Corona-Vorwürfe aus dem ältesten Wirtshaus der Welt: "Dieses Konzept ist schlecht durchdacht!"

Eilsbrunn - Es hat Weltwirtschaftskrisen, Weltkriege und Krankheiten überstanden. Doch Corona setzt dem laut Guinness-Buch "Ältesten Wirtshaus der Welt", der Gaststätte Röhrl im Landkreis Regensburg, schwer zu.

Gastwirt Muk Röhrl (37) fühlt sich und seine Kollegen von der Staatsregierung unfair behandelt.
Gastwirt Muk Röhrl (37) fühlt sich und seine Kollegen von der Staatsregierung unfair behandelt.  © Gaststätte Röhrl / privat

Wobei die Pandemie an sich noch gar nicht der schlimmste Faktor wäre. "Meine Vorwürfe richten sich vor allem gegen die aktuell einseitige Politik", sagt Muk Röhrl (37) im Gespräch mit TAG24.

Er leitet den Familienbetrieb in elfter Generation und zeigt für die Maßnahmen im Frühjahr noch durchaus Verständnis: "Sars-CoV-2 war etwas Neues, etwas Unbekanntes. Da muss man natürlich zum Wohle der Bevölkerung manchmal schnell und umfassend reagieren. Sonst kann das im schlimmsten Fall böse enden. Doch inzwischen weiß man mehr und vor allem: Man hatte Zeit für bessere Konzepte."

Schon im Sommer rechnete die Politik damit, dass im Spätherbst die Infektionszahlen wieder nach oben gehen könnten. Doch statt sich entsprechende faire Konzepte für alle Branchen zu überlegen, seien nun im sogenannten Wellenbrecher-Lockdown im November vor allem Kunst und Gastronomie die Leidtragenden.

"Während wir peinlich genau mitschreiben müssen, wer wann wie lange bei uns sein Brezenschnitzel isst, sind Einkaufszentren und ÖPNV von dieser Registrierungspflicht völlig befreit. Aber die bleiben nun weiter im Einsatz - während die Restaurants und Hotels schließen müssen. Dieses Konzept ist - vor allem angesichts der Vorlaufzeit - schlecht durchdacht", so der 37-jährige Gastronom. 

Als Sprecher der jungen Gastgeber des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Bayern e.V. möchte er seine Kollegen und auch die potenziellen Gäste ermutigen, seiner Zunft mehr Gehör in der Politik zu verleihen: "Eine entsprechende Petition ist bereits online. Je schneller wir die nötigen Unterschriften haben, desto schneller können wir ein Signal setzen." Gut 200 Unterzeichner fehlen noch (Stand: 9. November, 12 Uhr).

Doch Röhrl erhebt nicht nur Vorwürfe, sondern bringt auch Lösungsansätze mit ein, die für alle Bereiche einen fairen Mittelweg liefern könnten.

Eröffnung zum Weihnachtsgeschäft: "Damit rechne ich nicht mehr"

Die Gaststätte Röhrl in Eilsbrunn: Seit 1658 hat das Wirtshaus durchgehend warme Küche. (Archiv)
Die Gaststätte Röhrl in Eilsbrunn: Seit 1658 hat das Wirtshaus durchgehend warme Küche. (Archiv)  © JNM / CC BY 3.0

Er verweist auf Projekte wie "darfichrein.de", eine digitale Registrierungsoption, für die auch Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach (35, CSU) als Schirmherrin Pate steht. "Damit können sich Menschen, egal ob im Hörsaal, im Restaurant oder bei einer Veranstaltung registrieren", bewirbt das entsprechende Bayerische Staatsministerium auf seiner Internetseite diese Online-Lösung.

Die Hacker-Experten des Chaos Computerclubs (CCC) deckten zwar bereits Sicherheitslücken in der darfichrein.de-Plattform auf, wie es in einem entsprechenden Bericht des CCC hieß, diese wurden aber laut eines Berichts von heise.de innerhalb von 24 Stunden wieder geschlossen. 

Das Prinzip dabei ist denkbar einfach. Über eine Internetseite - und somit für jedes Smartphone nutzbar - registrieren sich die Besucher. Die Unternehmen - egal ob Restaurant, Disco, Bus, Einkaufsladen, Eisdiele - haben am Eingang einen QR-Code. Mit dem Handy wird dieser beim Besuch abgescannt. Fertig. 

Die Registrierungsdaten liegen nun dem Unternehmen verschlüsselt vor. Kein zigfaches Zettelausfüllen, keine Fake-Namen, keine Lücken in der Kontaktnachverfolgung. Allerdings ignoriert die Politik ein solches System als klare Umsetzungsoption bislang für sämtliche Bereiche. 

Muk Röhrl fühlt sich von der Politik zwar nicht völlig alleingelassen, allerdings sehr benachteiligt: "Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ist für uns Gastronomen ein wichtiges Sprachrohr. Und er setzt sich auch extrem für uns ein", so der Gastwirt. "Aber am Ende kann auch er nicht abschließend entscheiden. Der Gesundheitsschutz hat nun mal Priorität." 

Ob das älteste Wirtshaus der Welt mit seinen über 360 Jahren heuer nochmal öffnet, wagt Röhrl zu bezweifeln: "Damit rechne ich leider nicht mehr." Und die Zeichen stehen offenbar schlecht. Am Montagvormittag verkündete die Plattform ntv.de, dass die aktuellen Maßnahmen weiter verschärft werden könnten. Man beziehe sich dabei auf Informationen aus Regierungskreisen.

Titelfoto: Montage: Gaststätte Röhrl / privat + JNM / CC BY 3.0

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