Hochwasser in Bayern: Mehrere Tote, Polizei warnt vor Selfies, Feuerwehr rettet Schlauchbootfahrer

Rosenheim/Traunstein - Überflutete Straßen, Erdrutsche und evakuierte Häuser und möglicherweise zwei Todesopfer - nach starkem Regen hat der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern am späten Samstagabend den Katastrophenfall ausgerufen. Indes steigt die Hochwassergefahr im Osten des Freistaats stetig an.

Wasser fließt über einen Platz vor einem Haus. Der Landkreis Berchtesgadener Land hat nach starkem Regen wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen.
Wasser fließt über einen Platz vor einem Haus. Der Landkreis Berchtesgadener Land hat nach starkem Regen wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen.  © Kilian Pfeiffer/dpa

Zwei Menschen starben in dem Hochwassergebiet. Es sei aber noch unklar, ob deren Tod in Zusammenhang mit dem Hochwasser stehe, sagte die Sprecherin des Landratsamt Berchtesgadener Land, Alexandra Rothenbuchner.

Die Feuerwehr war Samstagabend in dem Landkreis nach sintflutartigem Regen im Dauereinsatz. Die Lage sei dramatisch, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein.

Das Wasser schieße aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an.

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Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Dort trat der Fluss stellenweise über die Ufer und überflutete Straßen. Hänge rutschten ab.

Einzelne Häuser mussten deshalb geräumt werden, sagte Rothenbuchner. Aktuell sei aber niemand in seinem Haus eingeschlossen. Bisher seien hauptsächlich Keller voll gelaufen.

Update, 19. Juli, 14.15 Uhr: Rettungskräfte aus Oberfranken fahren nach Rheinland-Pfalz

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) schickt weitere Hilfskräfte in die vom Hochwasser besonders betroffenen Gebiete in Rheinland-Pfalz.

Rund 170 Helfer aus Oberfranken würden am Montagnachmittag in das Katastrophengebiet starten, teilte das BRK in München mit. Sie sollen die rund 170 Ehrenamtlichen aus Unterfranken ablösen, die seit Samstag im Einsatz sind.

Neben dem BRK hatten auch Organisationen wie der Arbeiter-Samariter-Bund und der Malteser-Hilfsdienst Einsatzkräfte nach Rheinland-Pfalz entsandt. Nach Auskunft des BRK sollen sie unter anderem die Bevölkerung versorgen und die zusammengebrochene Infrastruktur wiederherstellen.

Auch in Nordrhein-Westfalen waren Rettungskräfte aus Bayern im Einsatz.

Update, 19. Juli, 13.39 Uhr: Stadt München verbietet Baden in der Isar

Wegen des Hochwassers sind Baden und Bootfahren an der Isar in München vorerst verboten.

Hier geht es zum Artikel zum Verbot der Stadt München.

Update, 19. Juli, 11.27 Uhr: Bürgermeister von Simbach: Warnungen sind immer schwierig

Der Bürgermeister von Simbach am Inn, dessen Ort vor fünf Jahren von einer Flut verwüstet wurde, sieht die jetzige Kritik am Katastrophenschutz mit gemischten Gefühlen.

"Ich denke nicht, dass der Katastrophenschutz versagt hat, es ist eine sehr, sehr schwierige Sache, die Warnungen zeitgerecht hinzubekommen", sagte Klaus Schmid (CSU) der Deutschen Presse-Agentur am Montag. "Das sind Ereignisse, die sehr kurzfristig kommen. Es ist auch gefährlich, Vorwarnungen auszusprechen, die dann die Bevölkerung durcheinander bringen." Die Menschen müssten die Warnungen auch annehmen.

Die Stadt mit rund 10.000 Einwohnern in Niederbayern wurde im Juni 2016 überflutet, weil der kleine Bach Simbach in Sturzfluten über die Ufer trat. Fünf Menschen starben.

"Es war eine Wetterlage angesagt, aber am Ende waren nicht 2 Gewitterzellen über uns sondern 40", erzählte Schmid. "Irgendwo ist immer die Hoffnung und der Glaube da, dass es nicht so schlimm kommt." Simbach habe nach der Flut zum Beispiel Sirenen beantragt, mit denen auch Durchsagen gemacht werden können. Erst jetzt, nach fünf Jahren, sei man kurz davor, sie zu installieren.

"Das ist eine langwierige Sache, ein schwieriges Unterfangen ... bis das Ganze genehmigt ist, bis die Förderung geklärt ist." Insgesamt kosteten die Hochwassermaßnahmen, bei denen dem Bach mehr Platz gegeben wird, rund 40 Millionen Euro. Das alles aufzubauen, sagte Schmid, dauere normalerweise sieben bis acht Jahre.

