86.500 Tonnen Lebkuchen: So Schmeckt der Klassiker auch außerhalb der Adventszeit

Nürnberg/Aachen - Mit Erdbeerschokolade oder Zitronenüberzug, bestreut mit rosa Pfeffer, vegan oder in besonderen Formen - Nürnberger Lebkuchen und Aachener Printen haben eine lange Tradition, experimentieren aber auch mal mit neuen Trends.

Frisch gebackene Lebkuchen laufen auf einem Band aus einem Ofen in der Produktion des Lebkuchenherstellers Schmidt in Nürnberg.
Frisch gebackene Lebkuchen laufen auf einem Band aus einem Ofen in der Produktion des Lebkuchenherstellers Schmidt in Nürnberg.  © Daniel Karmann/dpa

Das soll den Verkauf auch außerhalb der Hauptsaison ankurbeln. Denn eigentlich gibt es die beiden Spezialitäten das ganze Jahr über zu kaufen. In Deutschland werden sie aber hauptsächlich in der Adventszeit vernascht.

In Nürnberg tüfteln Geschäftsführer Alexander Düll von der Lebküchnerei Düll und Konditor Matthias Stüber regelmäßig an Innovationen: Elisen-Lebkuchen mit bunter Schokolade, mit Punschglasur, im Miniformat und auf Wunsch mit Initialen oder Hochzeitsdaten verziert, als Schnitten ohne Oblate.

"Die Leute wollen immer Neues", hat Düll festgestellt. Frische Lebkuchen backt die Lebküchnerei das ganze Jahr über, allerdings in viel kleineren Mengen als zur Adventszeit. 90 Prozent des Lebkuchens verkauft sich im vierten Quartal.

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Die Lebkuchenhersteller in Deutschland produzierten dem Statistischen Bundesamt zufolge 2020 insgesamt rund 86.500 Tonnen des beliebten Gebäcks, nur knapp mehr als im Jahr zuvor. Fast ein Viertel der Produktion geht in den Export, nahezu ausschließlich ins europäische Ausland. Damit die Lebkuchen hierzulande pünktlich zur Vorweihnachtszeit in den Handel gelangen, wird vor allem im dritten Quartal hergestellt.

Knapp ein Drittel der Jahresproduktionsmenge fällt laut den Statistikern in die Monate Juli bis September.

Erdbeere und rosa Pfeffer: Lebkuchen und Printen in neuem Gewand

Drei Packungen Lebkuchen mit einem Überzug von Orangenschokolade (l), Erdbeerschokolade (M) und weißer Schokolade stehen in der Lebküchnerei Düll, auf der Theke.
Drei Packungen Lebkuchen mit einem Überzug von Orangenschokolade (l), Erdbeerschokolade (M) und weißer Schokolade stehen in der Lebküchnerei Düll, auf der Theke.  © Daniel Karmann/dpa

Auch in der Lebküchnerei Witte Spezialitäten ist von Oktober bis Dezember Hauptabsatzzeit für Lebkuchen.

Für die warme Jahreszeit hat sich Geschäftsführer Michael Witte spezielle "Sommer-Lebkuchen" mit einem bunten Überzug in den Geschmacksrichtungen Zitrone, Orange und Erdbeere ausgedacht.

Diese seien vor allem als Geschenke aus Nürnberg und bei Touristen beliebt, sagt Witte. "Der Lebkuchen hat ein bisschen ein angestaubtes Image", meint Witte. Vegane und glutenfreie Lebkuchen, Zuckerreduzierte Produkte und Lebkuchen-Konfekt gehören deshalb bei ihm inzwischen zum Standard-Sortiment.

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Bis zu drei Millionen Lebkuchen laufen zurzeit bei Lebkuchen-Schmidt am Stammsitz in Nürnberg täglich aus dem Ofen. Zu 300 Stammkräften kommen noch 500 Saisonkräfte dazu, die Maschinen bedienen, gebrochene Lebkuchen aussortieren oder das fertige Gebäck verpacken.

"Lebkuchen ist für Deutschland und Mitteleuropa ein absoluter Saisonartikel", sagt Geschäftsführer Jürgen Brandstetter. Von Oktober bis Dezember macht das Traditionsunternehmen 80 Prozent seines Umsatzes. In diesem Jahr rechnet Brandstetter erneut mit Zuwächsen und geht von rund 100 Millionen Euro am Jahresende aus.

Das Unternehmen bringt regelmäßig Neuheiten wie Lebkuchen mit Bratapfelstücken oder gebrannten Mandeln heraus. In der Versuchsbackstube probieren die Fachleute das ganze Jahr über neue Rezepte aus. Zu exotisch sollte es aber nicht werden. "Lebkuchen ist etwas Traditionelles. Etwas Verrücktes wie Einhorn-Lebkuchen passt da nicht", meint Brandstetter.

Meist verkaufte Sorte: Klassiker mit Zartbitterschokolade

In der Lebküchnerei Düll machen die Mitarbeiter noch alles per Hand, nach altem Familienrezept, inzwischen in vierter Generation.
In der Lebküchnerei Düll machen die Mitarbeiter noch alles per Hand, nach altem Familienrezept, inzwischen in vierter Generation.  © Daniel Karmann/dpa

Trotz all der Innovationen - die am meist verkauften Sorten bleiben sowohl bei Lebkuchen-Schmidt als auch bei Düll die ganz normalen mit Zartbitter-Schokolade. Auch Zuckerglasur und Vollmilchschokolade seien als süße Überzüge stark gefragt - vor allem, wenn sich die Festtage näherten, sagt Alexander Düll. "Für Weihnachten werden hauptsächlich die Klassiker gekauft."

In Aachen betont Bäcker Andreas Klein, die Printe sei eigentlich kein Weihnachtsartikel. "Wir vermarkten sie das ganze Jahr über", sagt der Inhaber der Printenbäckerei Klein.

Gefragt ist das Lebkuchen-Gebäck dennoch vor allem vor Weihnachten: 80 Prozent des Umsatzes macht Klein in den letzten fünf Wochen des Jahres. Im Sommer greifen viele Touristen zu.

"Der Grundteig ist immer der gleiche", sagt Klein. Was sich ändert, sind Form und Konsistenz. Mal sind es kleine, mal längliche Vierecke, weiche, harte oder knusprig gebackene Printen, mit Nüssen bestreut oder glasiert. Vegan ist die Printe sowieso, außer sie wird von Milchschokolade umhüllt. Bei "Sommer-Printen" wird auf eine Schokoladenhülle verzichtet.

Die Zutaten für den Teig sind vorgeschrieben. "Aber wir schauen immer, welche Neuerungen möglich sind", sagt Heiner Nobis von der gleichnamigen Printenbäckerei. Mit Marzipan gefüllte Kräuterprinten sind als "Aachener Domspitzen" im Sortiment. Lange, mit dunkler Schokolade umhüllte Printen mit rosa Pfeffer stellt Nobis schon länger her.

Die Nachfrage sei stabil, sagt er. Aber in der dunklen Jahreszeit kommen vor allem traditionelle Aachener Printen aus der Backstube.

Titelfoto: Bildmontage: Daniel Karmann/dpa (2)

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