Massive Missständen in oberbayerischem Seniorenwohnheim: Muss ein neues Kontrollsystem her?

Schliersee - Angesichts der Ermittlungen zu mutmaßlich massiven Missständen in einem Seniorenwohnheim im oberbayerischen Schliersee will der Freistaat die Kontrollmechanismen auf den Prüfstand stellen.

Ein Schild mit der Aufschrift "Seniorenresidenz Schliersee" steht vor der betroffenen Einrichtung in Oberbayern.
Ein Schild mit der Aufschrift "Seniorenresidenz Schliersee" steht vor der betroffenen Einrichtung in Oberbayern.  © Peter Kneffel/dpa

Das Gesundheits- und Pflegeministerium prüfe, "ob weitere Verbesserungen am derzeitigen Kontroll- und Bewertungssystem erforderlich sind", sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (56, CSU) am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in München.

In dem Seniorenwohnheim sollen Bewohner über Monate vernachlässigt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen Verdachts auf Körperverletzungsdelikte bei 88 Bewohnern. Es habe in dem Heim verwahrloste und unterernährte Menschen gegeben. Zudem würden 17 Todesfälle untersucht.

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"Hinweise auf mögliche Missstände in Pflegeheimen nehme ich sehr ernst", sagte Holetschek. "Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass die Pflege und Betreuung in allen Einrichtungen im Freistaat angemessen gewährleistet wird und die Bewohnerinnen und Bewohner vor Beeinträchtigungen geschützt werden."

Vorfälle wie im Seniorenwohnheim in Schliersee müssten mit aller Entschlossenheit aufgeklärt werden. "Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, muss das klare Konsequenzen haben", sagte der Minister.

Laut Staatsanwaltschaft richten sich die Ermittlungen in Schliersee derzeit gegen vier Personen, darunter eine frühere Einrichtungsleitung.

Der derzeitige Leiter der Seniorenresidenz hatte die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurückgewiesen.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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