Inzidenzwert bei 272,8! Berchtesgadener Land macht dicht! Altmaier lobt Entscheidung

Berchtesgaden - Im Landkreis Berchtesgadener Land gelten nun erstmals seit dem sogenannten "Lockdown" im Frühjahr erneut strikte Maßnahmen: Die eigene Wohnung darf nur noch mit einem triftigem Grund verlassen werden.

Ab sofort darf die Wohnung in Berchtesgaden nur noch mit einem triftigen Grund verlassen werden.
Ab sofort darf die Wohnung in Berchtesgaden nur noch mit einem triftigen Grund verlassen werden.  © NEWS5 / Merzbach

Grund dafür ist der bundesweit höchste Inzidenzwert von 272,8. Der oberste Warnwert für die übliche Verschärfung der Maßnahmen liegt laut der neu eingeführten "Corona-Ampel" bei 50.

Ab Dienstag, 14 Uhr, gelten in der Region an der österreichischen Grenze erstmals wieder ersten Ausgangsbeschränkungen.

In den vorerst 14 Tagen müssen Schulen, Kitas, Freizeiteinrichtungen und Gastronomie schließen. Geplante Events werden abgesagt. "Schnell steigende Corona-Zahlen ohne offensichtliche klare Infektionsherde erfordern ein schnelles Durchgreifen", so Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml. "Die Maßnahmen sind zwar ohne Frage einschneidend", so die Ministerin weiter, seien allerdings aufgrund der Entwicklungen notwendig.

Entsprechend kritisch reagieren User in den sozialen Netzwerken. Bei der entsprechenden Mitteilung auf der Facebookseite des Berchtesgadener Landes verschaffen User ihrem Ärger Luft. 

Die Beiträge gehen von kritischen Ansätzen wie "...also es müssen sämtliche Gastronomen und Hotels schliessen, aber der Einzelhandel bleibt auf ? Wie bitte erklärt man das denn ?" über persönliche Missstände, wie "WIR WERDEN ALLE IN STICH GELASSEN Ich bin seit über 20 Jahren Berufsmusiker...meine Berufung...hart dafür hingearbeitet...Mich trifft es auch leider schon das ganze Jahr" bis hin zu den üblichen, an Verschwörungsmythen grenzenden Reaktionen wie "Ja der Sonnenkönig von Bayern hat ganze Arbeit geleistet (...) Ihr seit der Anfang .In zwei Wochen liegt ganz Deutschland im Lockdown, durch die Hintertür".

Auf die User-Frage "Wie geht es Euch Leuten vor Ort damit?" antwortete der Facebook-Seitenbetreiber von "Berchtesgadener Land" selbst: "Es ist katastrophal!" (Rechtschreibungen übernommen.)

Update, 9.42 Uhr: Landrat warnt: Zahlen im Krankenhaus steigen

Landrat Bernhard Kern nennt besorgniserregende Entwicklung: "Die Covid-Patienten werden mehr." (Archiv)
Landrat Bernhard Kern nennt besorgniserregende Entwicklung: "Die Covid-Patienten werden mehr." (Archiv)  © Peter Kneffel/dpa

Die Zahl der Covid-19-Erkrankten im Krankenhaus nimmt im Corona-Hotspot Berchtesgadener Land nach Angaben von Landrat Bernhard Kern zu. 

"Die Covid-Patienten werden mehr. Und das Krankenhaus in Bad Reichenhall ist natürlich gefordert", sagte der CSU-Politiker dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag. Das sei auch der Grund für die Ausgangsbeschränkungen, die ab 14 Uhr in dem Landkreis gelten. An den Kapazitätsgrenzen sei das Krankenhaus aber nicht.

Kern hofft durch die Maßnahmen auf mehr Normalität nach den Herbstferien. "Die Herbstferien werden nicht so sein, wie wir uns das eigentlich wünschen", sagte er. Für Tourismus und Wirtschaft stellten die Maßnahmen natürlich extreme Einschnitte dar. "Mir ist das Wichtigste, dass wir die Gesundheit in den Vordergrund stellen, daher auch die Beschränkungen."

Der Landkreis lag bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz - die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - am Montagabend bei 272,8. Das ist bundesweiter Spitzenwert.

Update, 10.15 Uhr: Altmaier lobt Ausgangsbeschränkungen im Berchtesgadener Land

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat die Ausgangsbeschränkungen gelobt. (Archiv)
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat die Ausgangsbeschränkungen gelobt. (Archiv)  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat die Entscheidung zur Verhängung von Ausgangsbeschränkungen im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land gelobt. 

Die Infektionszahlen dort seien fünfmal so hoch wie es "tolerabel" sei, sagte der CDU-Politiker im "Frühstart" von RTL/ntv. "Deshalb habe ich größten Respekt vor den Verantwortlichen vor Ort, vor dem Landrat, Bürgermeister, aber auch vor der bayerischen Staatsregierung, weil sie schnell und umfassend handeln. Damit helfen sie uns, einen allgemeinen Lockdown in ganz Deutschland zu verhindern."

"Wir müssen verstehen, dass Maßnahmen in Hotspots keine willkürlichen Maßnahmen sind, um Menschen das Leben schwer zu machen, sondern dass sie notwendig sind, um andere Menschen zu schützen vor Ort", sagte Altmaier. "Wir müssen die Infektionsdynamik, die wir seit ungefähr zehn Tagen sehen, brechen."

Von Dienstag 14 Uhr an gelten in der Region an der Grenze zu Österreich die ersten Ausgangsbeschränkungen seit dem Lockdown im Frühjahr. Die Menschen dürfen die eigene Wohnung dann nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Schulen, Kitas, Freizeiteinrichtungen und Restaurants müssen schließen, Veranstaltungen werden untersagt.

Titelfoto: NEWS5 / Merzbach

Mehr zum Thema Bayern:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0