleber sind kein Novum. Schon seit vielen Jahren findet man diese an zahlreichen Zugmaschinen. 

Und im Grunde ist es objektiv gesehen auch kein Grund, sich darüber aufzuregen. Wäre da nicht das Schriftdesign.

Denn die dafür verwendete altdeutsche Frakturschrift in Kombination mit den beiden Schlagwörtern "Führer-" und "Deutsch" spielt durchaus an die Zeit bis 1941 an, als die Nationalsozialisten dieses Schriftbild verwendeten. Dies zu leugnen, wäre schlichtweg falsch. Genau so verkehrt, wie Bernhard Wild wegen dieses Scherzes als Rassisten zu bezeichnen.

Unüberlegtes Handeln zu einer Zeit, in der die Rassismus-Debatte hoch kocht, kann man ihm vorwerfen. Doch mehr auch nicht. Und Wild, der in seiner Freizeit als Feuerwehrmann sich ohnehin dem Schutz der Menschen verschrieben hat, sieht diesen Fauxpas auch ein und veröffentlicht eine Stellungnahme.

Facebook-User fordern die Kündigung

Einen derartigen Schriftzug in 15x30cm Größe hatte Wild an einem Fahrzeug angebracht. (Symbolbild)
Einen derartigen Schriftzug in 15x30cm Größe hatte Wild an einem Fahrzeug angebracht. (Symbolbild)  © Schimpfhauser/privat

"Diesen Aufkleber zu verwenden war ein ganz klares Fehlverhalten, das mir Leid tut. Obwohl meine Absichten nicht gehässiger Natur waren, habe ich bewusst fahrlässig mit der Doppeldeutigkeit des Begriffes Führerhaus gespielt", schreibt er auf der Internetseite der "Bürgerliste Miteinander", für die er in den Stadtrat gezogen ist.

"Was von mir unbedarft als schlechter Scherz gesehen wurde, sehe ich aufgrund mehrer ernster und langer Gespräche über das Thema in den letzten Tagen als klares Fehlverhalten, von dem ich mich hiermit gründlich distanziere", gesteht er weiter. Toleranz gegenüber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit finge schließlich im Kleinen an und das habe er damit unterstützt.

Auch sein Arbeitgeber schrieb auf Facebook eine Stellungnahme: "Wir möchten Ihnen aus gegebenen Anlass umgehend und in aller Deutlichkeit mitteilen, dass wir uns von jeglichem rechten Gedankengut aufs Schärfste distanzieren." 

Und das Unternehmen teilt zudem mit: "Der Schriftzug auf dem Fahrzeug wurde sofort entfernt. Er widersprach in jeglicher Hinsicht unserer Firmenphilosophie."

Laut Informationen der "Mittelbayerischen Zeitung" hat eine Facebook-Nutzerin auf diesen Aufkleber aufmerksam gemacht und sowohl den Stadtrat als auch seinen Arbeitgeber kritisiert. 

Mehrere User verlangen seit dem Bekanntwerden, dass das Neunburger Unternehmen Wild entlassen solle. Andere stehen hinter der Firma und dem Stadtrat und akzeptieren die Entschuldigung und sehen das Ganze als das, was es allem Anschein auch war: ein schlechter Scherz.

Titelfoto: Schimpfhauser/privat

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