Gewerkschaften Gehör verschaffen: DGB-Chef kündigt Ende der Zurückhaltung an

Passau - Der bayerische DGB-Chef Bernhard Stiedl (51) will bei den kommenden Tarifverhandlungen offensiv vorgehen.

Der bayerische DGB-Chef Bernhard Stiedl (51) unterstützt die Bundesregierung bei der Gas-Debatte.
Der bayerische DGB-Chef Bernhard Stiedl (51) unterstützt die Bundesregierung bei der Gas-Debatte.  © Werner Bachmeier/DGB Bayern/dpa

"Ich sage es ganz offen: Wir haben Nachholbedarf in der Entgeltfrage", sagte er der "Passauer Neuen Presse" am Samstag. Im Herbst starten demnach im Freistaat die Tarifrunden in der Metall- und Elektroindustrie, im Winter dann im öffentlichen Dienst.

Auch grundsätzlich müssten die Stimmen der Gewerkschaften wieder hörbarer werden. "Wir müssen als Gewerkschaften wieder lauter und deutlicher werden und zeigen, wo in dieser Gesellschaft etwas schiefläuft."

Stiedl unterstützt den Kurs der Bundesregierung, die Gas-Einfuhr aus Russland trotz des Kriegs in der Ukraine nicht sofort zu stoppen, sondern nach Alternativen zu suchen.

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Man finde die "Besonnenheit" der Bundesregierung in dieser Frage "sehr klug". Es sei grundsätzlich ein Fehler, sich von einem anderen Land zu sehr abhängig zu machen. "Wir als Gewerkschaften haben zum Beispiel immer vor der Auslagerung der Produktion gewarnt, gerade bei Halbleitern. Denn bei einer Störung der Lieferketten steht die Produktion bei uns. Und genau so ist es gekommen."

Weiter sagte der DGB-Chef: "Wir Gewerkschaften haben auch immer vor dem steigenden Einfluss Chinas gewarnt und gefragt, ob nicht der Gesetzgeber eingreifen muss, wenn chinesische Investoren nach Schlüsseltechnologien greifen. Die deutsche Politik hält sich sehr zurück. In Frankreich oder Großbritannien ist das ganz anders."

Titelfoto: Werner Bachmeier/DGB Bayern/dpa

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