Land in "Geiselhaft"? AfD-Chef schießt gegen Söder, doch andere Parteien lassen ihn auflaufen

München - Harte Worte des AfD-Landtagsfraktionschef Ingo Hahn (49) in Richtung Regierungschef Markus Söder (53, CSU). Der Ministerpräsident soll das gesamte Land "in Geiselhaft" nehmen.

AfD-Landtagsfraktionschef Ingo Hahn poltert gegen Maßnahmen, die er im Frühjahr noch befürwortete.
AfD-Landtagsfraktionschef Ingo Hahn poltert gegen Maßnahmen, die er im Frühjahr noch befürwortete.  © Sven Hoppe/dpa

Hahn bezeichnete ihn am Freitag im Landtag in München als "Täter, der uns diesen Lockdown hier eingebrockt hat". Der AfD-Mann gab außerdem an, dass es "kaum belegte Intensivbetten" gebe.

Zuvor hatte Söder selbst in seiner Erklärung vorgerechnet, wie schnell die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen voraussichtlich stoßen würden, wenn die rasant steigenden Infektionszahlen jetzt nicht abgebremst werden würden. 

Es wäre daher sinnvoll, zu reagieren, bevor man vor dem Kollaps stehe - und nicht erst, wenn es zu spät sei. Zuletzt hatte sich die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen und die Zahl der beatmeten Patienten in Deutschland innerhalb einer Woche verdoppelt.

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Söder verwies zudem auf einen dringenden Appell, der von führenden Wissenschaftlern gemeinsam verfasst wurde, jetzt entsprechende Maßnahmen zu treffen.

 Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warte vor Überlastungen - vor allem in Europa und Nordamerika.

Ingo Hahn nannte den CSU-Chef einen "Märchenerzähler" und kritisierte die angekündigte neuerliche Ausrufung des Katastrophenfalls: "Ihre Politik, das ist hier der Katastrophenfall." 

AfD-Mann Hahn stimmte zuvor selbst für die Maßnahmen

Regierungschef Markus Söder erhielt auch von Oppositionsparteien Rückenwind.
Regierungschef Markus Söder erhielt auch von Oppositionsparteien Rückenwind.  © Sven Hoppe/dpa

Volkmar Halbleib (56, SPD) erinnerte daran, dass Hahn selbst im März - also beim ersten sogenannten Lockdown - alle Maßnahmen mitgetragen habe und etwa mit den Worten: "Den Katastrophenfall auszurufen, war ein wichtiger und richtiger Schritt", begrüßte. Damals war die Zahl der Infizierten sogar noch niedriger.

Auch der CSU-Koalitionspartner, die Freien Wähler, kritisierten die AfD und gingen sogar noch einen Schritt weiter: "Sie tragen ein gerütteltes Maß an Mitverantwortung und auch an Mitschuld, an Mitschuld, an der Situation, die wir jetzt hier haben", warf Fraktionschef Florian Streibl der AfD-Fraktion vor.

Seit Monaten stelle sich die AfD öffentlich gegen sämtliche Versuche und Maßnahmen, eine erneute Virus-Verbreitung einzudämmen. 

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Damit solle die Partei versuchen, parteipolitischen Profit aus der Krise ziehen zu wollen: "Sie sind doch die, die unser Land, unsere Heimat, die Bundesrepublik Deutschland ins Verderben stürzen wollen", so Streibl. 

"Sie sollten sich schämen, das Wort Demokratie, Republik und Freiheit in den Mund zu nehmen", sagte Streibl. Die AfD sei "Totengräber dieser demokratischen Ideale".

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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