Absageflut wegen Corona: Bayerns Landesausstellung öffnet trotz allem die Tore

Friedberg/Aichach - Reihenweise wurden zuletzt Großveranstaltungen abgesagt. Auch bei der Bayerischen Landesausstellung wurde der erste Eröffnungstermin gecancelt, nun findet die Schau doch noch statt.

Ein bronzenes Gießgefäß in Form eines Löwen, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert, ist im Wittelsbacher Schloss ausgestellt.
Ein bronzenes Gießgefäß in Form eines Löwen, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert, ist im Wittelsbacher Schloss ausgestellt.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Normalerweise gilt bei den Bayerischen Landesausstellungen die Faustformel: Wenigstens 100.000 Besucher sollten kommen. 

Im Idealfall werden viel mehr gezählt, wie im Jahr 2011 bei einer Ludwig-II.-Schau in Schloss Herrenchiemsee, als die Marke von einer halben Million Gästen weit überschritten wurde.

In diesem Jahr ist alles anders. Die Landesausstellung "Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte" in Schwaben ist von diesem Mittwoch an bis zum 8. November zu sehen. 

Doch der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, ist wegen der Corona-Einschränkungen nicht einmal sicher, überhaupt die Marke von 100.000 Gästen zu erreichen. "Für den Fall jetzt gibt es keine interne Hochrechnung", sagt er. Er habe "keine Ahnung", mit wie viel Besuchern aufgrund der Umstände gerechnet werden könne.

Ursprünglich hatten manche Beobachter eher einer Absage der Landesausstellung erwartet, nachdem reihenweise andere Großveranstaltungen wie zum Beispiel die Landesgartenschau in Ingolstadt ausfielen. 

Nun öffnet die Geschichtsausstellung doch noch mit eineinhalb Monaten Verspätung. Und mit strengen Hygiene-Vorgaben, wodurch die Zahl der gleichzeitig anwesenden Besucher stark beschränkt wird. 

Interessierte müssen sich auf Warteschlangen einstellen.

Dass der Ausstellungsetat des Hauses der Bayerischen Geschichte angesichts der Beschränkungen ausreicht, ist eher unwahrscheinlich. Ursprünglich war ein Budget von 1,3 Millionen Euro für die Schau angesetzt worden.

Bayerns Landesausstellung: "Trotz Corona sind wir da"

Ein Riefelharnisch aus den Jahren 1550/20 ist in der Bayerischen Landesausstellung im Wittelsbacher Schloss ausgestellt.
Ein Riefelharnisch aus den Jahren 1550/20 ist in der Bayerischen Landesausstellung im Wittelsbacher Schloss ausgestellt.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Hauptausstellungsort ist das Wittelsbacher Schloss in Friedberg nahe Augsburg. Das Schloss wurde vor wenigen Jahren umfassend saniert und steht seitdem nun erstmals überregional im Blickpunkt. Im etwa 20 Kilometer entfernten Aichach wurde die frühere Feuerwehrwache umgebaut.

Die vergangenen Wochen waren dadurch geprägt, dass die teils auch aus dem Ausland kommenden Exponate trotz der geschlossenen Grenzen in die zwei Ausstellungsorte gebracht werden mussten. 

Etwa 150 Leihgaben aus sieben europäischen Ländern werden gezeigt: vom mittelalterlichen Latrinensitz aus Landshut bis zu einem 600 Jahre alten Schriftstück über Landvermessung, das sonst in einer Bibliothek in der Provence lagert. Die wichtigsten Exponate seien erst am Montagabend aus Italien angekommen, erklärte Loibl. Nur auf zwei Stücke musste letztlich verzichtet werden.

Die Ausstellung zeigt, wie die Wittelsbacher Herzöge sich ab dem 13. Jahrhundert gegen die anderen Adelsfamilien in Bayern wie die Grafen von Bogen durchsetzten, indem sie mit der Gründung von neuen Städten an den Handelsrouten ihre Macht sicherten. 

Für die Kinder wird die Geschichte auch mit Comics anschaulich gemacht.

Die Wittelsbacher hatten einst ihre Stammburg in der Nähe der heutigen Stadt Aichach und nannten sich nach dem dortigen Ort Oberwittelsbach - die Region nennt sich daher heute Wittelsbacher Land. Das Adelsgeschlecht der späteren bayerischen Könige gründete auch die Städte Aichach und Friedberg. Die beiden gastgebenden Städte seien damit selbst die beiden größten Exponate, sagte Loibl.

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) betonte bei der Eröffnung am Dienstag, wie wichtig es sei, dass die Landesausstellung der Krise nicht zum Opfer gefallen sei. "Trotz Corona sind wir da." Die Landesausstellungen hätten in den vergangenen Jahren bereits gezeigt, dass sie komplizierte Sachverhalte der Geschichte verständlich erklären könnten, meinte Sibler, der selbst studierter Historiker ist.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Mehr zum Thema Bayern:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0