Homeschooling im Schnee: Schülerin muss Referat im Freien halten, dann geschieht ein Wunder

Vierkirchen - Im oberbayerischen Landkreis Dachau musste die 17-jährige angehende Abiturientin Selina Seebauer einen ungewöhnlichen Schritt gehen. Wegen des schlechten Internets im Haus hielt sie ihr Schulreferat im Garten.

Die 17-Jährige Selina Seebauer sorgte wegen einer Schulnote in der gesamten Nachbarschaft für schnelles Internet.
Die 17-Jährige Selina Seebauer sorgte wegen einer Schulnote in der gesamten Nachbarschaft für schnelles Internet.  © NEWS5 / Pieknik

Zwar wäre bereits seit über einem Jahr ein Glasfaseranschluss in dem Haus der Familie eingerichtet, eine entsprechende Leitung fehlt jedoch im ganzen Ort.

"Wenn du das Kind draußen siehst, dann tut das einfach weh. Das geht gar nicht", beschreibt ihr Vater, Christian Seebauer, seine Empfindungen. Dick eingepackt mit Winterjacke, Handschuhen, Schal und Mütze saß sein Kind im Schnee und hielt ihren Vortrag aus dem Homeschooling heraus.

"Das Ganze geht ja schon seit vielen Jahren so, dass man versucht, schnelles Internet zu bekommen", so Seebauer, der im Bekannten- und Verwandtenkreis nach eigenen Angaben schon Witze über seine schlechte Internetverbindung einstecken muss. "Netflix, was ist das?"

Jetzt, in Zeiten der Pandemie-Maßnahmen, stoßen dadurch alle Familienmitglieder an ihre Grenzen: "Die Töchter brauchen beide das Internet für Homeschooling, meine Frau braucht das Internet und ich selbst auch. Es hat halt hinten und vorne nicht mehr gereicht für ein flüssiges Arbeiten."

Seine Tochter Selina kann am Unterricht nur passiv teilnehmen. Ein Videostream geht gar nicht, die eigene Mikrofon-Übertragung nur ab und zu. Allerdings hat sie noch eine wichtige mündliche Note vor sich. Also was tun?

Fünf Minuten nach Scheuers Anruf klingelte die Telekom

Über die mobilen Daten musste Selina Seebauer ihr Referat in Englisch halten.
Über die mobilen Daten musste Selina Seebauer ihr Referat in Englisch halten.  © NEWS5 / Pieknik

Für das Englisch-Referat musste also eine aufwendige Lösung her. Die Schülerin packt ihr Tablet und ihr Smartphone, sucht sich im Garten einen Platz, wo sie Empfang hat und geht über die mobilen Daten online.

Zwischen Schneeflocken und heißem Tee versucht sie, eine saubere Leistung abzurufen, während Mitschüler und Lehrerin sie aus ihren beheizten Arbeitszimmern aus beobachten. Der Aufwand lohnt sich: Sie bekommt die Note 2 und ist damit sehr zufrieden.

Während sie die Tage darauf zu Hause weiter mit einer halbwegs sinnvollen Homeschooling-Umsetzung kämpft, verbreitet sich ihre Geschichte. Eines Tages klingelt das Telefon der Familie. Am anderen Ende: Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (46, CSU).

"Es war schon kurios. Ich meine, ich hab nur ein Referat gehalten", fasst die 17-Jährige die Situation zusammen. Doch Scheuer wollte ihr nicht zu ihrer Note gratulieren: "Das war wirklich ein supernettes Gespräch. Er war selber total informiert und hat gesagt, dass er sich jetzt drum kümmern will." Nicht nur bei der Familie Seebauer, sondern im ganzen Ort.

Fünf Minuten später ein weiterer Anruf. Am anderen Ende: die Telekom. Im Detail wollte die Schülerin nicht darauf eingehen, was das Unternehmen für Begründungen nannte, dass sie und ihre Nachbarschaft derart digital abgeschnitten waren. Doch es geschah ein Wunder: Seit dieser Woche ist auch der Ort Vierkirchen im digitalen Deutschland 2021 angekommen.

Titelfoto: NEWS5 / Pieknik

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