Update, 19. Juli, 10.45 Uhr: Passauer Feuerwehr rettet Schlauchbootfahrer aus Donau-Hochwasser

Während des Hochwassers sind in einer dramatischen Rettungsaktion zwei Schlauchbootfahrer aus der Donau bei Passau gerettet worden.

Die Männer seien am Sonntagabend mit ihren Booten abgetrieben und gekentert, sagte ein Sprecher der Wasserpolizei am Montagmorgen. Nach Auskunft der Feuerwehr konnten sich die Männer an Treibholz festklammern. Es hatte sich am Ufer der unbewohnten Donau-Insel Soldatenau verfangen, die schon zu Österreich gehört.

Menschen hatten die Hilferufe der Schiffbrüchigen gehört und die Rettungskräfte alarmiert. Die Feuerwehr sei wegen des Hochwassers gerade in der Nähe gewesen und habe die beiden mit einem Boot rechtzeitig retten können.

Nach Informationen der Rettungskräfte gehörten die Männer zu einer Gruppe von vier Leuten, die wohl in Plattling gestartet waren, jeder mit einem eigenen Schlauchboot. Wegen des Hochwassers eine dumme Idee, wie ein Polizeisprecher kommentierte. "Das ist lebensgefährlich."

Die schwierige Lage in den Hochwassergebieten im Süden und Osten Bayerns wird durch Bilder deutlich.
Die schwierige Lage in den Hochwassergebieten im Süden und Osten Bayerns wird durch Bilder deutlich.  © Armin Weigel/dpa

Update, 19. Juli, 7 Uhr: Hochwasserlage in Bayern entspannt sich etwas

Die Lage in den Hochwassergebieten im Süden und Osten Bayerns hat sich etwas entspannt.

In Passau lag der Pegel der Donau am frühen Montagmorgen bei 8,18 Metern und damit unterhalb der höchsten Hochwasserwarnstufe von 8,50 Metern. Von katastrophalen Zuständen sei man zum Glück noch entfernt, sagte ein Sprecher der Polizei in Passau am Montag.

Völlige Entwarnung gibt es gerade in Städten wie Passau aber noch nicht. Uferpromenaden und Parkplätze waren bereits überflutet worden, Bewohner schützen ihre Häuser mit Sandsäcken und Barrieren.

Den vollständigen Beitrag findest du >>> hier.

Update, 19. Juli, 7 Uhr: Minister diskutiert mit Kommunalpolitikern über Flutpolder

Die Fronten um den Bau von Flutpoldern an der Donau sind verhärtet. Am Montag ab 18 Uhr will Umweltminister Thorsten Glauber (50, Freie Wähler) in Kelheim mit Kommunalpolitikern und weiteren Interessenvertretern diskutieren.

Der Minister hatte vergangene Woche eine vertiefte Studie zur Flutpolder-Problematik vorgestellt, nach der Polder an den fraglichen Standorten der wirksamste Hochwasserschutz sind. Glauber bezeichnete den Bau als alternativlos - sehr zum Ärger vieler Flutpolder-Gegner. Kritiker verweisen auf den Koalitionsvertrag der Staatsregierung, in dem der Bau von Poldern in Bertoldsheim, Wörthhof und Eltheim 2018 ad acta gelegt worden war.

Laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist das auf ausdrücklichen Wunsch der Freien Wähler geschehen. Aber auch deren Chef, Hubert Aiwanger, schließt den Polder-Bau nicht mehr aus. Söder und Glauber setzen auf Dialog und auf die Solidarität der oberen Donau-Anrainer mit den Menschen an der unteren Donau.

Denn: Die Flutpolder - Rückhaltebecken, die bei Hochwasser geflutet werden könnten, um Wassermengen aus dem Fluss zu nehmen - sollen an der oberen Donau entstehen, so dass im Ernstfall die flussabwärts liegenden Regionen vor zu viel Wasser geschützt würden.

Zu den Kritikern der Polder zählen Landwirte, Kommunalpolitiker und der Bund Naturschutz. Glauber sicherte Landwirten, deren Äcker und Wiesen im Bereich der Polder liegen würden, eine 100-prozentige Entschädigung für Ernteausfälle zu, falls die Polder geflutet werden müssten.

Update, 19. Juli, 6.50 Uhr: Herrmann: Fluthilfen sollen schnell und unbürokratisch kommen

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (64) hat den betroffenen Gebieten schnelle Hilfen versprochen. (Archiv)
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (64) hat den betroffenen Gebieten schnelle Hilfen versprochen. (Archiv)  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (64) hat schnelle Hilfen für die vom Hochwasser Betroffenen im Süden und Osten Bayerns zugesichert.

