Dürfen Frauen bald Stadtbach ausfischen? Amtsgericht hat entschieden

Memmingen - Dürfen Frauen künftig in Bayern am Höhepunkt des Memminger Fischertags den Stadtbach ausfischen?

Teilnehmer des Fischertages stehen während des Ausfischens mit ihren Keschern, den sogenannten Bären, im Stadtbach. (Archivbild)
Teilnehmer des Fischertages stehen während des Ausfischens mit ihren Keschern, den sogenannten Bären, im Stadtbach. (Archivbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Im Streit zwischen dem veranstaltenden Verein und einem seiner weiblichen Mitglieder urteilt am Montag (9 Uhr) das Amtsgericht der Stadt im Allgäu.

Damit dürfte die juristische Auseinandersetzung aber noch nicht beendet sein: Beide Seiten haben schon angekündigt, im Fall einer Niederlage die nächsthöhere Instanz anrufen zu wollen.

Zum Auftakt des Zivilprozesses Anfang August hatten sich die Beteiligten nicht einigen können. 

Die Klägerin aus Memmingen will erreichen, dass Frauen durch eine Satzungsänderung in die Gruppe der Stadtbachfischer aufgenommen werden dürfen.

Bisher ist dies nur männlichen Einwohnern der Stadt nach einer Fischerprüfung erlaubt. Die entsprechende Klägerin sieht darin jedoch eine unzulässige Diskriminierung. Der Verein hingegen beruft sich auf die Vereinsfreiheit und die Wahrung eines jahrhundertealten Brauchtums.

Der Fischertag in Memmingen zieht jedes Jahr Zehntausende Besucher in die Stadt. Höhepunkt des Traditionsfestes ist das Ausfischen des Stadtbaches. 

Wer den schwersten Fisch erwischt, darf sich ein Jahr lang "Fischerkönig" nennen. Nach Einschätzung des Fischertagsvereins ist das die höchste Ehre im Leben eines echten Memminger Mannes. Den Frauen bleibt die Rolle vorbehalten, am Rand als "Kübelmädle" die gefangenen Fische zu bewachen.

Update 10.35 Uhr: Frauen sollen künftig ausfischen dürfen

Frauen sollen künftig am Höhepunkt des Memminger Fischertags den Stadtbach ausfischen dürfen. Wie das Amtsgericht Memmingen am Montag urteilte, ist der Ausschluss von Frauen aus der Gruppe der Stadtbachfischer durch den veranstaltenden Verein eine unzulässige Diskriminierung. Geklagt hatte ein weibliches Mitglied. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Richterin Katharina Erdt betonte am Montag, der gemeinnützige Verein mit rund 4500 Mitgliedern habe in der Stadt eine besondere soziale Machtstellung inne und sei an den Grundsatz der Gleichberechtigung im Grundgesetz gebunden. Eine männliche Tradition sei kein zulässiger Grund für Diskriminierung. Der Vereinsvorstand hatte den Ausschluss von Frauen vom Höhepunkt des Volksfests mit Zehntausenden Besuchern mit der Wahrung eines jahrhundertealten Brauchtums begründet.

Die juristische Auseinandersetzung dürfte mit dem Urteil noch nicht beendet sein. Der Fischertagsverein hatte zuvor angekündigt, im Fall einer Niederlage die nächsthöhere Instanz anrufen zu wollen.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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