Beginnt jetzt das Sterben? Jeder vierte Gastro-Chef denkt konkret ans Aufgeben

München - Die Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen weltweit verändert. So auch in Deutschland. Im Bereich Wirtschaft gibt es jedoch große Unterschiede.

Konzepte entwickelt, um geschlossen zu werden? Die Gastronomie wurde hart von den Maßnahmen getroffen. (Archiv)
Konzepte entwickelt, um geschlossen zu werden? Die Gastronomie wurde hart von den Maßnahmen getroffen. (Archiv)  © Angelika Warmuth/dpa

Während manche Unternehmenszweige beinahe unbeschadet durch die immer noch andauernde Pandemie-Zeit zu schlittern scheinen, trifft es andere umso härter.

Besonders Hoteliers und Gastronomen haben aufgrund der enormen gesetzlichen Einschränkungen im Freizeit-Bereich mit extremen Sorgen zu kämpfen.

"Drei Viertel (74,3 Prozent) aller befragten Hoteliers und Gastronomen sehen laut einer aktuellen Umfrage ihren Betrieb durch die Corona-Krise in seiner Existenz gefährdet, und ein knappes Viertel (24,0 Prozent) zieht trotz ausgesetzter Insolvenzantragspflicht bereits konkret eine Betriebsaufgabe in Erwägung", heißt es in einer Mitteilung des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern e.V.

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Das ist das Resultat aus einer Umfrage, an der 1380 gastgewerbliche Unternehmer im gesamten Freistaat teilgenommen haben.

Zwar versuche die Branche laut Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer, mit "Zuversicht in das zweite Corona-Jahr zu schauen", doch durch die erneuten Einschränkungen und Verlängerungen des sogenannten Lockdowns nehme "in weiten Teilen des Gastgewerbes die Verzweiflung und auch die Existenzangst überhand".

Obergrenzen kein Maßstab für Krisenzeiten

Die Gastronomie bietet nicht nur Freizeitgestaltung - sondern auch Tausende Arbeitsplätze. (Archiv)
Die Gastronomie bietet nicht nur Freizeitgestaltung - sondern auch Tausende Arbeitsplätze. (Archiv)  © Jörg Carstensen/dpa

Bayerns DEHOGA-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert stellt daher klare Forderungen an die Politik: "Der Lockdown kann nicht ewig ohne eine echte Perspektive verlängert werden", so seine Prognose. "Wir erwarten Planbarkeit und Verlässlichkeit politischer Entscheidungen."

Zudem übt Geppert harsche Kritik an der beihilferechtlich zulässigen Höchstgrenze, die durch den EU-Beihilferahmen beschlossen und in der aktuellen Situation nicht ausgesetzt wurden: "Die in Zeiten wirtschaftlichen Wohlstandes gesetzten Obergrenzen können nicht Maßstab inmitten der schlimmsten Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges sein."

Er fordert eine deutliche Erhöhung der Summe von einer auf fünf Millionen Euro. "Zudem brauchen wir einen bayerischen Sonderfonds für Härtefälle, die unverschuldet in Not geraten sind und bislang durch jegliches Raster fallen", fügt Inselkammer hinzu, "denn ohne finanzielle Hilfen können Arbeitsplätze und Strukturen nicht erhalten werden".

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Doch nicht nur jetzt besteht laut DEHOGA dringender Handlungsbedarf, auch für die Zukunft müsse es klare Starthilfen geben. So müsse laut Angela Inselkammer bei den anstehenden Lockerungen das Gastgewerbe von Beginn an mit eingeschlossen sein.

"Pandemiebekämpfung und ein offenes Gastgewerbe mit Hygienekonzepten stehen nicht im Widerspruch. Wir sind Teil der Lösung und nicht Teil des Problems", unterstreicht sie. "Durchstarten kann das Gastgewerbe nur mit einem reduzierten Umsatzsteuersatz. Dieser muss entfristet werden und Getränke einschließen."

Titelfoto: Angelika Warmuth/dpa

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