Das bayerische Kabinett werde am Dienstag beschließen, wie Hilfen aussehen könnten, sagte der CSU-Politiker am Sonntagabend im Interview mit der "BR24 Rundschau". Hilfen solle es auch vom Bund geben.

"Wir werden diese Menschen dort nicht allein lassen", betonte Herrmann. Es gehe darum, Straßen und Brücken so schnell wie möglich wieder aufzubauen, aber auch betroffenen Familien zu helfen. "Das wird sehr unbürokratisch und schnell erfolgen müssen", machte der Innenminister deutlich.

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Herrmann äußerte die Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden sei. Die Lage am Königssee scheine derzeit stabil zu sein. "Ich hoffe, dass wir das Gröbste hinter uns haben."

Update, 19. Juli, 6.22 Uhr: Glauber zu Flutpoldern: Es ist jetzt Zeit zu handeln

Thorsten Glauber (50) hofft auf eine schnelle Entscheidung in Sachen Flutpoldern im Kabinett. (Archiv)
Thorsten Glauber (50) hofft auf eine schnelle Entscheidung in Sachen Flutpoldern im Kabinett. (Archiv)  © Matthias Balk/dpa

Angesichts der schweren Überschwemmungen im Westen Deutschlands und auch in Südbayern hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (50, Freie Wähler) noch einmal eindringlich für neue Donau-Flutpolder geworben.

"Aus einer großen Bedrohung folgt eine große Verantwortung. Es ist jetzt Zeit zu handeln", sagte Glauber der "Passauer Neuen Presse" und dem "Donaukurier" am Montag.

Seine Vorschläge für ein umfassendes Flutpolderprogramm lägen auf dem Tisch. "Denn Flutpolder wirken und sie sind im Katastrophenfall notwendig." Er hoffe auf eine zügige Entscheidung im Kabinett.

Die Fronten um den Bau von Flutpoldern an der Donau sind verhärtet. Am Montagabend will Glauber in Kelheim mit Kommunalpolitikern und weiteren Interessenvertretern diskutieren. Der Minister hatte vergangene Woche eine vertiefte Studie zur Flutpolder-Problematik vorgestellt, nach der Polder an den fraglichen Standorten der wirksamste Hochwasserschutz sind. Glauber bezeichnete den Bau als alternativlos - sehr zum Ärger vieler Flutpolder-Gegner.

Kritiker verweisen auf den Koalitionsvertrag der Staatsregierung, in dem der Bau von Poldern in Bertoldsheim, Wörthhof und Eltheim 2018 ad acta gelegt worden war. Laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist das auf ausdrücklichen Wunsch der Freien Wähler geschehen. Aber auch deren Chef, Hubert Aiwanger, schließt den Polder-Bau nicht mehr aus. Söder und Glauber setzen auf Dialog und auf die Solidarität der oberen Donau-Anrainer mit den Menschen an der unteren Donau.

Die Flutpolder - Rückhaltebecken, die bei Hochwasser geflutet werden könnten, um Wassermengen aus dem Fluss zu nehmen - sollen an der oberen Donau entstehen, so dass im Ernstfall die flussabwärts liegenden Regionen vor zu viel Wasser geschützt würden.

Update, 18. Juli, 15.45 Uhr: Politiker fordern Hilfe und sind "bedrückt" über Flut

Die Fluten im Berchtesgadener Land haben auch bei Politikern Betroffenheit ausgelöst.

"Die starken Regenfälle im Berchtesgadener Land haben zu verheerenden Überflutungen und Murenabgängen geführt. Die Bilder und persönlichen Gespräche in meiner Heimat sind damit sehr bedrückend", erklärte Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), die aus dem Landkreis stammt, am Sonntag auf Facebook.

"Mein tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen, die liebe Menschen verloren haben oder vor ihrem zerstörten Hab und Gut stehen."

Die Freien Wähler, die mit der CSU in Bayern regieren, forderten schnelle Hilfe. "Die letzten Tage zeigen deutlich, dass der Klimawandel uns alle betrifft – er stoppt nicht vor unserer Haustür", sagte Florian Streibl, Vorsitzender der FW-Landtagsfraktion.

Deshalb müsse der Staat jetzt möglichst rasch und unbürokratisch Hilfe leisten.

Update, 18. Juli, 15.25 Uhr: Söder und Scholz im bayerischen Hochwassergebiet

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sind am Sonntagnachmittag im Hochwassergebiet in Südostbayern eingetroffen.

Sie wurden nach Angaben eines Sprechers zunächst in Berchtesgaden von Landrat und Einsatzleiter über die aktuelle Situation informiert. Anschließend wollten sie sich auch in Schönau am Königssee ein Bild von der Lage machen. Dort ist am Nachmittag auch ein Pressetermin geplant, an dem auch Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) teilnehmen will.

Titelfoto: Armin Weigel/dpa

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